Aisha und das verlorene Buch

Ein 13-jähriges Mädchen, das im Al-Andalus des 11. Jahrhunderts davon träumt, Feuerwerksmeisterin zu werden, begibt sich nach dem Diebstahl eines wertvollen Schriftstücks auf eine abenteuerliche Reise. Der Animationsstreifen „Aisha und das verlorene Buch“ entführt das Publikum in eine aufregende Welt und punktet mit einer ungewöhnlichen Optik. Geschichte und Figuren bleiben aber zu sehr an der Oberfläche, um den Film zu etwas Besonderem zu machen.

 

Über den Film

Originaltitel

La llum de l’Aisha

Deutscher Titel

Aisha und das verlorene Buch

Produktionsland

DEU, SGP, ESP

Filmdauer

85 min

Produktionsjahr

2025

Produzent

Holger Weiss, Peter Keydel, Joseph Koh, Raúl Berninches

Regisseur

Shadi Adib

Verleih

Der filmverleih GmbH

Starttermin

28.05.2026

 

Den Abend- und Nachthimmel mit Raketen in allen nur erdenklichen Farben erstrahlen zu lassen – für die 13-jährige Aisha gibt es nichts Schöneres! Feuerwerksmeisterin möchte sie werden. Doch im Al-Andalus des 11. Jahrhunderts ist das kein passender Beruf für eine Frau. Meint jedenfalls ihr Vater Ahmad, der die renommierten Palastbibliothek leitet und sich nur eines wünscht: Dass seine Tochter denselben Weg einschlagen möge wie ihre verstorbene Mutter, die die Kunst der Kalligrafie erlernte. 

 

Als in ihrer Stadt eines Tages der Alchimist Txawir mit seinem Schiff anlegt, gerät Aisha mitten hinein in eine finstere Verschwörung: Der Neuankömmling bringt sie dazu, ein kostbares Buch aus der Bibliothek zu entwenden, und macht sich anschließend damit aus dem Staub. Ahmad wiederum sieht plötzlich einem Todesurteil entgegen. Denn Muhtadi, die höchste Autorität der Rechtsprechung vor Ort und Onkel des jungen, sich aus Angst vor Anschlägen in seinen Gemächern versteckenden Kalifen, macht Aishas Vater für den Diebstahl verantwortlich. Eigentlich wollte der Verwandte des Oberhaupts jedoch selbst in den Besitz des Schriftstücks gelangen, um mit dessen Hilfe die geplante Ermordung seines Neffen durchzuführen. Will Aisha Ahmads Unschuld beweisen und ihn retten, muss sie Txawir seine Beute wieder abnehmen.

 

„Aisha und das verlorene Buch“, eine spanisch-deutsch-singapurische Koproduktion, taucht in eine reizvolle, im Animationskino selten erkundete Welt ein. Mit dem arabischen Namen Al-Andalus (aus dem sich die heutige Region Andalusien ableitet) bezeichnet man jene Gebiete auf der iberischen Halbinsel, die zwischen 711 und 1492 unter islamischem Einfluss standen. Auch wenn diese Zeit keineswegs frei von Konflikten war, kam es damals zu regem Austausch in kulturellen und wissenschaftlichen Belangen. Besonders letztgenannten Punkt greift der von Shadi Adib inszenierte Animationsfilm auf.

 

„Wissenschaft ist Licht“, erinnert Ahamd seine Tochter bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Muhtadi wiederum will Erkenntnisse der Forschung für seine bösen Absichten missbrauchen. Allzu viel holt das Drehbuch aus diesem spannenden Gegensatz leider nicht heraus. Vielmehr läuft er die meiste Zeit nebenher. Ebenso wie die Selbstermächtigung der neugieren, geschwind durch die Gegend sausenden Aisha. Scheint die Jagd nach ihrem Traum anfangs noch den Kern der Geschichte zu bilden, rückt sie mit dem Diebstahl des Buches zunehmend in den Hintergrund. Mehr Gewicht hat eindeutig die Abenteuerdramaturgie, haben die Herausforderungen unserer Heldin auf ihrer Reise.

 

Was dabei positiv ins Auge springt: Der Kosmos, den der Film entwirft, ist erfreulich divers gestaltet. Noch dazu versprüht „Aisha und das verlorene Buch“ dank seiner eigenwilligen Optik einen gewissen Charme. Statt flüssiger, fotorealistischer Animationen, wie sie in vielen großen Studioproduktionen zu sehen sind, bekommen wir etwas klobigere Bilder geboten, die an ein Stop-Motion-Werk erinnern und den Eindruck erwecken, Aisha würde sich durch eine Welt aus Holz und Ton bewegen. 

 

Handlung und Figurenzeichnung können mit dem ansprechenden Stil allerdings nicht mithalten. Vor allem die Nebencharaktere bleiben arg skizzenhaft, erhalten kaum Raum zur Entfaltung. Bis auf Txawir, der im Verlauf ein bisschen an Profil gewinnt, werden alle antagonistischen Kräfte plakativ als böse und durchtrieben dargestellt. Präsentiert sich die Handlung lange nicht übermäßig hektisch, geht es im Finale dann plötzlich drunter und drüber. Muhtadis Plan wirkt absurd umständlich und ebnet den Weg für ein Spektakel, das irgendwie nicht ganz zum Rest der Erzählung passen will.

 

Christopher Diekhaus

Mehr lesen

Neuste Filmkritiken

ℹ️ Die Inhalte von programmkino.de sind nur für die persönliche Information bestimmt. Weitergabe und gewerbliche Nutzung sind untersagt. Nachdruck nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion. Filmkritiken dürfen ausschließlich von Mitgliedern der AG Kino-Gilde für ihre Publikationen verwendet werden.