An Enemy To Die For

Ein Thriller im Eismeer, der zu Beginn des 2. Weltkriegs spielt: Auf einem Schiff sind die Teilnehmer einer internationalen Expedition zu einer Zwangsgemeinschaft vereint und werden von einem Moment zum anderen zu Feinden. Die wechselnden Intrigen und Doppelspiele steigern sich zu einem Szenarium, aus dem es scheinbar kein Entkommen gibt.
Neben der Frage, ob es möglich ist, sich aus der Politik herauszuhalten, geht es auch um moralische Fragen: Wie kann man gegen Unrecht und Verrat vorgehen, ohne selbst schuldig zu werden? Wofür ist man bereit, sein Leben zu riskieren? Ist Mut mutig?
Peter Dalle entwickelt ein vielschichtiges, spannendes Drama und einen Abenteuerfilm der ganz besonderen Art, mit großartigen Bildern und tollen Darstellern! Vor allem Axel Prahl als unentschlossener Wissenschaftler ist einfach grandios. Insgesamt ein inhaltlich und optisch bemerkenswerter Thriller mit Tiefgang.

Webseite: www.an-enemy-to-die-for.de

Schweden/Deutschland/Norwegen/Polen 2012 (deutsche Fassung und OmU)
Regie und Drehbuch: Peter Dalle
Darsteller: Richard Ulfsäter, Jeanette Hain, Axel Prahl, Tom Burke, Allan Corduner, Sven Nordin
Musik: Adam Nordén
106 Minuten
Verleih: MFA
Kinostart: 14. März 2013

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Eine Expedition in die Arktis, wie sie vielleicht hätte stattfinden können, aber tatsächlich nie stattgefunden hat: Auf den Spuren des Geographen Alfred Wegener reist der deutsche Forscher Friedrich mit seiner Kollegin Leni Ende August 1939 zum Nordpol. Das Schiff unter der Leitung eines norwegischen Kapitäns ist international besetzt. Die übrigen Expeditionsmitglieder stammen aus England und Schweden, die Besatzung besteht aus Russen und Polen. Das Ziel der Tour ist, Beweise für Wegeners These von der Existenz eines Urkontinents zu finden, zu dem die Erdteile einst verbunden waren, bevor sie durch die Kontinentaldrift in Bewegung gerieten und sich voneinander entfernten. Kaum hat die Reise begonnen, beginnt der Krieg. Und ähnlich wie die Kontinente driften nun die Angehörigen der verschiedenen Nationalitäten auseinander. Aus Freunden werden Feinde. Friedrich erhält aus Berlin den Befehl, das Kommando auf dem Schiff zu übernehmen. Als sich auch noch einer der beiden Engländer als fanatischer Nazispion entpuppt, eskaliert die Lage an Bord.

Friedrich muss sich entscheiden. Eigentlich ist er ein obrigkeitstreuer Deutscher – aber dagegen steht nicht nur seine heimliche Liebe zu Leni (sehr einfühlsam: Jeanette Hain), die um ihren schwulen Bruder fürchten muss. Er wurde von den Nazis verhaftet. Friedrich ist das Gegenteil eines schneidigen Helden – ein Zweifler, ein Zauderer. Axel Prahl zeigt ihn zu Anfang als blassen, beinahe unsympathischen Mitläufer, der sich im Verlauf zur vielschichtigen Persönlichkeit mausert, und diese Entwicklung spielt Axel Prahl großartig mit vielen leisen Tönen. Ausgerechnet der junge Schwede Gustav (Richard Ulfsäter als entschiedener und doch sensibler Humanist), der Angehörige einer kriegsneutralen Nation, ergreift die Initiative und nimmt den Kampf auf.

In der klaustrophobischen Atmosphäre des engen Schiffes prallen die Charaktere und ihre unterschiedlichen Interessen aufeinander. Umgeben von Wasser, Schnee und Eis wird aus der wissenschaftlichen Expedition ein Kampf ums Überleben. Zwischen Leni und Gustav entwickelt sich trotz aller Gefahr für Leib und Leben eine Liebesbeziehung, während andere Akteure von Hass und Fanatismus angetrieben werden und sogar vor Mord nicht zurückschrecken.

