Albrecht Weinberg – Es ist immer in meinem Kopf

Mit 101 Jahren starb vor wenigen Monaten Albrecht Weinberg, einer der letzten Holocaust-Überlebenden. Nach Jahrzehnten in den USA kehrte er in seine ostfriesische Heimat zurück, wo er sich der Aufklärung der nächsten Generationen widmete. Güner Yasemin Balci und Jesco Denzel Dokumentarfilm „Albrecht Weinberg – Es ist immer in meinem Kopf“ porträtiert Weinberg auf sensible Weise.

 

Über den Film

Originaltitel

Albrecht Weinberg – Es ist immer in meinem Kopf

Deutscher Titel

Albrecht Weinberg – Es ist immer in meinem Kopf

Produktionsland

DEU

Filmdauer

90 min

Produktionsjahr

2026

Regisseur

Güner Balcı

Verleih

mindjazz pictures UG

Starttermin

10.09.2026

 

Aus dem KZ ging es direkt nach New York, so beschreibt Albrecht Weinberg seinen Lebensweg, der von extremsten Brüchen gekennzeichnet war. Dass der 1925 in Ostfriesland geborene Weinberg die Konzentrationslager überlebte, dazu mehrere Todesmärsche, grenzt an ein Wunder, noch mehr, dass auch seine Schwester Friedel überlebte.

Gemeinsam emigrierten die Geschwister 1947 in die USA, fanden in der Metropole New York ein zu Hause und lebten ihre Version des amerikanischen Traums. Gemeinsam mit einem anderen Überlebenden übernahm Albrecht Weinberg eine Fleischerei, fand eine neue Heimat und hatte einen Vorsatz: Nie wieder nach Deutschland zurückzukehren.

Doch 1985 kontaktierten zwei Bewohner seiner Heimatstadt Leer die Weinbergs und überzeugten die Geschwister davon, zu Gedenkveranstaltungen anlässlich des 40. Jahrestags des Kriegsendes, Deutschland zu besuchen. Der Kontakt blieb bestehen und führte einige Jahre später zu der Möglichkeit, in die Heimat zurückzukehren. Friedel hatte einen Schlaganfall erlitten und verstarb 2012, Albrecht Weinberg wohnte die letzten Jahre seines langen Lebens mit der etwas jüngeren Gerda Dänekas zusammen, halb Pflegerin, halb Lebensgefährtin.

Inzwischen ist ein Gymnasium in Leer nach ihm benannt, hier und an vielen anderen Orten trat Weinberg jahrelang als Zeitzeuge auf, berichtete jungen Menschen vom Zweiten Weltkrieg, den Konzentrationslagern, dem Holocaust, im Versuch, die Erinnerung an die Grauen aufrecht zu halten. Für sein Engagement wurde Weinberg sogar mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, doch 2025 gab er die Auszeichnung zurück, mit Verweis auf die Migrationspolitik der CDU/CSU, genauer gesagt jenem Beschluss im Bundestag, der nur mit den Stimmen der AFD beschlossen wurde.

Ein Mann mit Rückgrat, bis zum Ende, der auch Jahrzehnte nach Ende des Zweiten Weltkriegs noch mit erstaunlicher Klarheit über das Erlebte und Erlittene berichtet, wie Güner Yasemin Balci und Jesco Denzel Dokumentarfilm „Albrecht Weinberg – Es ist immer in meinem Kopf“, auf einfühlsame Weise zeigt.

Stilistisch zurückhaltend, behutsam und nachdenklich nähern sich die Regisseure Albrecht Weinberg, der zwar meist lebenslustig wirkt, gelassen und zufrieden, doch gerade angesichts der Ereignisse am und nach dem 7. Oktober 2023, des Massakers der Hamas und dem anschließenden Gaza-Feldzug Israels, verdunkelt sich Weinbergs Stimmung. In den Nachrichten wird von wachsendem Antisemitismus in Deutschland berichtet, der Eindruck verstärkt sich, dass sich seit dem Holocaust nicht viel verändert hat, vielleicht sogar wieder schlimmer geworden ist. Die Begegnungen mit jungen Schülern geben Weinberg Hoffnung, zumindest manche der Teenager wirken ehrlich ergriffen von den Berichten und dem Auftreten des Überlebenden, andere sind eher fasziniert von dem fast verblichenen Tattoo auf Weinbergs Arm, der Nummer aus Auschwitz, machen Fotos, ob sie auch die Bedeutung verstehen muss offenbleiben.

Ein Film wider dem Vergessen ist „Albrecht Weinberg – Es ist immer in meinem Kopf“, der anhand eines Menschen, eines Überlebenden, vom Holocaust erzählt, von unfassbarem Grauen und den schwierigen, aber notwendigen Versuchen, die Erinnerung am Leben zu erhalten.

 

Michael Meyns

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