Nur für Verrückte

„Es war einmal vor einiger Zeit, gar nicht sooo weit entfernt.“ So beginnt diese märchenhafte Geschichte um zwei denkbar ungleiche Brüder sowie eine ziemlich große Liebe. Der verzweifelte Witwer Georg verknallt sich rettungslos in seine Therapeutin. Als ein Fremder namens Uwe eines Tages an der Tür klingelt und sich als sein verschollener Bruder ausgibt, nimmt das Schicksal plötzlich eine unerwartete Wendung. Mit Mut zum rigorosen Erzählen entwickelt das charmante Odd-Couple-Movie ein Panoptikum seltsamer Figuren und kurioser Situationen. Eine kompromisslose Komödie über viel Verzweiflung, allerlei Hoffnung sowie diverse Möglichkeiten der Liebe. „Der Steppenwolf“ von Hermann Hesse lässt grüßen, mit Schwarzweißbildern wie aus einem Ingmar Bergman.

 

Über den Film

Originaltitel

Nur für Verrückte

Deutscher Titel

Nur für Verrückte

Produktionsland

DEU

Filmdauer

79 min

Produktionsjahr

2025

Regisseur

Lehmann, Matthias

Verleih

Alpenrepublik GmbH

Starttermin

19.11.2026

 

„Was würdest du machen, wenn du erfährst, dass du nicht mehr lange zu leben hast“? – „Einkaufen!“. So lakonisch klingen die Dialoge dieser amüsant nachdenklichen Komödie. Oder: „Bist du eine Frau?“, fragt das Kind vor der Boutique. „Weiß ich nicht!“, kommt als Antwort. Oder: „Glaubst du an das Leben auf anderen Planeten?“ – „Ich glaube sogar an das Leben auf der Erde!“. Als zitierfähig präsentiert sich allemal der Titel, stammt er doch aus Hermann Hesses „Der Steppenwolf“ von 1927. Dort ziert der Spruch jene mysteriöse Eintrittskarte für das „Magische Theater“, die dem Helden Harry Haller zugesteckt wird. Es wird sein Ticket zur Selbstfindung,

eine Einladung, sich von Konventionen zu lösen, das Unbewusste zu erforschen und die starren gesellschaftlichen Rollen abzulegen. Die höchste Stufe der Erkenntnis im Theater ist der Humor. Dieses Prinzip macht auch der Film sich zu eigen und geht dabei angenehm unangestrengt vor.

 

„Hallo. Ich bin dein Bruder!“, begrüßt der Fremde den verblüfften Wohnungsinhaber an der Tür. Georg (Jochen Nickel)hat es sich gerade in der Badewanne gemütlich gemacht. Wobei der griffbereite Fön am Beckenrand nicht unbedingt Gutes verheißt. Das Sturmklingeln erweist sich da als Wink des Schicksals. Dass der unbekannte Uwe (Eckhard Preuss) sein verschollener Bruder sein soll? Ein paar Indizien sprechen immerhin dafür. Nachdem Georgs anfängliche Zweifel schnell verflogen sind, darf Uwe sogar in die Wanne. Mit des Bruders bereits benutztem Badewasser, freilich ohne Fön.

 

Das Verhältnis der ungleichen Männer wird zum dramaturgischen Motor des Odd-Couple-Movies. Uwe reißt seinen überforderten Bruder aus der Lethargie und ermuntert ihn zur längst überfälligen Flirtoffensive bei seiner Therapeutin (Margret Völker). Als Georg einen verhängnisvollen Brief bei Uwe entdeckt, werden die Karten gänzlich neu gemischt. Zum neuen Stil gehört etwa, dass alte  Modegewohnheiten über Bord geworfen werden und Männer ganz gut schicke Kleider tragen können. Oder dass man sich gegen homophobe Hater am besten gemeinsam wehrt. Schließlich noch, dass selbst ein Bruce Lee Film zum erfolgreichen Kino Date taugen kann.   

 

Für sein Drehbuch von „Sterben ist auch keine Lösung“ bekam Matthias Lehmann 2021 beim Festival des deutschen Films von Ludwigshafen den Rheingold Publikumspreis. Bei seiner eigenen Regiearbeit geht er nun all in: „Mehr rigorose Filme wagen!“ lautet das Motto der nachdenklichen Komödie mit „Steppenwolf“-Anklängen. In kontrastreichem Schwarzweiß inszeniert, versammelt er ein Panoptikum seltsamer Figuren samt kurioser Situationen. Jochen Nickel und Eckhard Preuss spielen die schrägen Vögel mit sichtlichem Vergnügen und geben dem Affen Zucker. An der wundersamen Wundertüte von Wendungen sollte man sich besser nicht stören: Schließlich ist es eine Komödie, nur für Verrückte.                     

 

Dieter Oßwald

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