Aschenbrödel und der gestiefelte Kater

Die Märchenfilm GmbH stellt ihr erstes Projekt vor, eine ganz neue Art von Kino für Kinder soll es sein, das Mitmachkino. Dabei fungiert der Spielzeugteddy des kleinen Paul, der sein Baumhaus auf dem Land verlassen musste, um mit seinen Eltern in die Stadt zu ziehen, als eine Art Showmaster, der die Kinder im Saal animiert, sich zum Geschehen auf der Leinwand zu äußern: lautstark, durch klatschen oder um den Rebhuhnrap mitzutanzen.
Eine schmale Rahmenhandlung rankt sich um das Zentrum des Films: zwei Theaterstücke, in denen die Geschichten vom Aschenbrödel und vom Gestiefelten Kater erzählend improvisiert und gespielt werden. Die Zuschauerkinder in der Märchenhütte mitten in Berlin werden dabei zur Interaktion aufgefordert, was aber für die Kinder im Kinosaal nur eine als ob Aktion bleibt. Ein Versuch, kleine Kinder ins Kino zu holen mit einer Mischung aus Animation und Theater, wobei sowohl das Theater als auch das Kino irgendwie auf der Strecke bleiben.

DE 2013
Regie: Torsten Künstler
Darsteller: Ezra Finzi, Samuel Finzi, Marie-Lou Sellem
Verleih: Märchenfilm
Start: 20. November 2013
Dauer: 60 Min.

PRESSESTIMMEN:

"Ein wundervolles und liebevoll aufbereitetes Märchenfilmvergnügen, beim dem selbst Erwachsene gerne mitmachen. Weil man für schön erzählte Märchen nie zu alt ist. – Prädikat besonders wertvoll." (FBW)

FILMKRITIK:

Eher selten ist bei einer Pressevorführung der halbe Zuschauerraum voller Kinder, aber diesmal verschönerten sich mehrere KITA – Gruppen den verregneten Vormittag beim sogenannten Mitmachkino. Die Märchenfilm GmbH stellte ihr erstes Projekt vor: eine ganz neue Art von Kino für Kinder.

Auf der großen Leinwand ist ein Theatervorhang zu sehen, durch den schaut ein Teddybär, der fortan der Showmaster ist: Er redet mit den Kindern, er fragt sie etwas – und auf Antwort wartend läßt die Tonspur hier und da eine Lücke. Auch in der folgenden Stunde wird der Bär ab und an am unteren Bildrand auftauchen, um den Kindern – nun allerdings stumm – vorzumachen, was sie an dieser Stelle tun dürfen oder sollen: klatschen, mitsprechen, antworten oder sogar tanzen. Das alles war etwas seltsam und erinnerte an TV-Serien, in denen der Applaus und das Lachen eingespielt werden. Aber – soviel vorab – das Konzept der Macher ging auf: die Kinder riefen laut das, was sie rufen sollten, sie klatschten an den richtigen Stellen, und waren dann auch wieder still. Spannender freilich wären die spontanen Reaktionen der Kinder im Saal gewesen.

Paul, ein Junge von etwa 5 Jahren, zieht mit seinen Eltern und dem Bruder vom Land in die Stadt. Offenbar müssen seine Eltern ihr Gasthaus verkaufen, und auch Pauls romantisches Baumhaus mit einer Fülle von gebastelten Märchenfiguren darin muss zurückbleiben. In Berlin erwartet sie ein total heruntergekommenes Mietshaus, in dem noch nicht einmal die Heizung funktioniert. Aber außer ratlosen Elterngesichtern ob dieser Misere erfahre ich nicht viel von den Hintergründen dieser Vorgeschichte. Sie soll wohl nur eine Art Transportmittel sein hin zum eigentlichen Zentrum, den Märchen. Paul jedenfals macht sich mit seinem Bruder auf den Weg. Aber statt in die unbekannte Großstadt einzutauchen sind sie, kaum um die nächste Ecke gebogen, in einer Art Märchenlandschaft, in dessen Mitte ein verwunschenes Haus steht.

Dass es dieses Theaterchen mitten in Berlin tatsächlich gibt, war leider nur für Insider zu erkennen, was schade ist. Denn dann hätte das Theaterspiel im Film wenigstens den Effekt gehabt, Kinder und Eltern für dieses zauberhafte kleine Theater mitten auf dem Bunkerdach im Berliner Monbijoupark zu interessieren.

In dieser Märchenhütte spielt nun die Hauptgeschichte: eine Theatervorstellung mit Zuschauerkindern. Die Märchen von Aschenbrödel und vom Gestiefelten Kater werden von jeweils zwei SchauspielerInnen, die erzählen und in verschiedene Rollen schlüpfen, extrem gerafft gespielt. Dennoch wird das Wesentliche dieser Märchen transportiert, und nebenbei noch das Kunsthafte des Theaters spielerisch vorgeführt. In diesem wirklichen Theater findet die Interaktion mit den Kindern tatsächlich statt. Abgefilmt allerdings gerät das in die Nähe animierter Mitklatschprogramme.

Dabei ist das Ganze gut gemacht, gute Schauspieler in der Rahmenhandlung, auch die Theaterleute verstehen ihr Handwerk. Es krankt wohl daran, dass keine wirkliche ästhetische Konzeption zu erkennen ist, sondern nur der Versuch, kleine Kinder nicht mit Kino ins Kino zu holen, sondern mit einer Mischung aus Animation und Theater. Die nächste Folge ist für Dezember 2014 geplant.

Caren Pfeil