So ungewöhnlich dieser Film ist in seiner Mischung aus Abenteuer, Melodram und Thriller, so spannend ist er auch. Erst spät enthüllt sich das Geheimnis der ersten Bilder. Die folgende ausführliche Exposition inklusive der Vorstellung aller Charaktere ist nur der Start für eine sich ständig steigernde Thrillerhandlung. Man fiebert mit, ob es Gustav gelingen wird, Verbündete auf seine Seite zu ziehen, man hofft, dass die Katastrophe irgendwie aufzuhalten ist oder dass den Bösewicht wenigstens die gerechte Strafe ereilt. Doch bei aller Spannung ist dies kein Actionfilm im klassischen Sinne, sondern mehr ein Abenteuerfilm als psychologisches Drama. Und deshalb geht es nicht vorrangig um Effekte, sondern um die Interaktion von Charakteren. Die unterschiedlichsten Menschentypen sind hier vereint, alle reagieren sie anders im Angesicht des Krieges, wobei der norwegische Kapitän (knorrig: Sven Nordin) sich als kampferprobter Retter in der Not erweist.

Viele Fragen werden gestellt – einige sogar beantwortet: Was macht der Krieg aus den Menschen? Wie lassen sie sich manipulieren und warum? Am Ende steht die beinahe philosophische Erkenntnis, dass alle Menschen doch ziemlich viel gemeinsam haben. Sie sollten sich besser einig sein und zusammenhalten. So wie einst der Urkontinent?

Gaby Sikorski

Heute hat die Erde fünf Kontinente, doch das war nicht immer so. Vor vielleicht 200 Millionen Jahren bestand aus diesen fünf Erdteilen nur ein einziger. Der Geologe Alfred Wegener hat dies schon vor 100 Jahren erkannt, allerdings fand er damals wenig Glauben. Seit einigen Jahrzehnten ist das wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis.

Aber was war in der Interimszeit? Der Autor und Regisseur Peter Dalle hat sich dazu eine Geschichte ausgedacht. Der Film ist also reine Fiktion.

1939. Die deutschen Machthaber wollen Wegeners These erforschen und mobilisieren deshalb eine Nordmeerexpedition.

Der deutsche Professor Friedrich Mann, begleitet von der Wissenschaftlerin Leni Röhm, soll die Equipe anführen, der außerdem zwei Briten und ein Schwede angehören. Der Captain ist Norweger, die Besatzung des Schiffes besteht aus Russen.

Zunächst verläuft alles gut. Dann aber kommt am 1.September der Angriff Hitler-Deutschlands auf Polen. Erste Spannungen auf dem Schiff. Als dann bekannt wird, dass England und Frankreich Deutschland den Krieg erklärt haben. Ist die Stimmung dahin, zumal die deutsche Regierung fordert, dass der Friedrich Mann den Befehl über das Schiff übernimmt.

Aber es wird noch schlimmer. Denn Berlin verlangt jetzt, das Expeditionsschiff solle in den Krieg eingreifen. Eine wichtige von der Besatzung ausgeführte Sprengung soll den Verkehr feindlicher Schiffe behindern. Zudem stellt sich einer der „Briten“ als deutscher Nazi-Spion heraus. Ein gefährliches Chaos entsteht, bei dem es nicht nur Misstrauen, Bedrohung,
Befehlsverweigerung und Verfolgung gibt, sondern auch mehrere Tote.

Immerhin kann am Schluss die großherzige Leni drei Männer (und Freunde) retten, den norwegischen Kapitän, den älteren britischen jüdischen Intellektuellen Martin und den Schweden Gustav, den sie – wie in einem Film unerlässlich – lieben gelernt hat.

Eine Art Politkrimi, der Versuch eines geschichtlichen Spiels. Dass der militärische Größenwahn und ein verbrecherischer Krieg das wissenschaftliche Bemühen und die Freundschaft zwischen den Menschen zerstört, hier wird es wieder sichtbar – in manchem übertrieben und zu hektisch (zum Beispiel die Sprechweise von Jeanette Hain als Leni), jedoch mit expliziter Charakterzeichnung eines jeden (etwa des gutwilligen aber schwachen Friedrich Mann, dargestellt von Axel Prahl) und von einigen guten Schauspielern getragen.

Thomas Engel