Angel-A

Ein Mann trifft eine Frau in Paris. Das war die Ausgangssituation für Luc Besson, der für „Angel-A“ sechs Jahre nach „Johanna von Orleans“ wieder selbst auf dem Regiestuhl Platz nahm. Vor allem Paris kommt gut weg in diesem zwischen Komödie und Drama angesiedelten Märchen über einen seines Lebens überdrüssigen Gauner und einer Frau, die sich als sein Schutzengel entpuppt. Für das Zuviel an Worten, die den beiden im Zuge ihres Selbstfindungstrips über die Lippen kommen, entschädigen vorzügliche Schwarz-Weiß-Bilder sowie ein entspannter Soundtrack.

Webseite: www.tobis.de

Frankreich 2005
Regie, Drehbuch, Produktion: Luc Besson
Darsteller: Jamel Debbouze, Rie Rasmussen, Gilbert Melki, Serge Riaboukine u.a. – 90 Minuten, schwarzweiß
Verleih: Tobis
Start: 25.05.06

PRESSESTIMMEN:

Luc Besson gibt der langbeinigen Blondine Rie Rasmussen die Rolle eines gefallenen Engels und paart sie mit dem knuddeligen kleinen Komiker Jamel Debbouze. Die Komödien-Chemie stimmt, als Kulisse dient Paris, von Thierry Arbogast in schwelgerischem Schwarzweiß fotografiert, und dazu swingt ein jazziger Soundtrack von Anja Garbarek.
Der Spiegel

Auf der Basis einer eigentlich recht dünnen Handlung jongliert Luc Besson geschickt mit Klischees und präsentiert in atmosphärischen Schwarz-weiß-Bildern eine skurril-schöne "Dramödie", eine ebenso lyrische wie lustige, melancholische wie bizarre Variation über die Entwicklung und Annäherung eines außergewöhnlichen Liebespaares.
film-dienst

Die traumhaft-melancholische Ballade über einen Kleinganoven, der durch die Liebe errettet wird, ist eine poetische Hommage an die Magie des Schwarzweiß-Kinos in einer Mixtur aus Märchen, surrealen Träumen und Pariser Milieudrama – Kino aus einem cineastischen Paralleluniversum. …eine kleine funkelnde Sternschnuppe, die da vor den Augen auf der Leinwand leuchtet.
Filmecho

Ein bildschön anzusehender Schwarzweißfilm. Einerseits eine Liebeserklärung an Paris, andererseits an die schöne Rie Rasmussen in der Titelrolle.
Blickpunkt Film

 

 

FILMKRITIK:

Bei der Konstellation Mann/Frau/Brücke in Verbindung mit schwarz-weißen Bildern kommt einem unweigerlich Patrice Leconte mit seinem Film „Die Frau auf der Brücke“ in den Sinn. Besson aber hatte eher die Bildästhetik von Woody Allen in „Manhattan“ im Sinn, vielleicht auch Wim Wenders „Himmel über Berlin“. Die Architektur von Paris jedenfalls, die zahlreichen Wahrzeichen dieser als Stadt der Liebe, der Leidenschaft und der Verführung bekannten Metropole gebührt die eigentliche Hauptrolle in diesem Märchen vom zerbrochenen Ich.

Der schicksalhaften Begegnung auf der Brücke geht folgendes voraus: André (Jamel Debbouze) schlägt sich als kleiner Gauner, der gerne ein großer wäre, durchs Leben. Sein Schuldenberg ist groß, die Geduld seiner Gläubiger neigt sich ihrem Ende zu. Zimperlich sind sie nicht, das weiß André. Sein Versuch, sich als angeblicher amerikanischer Staatsbürger in der US-Botschaft zu verstecken oder eine Selbstanzeige mit der Hoffnung auf einen sicheren Aufenthaltsort im Gefängnis schlagen fehl. André ist mit seinem Lügenlatein am Ende. Mit einem Sprung von einer Brücke will er seinen existenziellen Qualen und seinem kümmerlichen Leben ein Ende bereiten.

Doch der erst 28-jährige André ist nicht allein auf dieser Brücke. Auch eine hübsche, langbeinige blonde Frau (Rie Rasmussen) ist bereits auf die andere Seite des Geländers gestiegen, scheint den selben Gedanken zu haben. Als sie springt, schlüpft der eben noch lebensmüde André in die Retterrolle. Da ahnt er noch nicht, dass eigentlich die Frau es sein wird, die ihn rettet. Wie sich herausstellt, ist sie sein Schutzengel. Schwierig wird ihre Mission dahingehend, als sie sich in ihren Schützling verliebt. Besson fackelt nicht lange, seine Geschichte in Richtung der Selbstfindung seiner beiden Hauptfiguren voranzutreiben. Er nimmt ihr damit aber auch jegliche Poesie, zerredet das geheimnisvolle Band, das beide verbindet. Der Anfangs noch komödiantische Ton, der dem zappeligen, aus Filmen wie „Amélie“ und „Asterix und Obelix: Mission Cleopatra) bekannten Schnellsprecher Jamel Debbouze wie gehabt gut steht, verliert sich zusehends. Stattdessen heftet sich die Kamera mehr und mehr an die geheimnisvolle Engelsfigur des Supermodels aus Dänemark, das in Brian de Palmas erotischem Thriller „Femme Fatale“ vor vier Jahren einen unvergesslichen Auftritt hatte. Für einen empfindsamen Engel aus dem Jenseits aber bleibt Rasmussen zu kühl.

