Breakfast on Pluto

Zu den Publikumslieblingen der Berlinale gehörte in diesem Jahr „Breakfast on Pluto“, das neueste Werk des irischen Erfolgsregisseurs Neil Jordan. Erzählt wird das fiktive Leben des jungen irischen Transvestiten Patrick „Kitten“ Braden. Als Findelkind ausgesetzt und bei Pflegeeltern aufgewachsen, begibt sich der rebellische Kitten in den frühen 70-er Jahren auf die Suche nach seiner verschwundenen Mutter. In 36 emotionalen Kapiteln folgt Jordan dem Leben Kittens und spart dabei weder mit zahlreichen musikalischen Reminiszensen an die 70-er noch mit Anspielungen auf die politischen und gesellschaftlichen Konflikte dieser Zeit. Ein perfekter Mix zwischen Anspruch und Unterhaltung mit brillanten Darstellern, allen voran Cillian Murphy als Kitten.

Webseite: www.breakfast-on-pluto.de

Irland/Großbritannien 2005
Regie: Neil Jordan
Darsteller: Cillian Murphy, Liam Neeson, Ruth Negga, Laurence Kinlan, Stephen Rea, Brendan Gleeson, Conor McEvoy u.a.
Länge: 135 Min.
Verleih: Sony
Kinostart: 25. Mai 2006

PRESSESTIMMEN:

"Breakfast on Pluto" ist ein passend exzentrischer Titel für ein Kinoabenteuer, zu dem sich die sehr irische Fabulierlust des Autors Patrick McCabe und das überbordende Temperament des Regisseurs Neil Jordan zusammengefunden haben… Mit Lust am Feuerwerk drehen Jordan und McCabe das Polit-Kino durch die Kolportagemangel, und dass die Story dabei aus allen Nähten platzt, scheint ihnen einen anarchischen Spaß zu bereiten.
Der Spiegel

Ein anspruchsvolles, filmisch brillantes Meisterwerk mit einem wunderbaren Soundtrack.
Brigitte

Liebevoll, sehr cool und genau im richtigen Tempo erzählt. Umwerfend.
KulturSPIEGEL

Nach "Butcher Boy" nimmt sich Neil Jordan eines weiteren Romans von Patrick McCabe an, in dem er – wie bereits in "Crying Game" – Themen wie sexuelle Identität und den politischen Unfrieden im geteilten Irland aufgreift. Mit märchenhaften Bildern unterstützt, ist Cillian Murphys Suche nach einer eigenen Identität bemerkenswert.
Blickpunkt Film

FILMKRITIK:

Tyreelin, 1958. In dem kleinen Städtchen nahe der nordirischen Grenze findet Gemeindepfarrer Bernard, kurz nachdem ihn seine schöne blonde Haushälterin verlassen hat, ein ausgesetztes Baby vor der Tür. Der Junge wird der Pub-Besitzerin Ma Braden übergeben, die ihn aufzieht, dies aber bitter bereut, als sie den jungen Patrick zehn Jahre später in den Kleidern seiner Stiefschwester erwischt. Überhaupt ist dieses Findelkind ein wahres Kuckuckei – unangepasst und aufsässig. Als er in den Kummerkasten seiner katholischen Schule einen Zettel schmeißt, auf dem er eine Frage nach den besten Adressen für eine Geschlechtsumwandlung formuliert , ist er bei seinen Lehrern und seiner Adoptivmutter endgültig unten durch.

 

Kurzerhand beschließt Kitten seinem engstirnigen Geburtsort den Rücken zu kehren und schließt sich dem Sänger Billy Rock an, der an ihm einen Narren gefressen hat – ganz im Gegensatz zu dessen Band, der den Neuzugang misstrauisch beäugt. Rock bringt Kitten in einem von seiner Mutter geerbten Wohnwagen an der Küste unter. In seinem neuen Heim kocht Patrick für den Bandleader und geht bald in seiner Rolle auf, bis er durch Zufall entdeckt, dass Billy mit der IRA sympathisiert und sein Wohnwagen als Waffenversteck dient. Als Pazifist Kitten kurzentschlossen sein neues Heim einem Frühlingsputz unterzieht und die versteckten Waffen ins Meer wirft, droht Ungemach.
Kitten beschließt, Irland den Rücken zu kehren und nach London aufzubrechen, wo sich seine Mutter aufhalten soll. Aber deren Suche stellt sich als erheblich schwieriger heraus, als er sich das zunächst vorgestellt hat. Er begegnet den skurrilsten Menschen, wird fast in die Luft gesprengt, landet als Terrorist verdächtigt im Gefängnis und behält doch sein unerschütterlich optimistisches Naturell.

Mit „Breakfast on Pluto“ wagt sich Neil Jordan zum zweiten Mal nach „The Butcher Boy“ an eine Romanverfilmung von Patrick McCabe heran. Jordan interessiert sich dabei vor allem für die Frage: "Wie überlebt jemand eine aggressive Welt einfach dadurch, dass er er selbst bleibt?". Jordan hatte das Drehbuch bereits drei Jahre vor Drehbeginn fertig gestellt, trieb das Projekt aber erst voran, als er Parallelen zu seinem eigenen Leben entdeckte. Der Regisseur und Drehbuchautor hatte die siebziger Jahre ebenfalls in Dublin und London verbracht und die damaligen Londoner Attentate indirekt miterlebt. Meisterhaft versteht er es, die historischen Ereignisse authentisch in seine sehr persönlich erzählte Geschichte einzubauen. Bewusst siedelt er dabei seinen Stoff zwischen Komödie und Tragödie an. Immer dann, wenn sich der Zuschauer in Kittens bunter Travestie-Welt allzu wohl zu fühlen beginnt, wird er wieder mitsamt seines Protagonisten in die rauhe Realität zurückgeholt. Ein ebenso unterhaltender wie nachdenklich machender und bis in die Nebenrollen – u.a. mit Liam Neesen und Stephen Rea – exzellent besetzter Film.

Anne Wotschke