American Dreamz

Eine Komödie über die  moralische Verwahrlosung der Medien und die absurde Tatsache, dass jeder Trottel politische Ämter ergattern kann, vorausgesetzt er hat die richtigen Berater. Die Brüder Paul und Chris Weitz („American Pie“ und „In good Company“) schenken uns eine der witzigsten Satiren des Kinojahres, in dem sie unserer fernsehverdummten Gesellschaft den Reality-Spiegel vorhalten.  Jeder kann für fünfzehn Minuten berühmt werden, Hauptsache er verkauft seine Seele. Und das gilt für den arabischen Selbstmordattentäter genauso wie für das Britney-Spears-Double aus den Südstaaten. Eine Komödie für alle, die sich bei uns mal Luft machen wollen über die Verbohlenheit des Landes.

Webseite: www.americandreamz.de

USA 2006
Regie: Chris Weitz, Paul Weitz
Darsteller: Hugh Grant, Dennis Quaid, Chris Klein
Verleih: UIP
Kinostart: 15.6.2006

PRESSESTIMMEN:

Eine spritzige Kombination aus Polit- und Mediensatire, in der das politische Establishment ebenso sein Fett abbekommt wie die Auswüchse des kommerziellen Primitivfernsehens. Hugh Grant, Dennis Quaid, Mandy Moore und Willem Dafoe agieren mit sichtlich großer Spiellust in dieser schwarzhumorigen Farce.
Filmecho

FILMKRITIK:

"People that are really very weird can get into sensitive positions and have a tremendous impact on history."
Wir wussten das schon länger; für George W. Bush war´s ein Grund zur Verblüffung.  Auch Dennis Quaid kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Er spielt den Präsidenten in „American Dreamz“ und speist ihn dabei zu schätzungsweise 55% aus Bush und zu 45% aus den merkwürdigsten Verhaltensweisen anderer amerikanischer Präsidenten. Eines denkwürdigen Morgens kommt der mächtige Mann auf eine ausgefuchste Idee: „Ich werde die Zeitung lesen“ um dann seinen ersten Berater irritiert zu fragen:  „Haben Sie gewusst, dass es drei Arten von Irakern gibt?“ 

 

Witze über Autoritäten kommen auf der ganzen Welt gut an, aber in den USA gehört diese Art des Hinterfragens zum nationalen Erbe. „American Dreamz“ ist eine Persiflage auf die Regierungsumstände im Weißen Haus und gleichzeitig eine Satire über das, was in Deutschland so flapsig als „Unterschichtenfernsehen“ abgetan wird. Hugh Grant glänzt als zynischer Gastgeber der Casting-Show „American Dreamz“, der sich von seiner Freundin mit den Worten verabschiedet: „Du hast mir das Gefühl gegeben ein besserer Mensch zu sein, aber das bin ich nicht.“ Ist er auch nicht. Im Gegenteil. Um die Quoten seiner Show schön stabil zu halten, will er die Schraube der Menschenverachtung noch einen Tick anziehen. Peinlich sind seine Kandidaten immer, jetzt will er echte Freaks finden: Ein White-Trash-Girlie, das „guten Geschmack“ nicht mal fehlerfrei buchstabieren könnte, aber eine prima Masturbationsvorlage bietet,  einen jüdischen Rapper, der sich debil grinsend zum Hampelmann macht und einen possierlich-pummeligen Araber, der talentfrei Musicalmelodien vorjault. Also genau das, was wir aus dem Bohlenfernsehen kennen, nur setzen die Brüder Weitz ( „American Pie“, „About a Boy“) eins drauf. Der niedliche Araber namens Omer entstammt einem Terroristen-Camp und wird am Ende einen Sprengstoffgürtel ins Studio schleppen. Der moral-resistente Moderator wird die Kamera draufhalten, der Präsident zugegeben, dass er auch keine Ahnung hat, wie das im Nahen Osten alles weitergehen soll, und das „All-American“ Girl wird nicht in der Versenkung verschwinden, sondern weiter daran arbeiten, die Demokratie mittels Massenverblödungssendungen zu torpedieren. Menschenwürde, Medien, die nach bestem Wissen und Gewissen aufklären, ein Staatsmann, dem das Wohl seines Volkes am Herzen liegt – auf allem prangt ein rotes Schild: „Sale- Ausverkauf!“

Während wir in Deutschland sofort heiße Ohren bekommen und fragen „Darf man das?“ hat Satire dieser Art in den USA Tradition. Ein klassisches Beispiel: Charly Chaplin mit „Der große Dikator“, ein jüngeres Beispiel: Die Mediensatire „Wag the Dog“. „American Dreamz“ knüpft hier an – frei nach dem Motto. Wenn der Mund zum Lachen aufsteht, könnte man ja gleich das Hirn ein bisschen füttern.

Tatsächlich gibt es viel zu Lachen und den Nachbarn vergnügt ins Bein zu zwicken in diesem amerikanischen Albtraum:  Dennis Quaid, wie er die Stirn in Dackelfalten legt, Hugh Grants Pokerface, die wunderbare Regie von Paul Weitz, der die Pointen prägnant herausarbeitet, in dem er sein Ensemble stets unterspielen lässt – all das fügt sich zu einer der bissigsten Komödien der letzten Zeit.
Und die haben wir uns verdient. Damit wir endlich mal über das lachen dürfen, was doch eigentlich zum Heulen ist.

Sandra Vogell