Die eigentliche Liebesgeschichte aber hat im Grunde gar nichts mit dem ungleichen Paar zu tun. Das von Thierry Arbogast meist in den frühen Morgenstunden eingefangene Paris, menschenleer zumeist, drängt die Gefühle der beiden füreinander in den Hintergrund. Besson scheint hier aber auch nur einem touristischen Auftrag nachzukommen, hakt die Motive von Notre Dame, Pont Neuf, Sacré Coeur oder Place de la Concorde wie ein Reiseleiter fahrplanmäßig ab, bei den wiederholten Bootsfahrten auf einem Bateau Mouche mutet der ständig im Hintergrund mahnende Eifelturm ein wenig zu oft ins Bild gerückt an. Die im expressionistischen Stil dargebotene Hommage an Paris bekommt da schon wieder etwas Künstliches, ermüdet auf Dauer auch. Passend hingegen zu dieser von Licht und Schatten erfüllten Bilderschau ist der von Anja Garbarek, der Tochter des norwegischen Saxofonisten Jan Garbarek komponierte Soundtrack, der sich angenehm zwischen Gesängen à la Björk und TripHop-Sound Marke Massive Attack bewegt – und die Künstlichkeit des gesamten Filmprojektes deutlich macht.

Thomas Volkmann

 

 

Ist das Leben nicht schön? Die Frage stellte der amerikanische Regisseur Frank Capra schon in den 40er-Jahren dem geneigten Publikum im Film gleichen Namens und schickte einen Engel auf die Erde, um dem lebensmüden James Stewart neuen Lebenssinn einzuhauchen. Dass sich dieser Engel derselben Maßnahme bedient wie Luc Besson in ANGEL-A, um Kontakt zu seinem „Klienten“ aufzunehmen, ist sicher kein Zufall. Doch war bei Capra der Engel noch ein knollennasiger alter Mann, so ist es bei Besson eine großgewachsene attraktive Blondine. Und ließ Capra seinen Helden zur Weihnachtszeit in einer amerikanischen Kleinstadt zur Besinnung kommen, so wählt Besson die Metropole Paris in der Gegenwart mit all ihrer Schönheit, aber auch all den kleinen und großen Ganoven, die sich dort tummeln.

Direkt am Anfang stellt sich André scheinbar dem Zuschauer persönlich vor. Ein nicht enden wollender Wortschwall, zeigt einen Menschen, der sich seine Lebenssituation schön redet. So will er Amerikaner sein und sieht doch aus, wie der kleine marokkanische Gauner, der er eigentlich ist. Spätestens als die Kamera den Blick frei gibt auf die Schlägertypen, vor denen er sich gerade rechtfertigt, wird klar: André hat massive Probleme. Er hat sich Geld geliehen und kann es nicht zurückzahlen und herausreden kann er sich auch nicht mehr. Sehr schmerzhaft führen ihm die Schläger das vor Augen. So will er seinem Leben ein Ende bereiten, doch die schöne Angela weiß das zu verhindern. In Folge räumt sie Andrés Geldprobleme aus der Welt. Doch das ist nur ein Anfang, denn nun muss sie ihn überzeugen, grundlegend sein Leben zu ändern. Als Angela sich dann als Schutzengel vorstellt, mag André ihr nicht wirklich glauben, beginnt aber doch nachzudenken. Und nach und nach kommen dabei auch noch Gefühle ins Spiel, die alles andere als engelsgleich sind.

Angelehnt an den Titel einer anderen filmischen Liebeserklärung an Paris könnte man bei ANGEL-A auch von „Die fabelhafte Welt des Luc Besson“ sprechen. Doch schwelgte Amelie noch in einem quietschbunten Paris, so sind es hier Schwarzweiß-Bilder, welche die Metropole im wahrsten Sinn des Wortes in ein neues Licht tauchen. Der bekannte Kameramann Thierry Arbogast, mit dem Besson schon mehrfach zusammengearbeitet hat, fängt die Schauplätze in all ihrer Plastizität ein und wird dem visuellen Konzept des Films mehr als gerecht. Um das zu erreichen, wurde an den bekannten Schauplätzen (u.a. Notre-Dame, Sacré-Coeur, Pont Neuf u.a.) meist in den frühen Morgenstunden mit natürlichem Licht gedreht.

In den Hauptrollen glänzen Jamel Debbouze als André und Rie Rasmussen als Angela. Hierzulande noch relativ unbekannt, ist Debbouze in seiner Heimat Frankreich ein bekannter und beliebter Comedian. Die in Kopenhagen geborene und in den USA aufgewachsene Rie Rasmussen arbeitet in erster Linie als Model, inszenierte aber schon mit Erfolg eigene Kurzfilme und spielte in Brian de Palmas Erotik-Thriller „Femme Fatale“.

Unterstützt durch den hervorragenden Soundtrack der norwegischen Sängerin/Songwriterin Anja Garbarek entwirft Luc Besson mit ANGEL-A ein magisches Paris der Gegenwart und erzählt gleichzeitig ein himmlisch-menschliches Märchen, dessen Wurzeln in der Realität verhaftet sind.

 

Eric Horst