Bavaria – Traumreise durch Bayern

Wie kaum ein anderer deutscher Regisseur kann man Joseph Vilsmaier als Heimatregisseur bezeichnen. Umso passender, dass der bekennende und auch stolze Bayer nun einen 90minütigen Film über seine Heimat vorlegt, der mit eindrucksvollen Flugaufnahmen aufwartet und von Natur über Wirtschaft bis zur Folklore kaum einen Aspekt auslässt. Ein irgendwo zwischen Hommage, Standortwerbung und Selbstironie angesiedelter Film.

Webseite: www.bavaria-derfilm.de

Deutschland 2012 – Dokumentation
Regie, Buch: Joseph Vilsmaier
Länge: 92 Minuten
Verleih: Concorde
Kinostart: 26. Juli 2012

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Irgendwas muss an Bayern dran sein. Schließlich dürfte kaum ein Produzent oder Verleiher auf die Idee kommen, einen abendfüllenden Film über das Saarland oder Schleswig-Holstein ins Kino zu bringen. Wie wohl kaum ein anderes Bundesland ist Bayern ein prägnanter Begriff, hat jeder seine Vorstellung vom Freistaat, davon, wie denn Bayern und die Bayern so sind. Und wie Joseph Vilsmaier in seiner atemlosen Dokumentation über seine Heimat immer wieder zeigt, ist jedes Klischee, jedes Vorurteil über die Bayern berechtigt – aber nicht nur.

Gleich zu Beginn erwähnt Vilsmaier das Bild vom Lederhosen tragenden, Weißbier trinkenden, Weißwurst essenden, auf dem Oktoberfest feiernden Bayern, der es sich in der sprichwörtlichen mir san mir Mentalität gemütlich eingerichtet hat. Doch Vilsmaier ist ehrlich genug um zu zeigen, dass sich hinter diesem Klischee viel Wahrheit verbirgt, auch wenn es ihm nicht um eine umfassende soziologische Analyse des bayerischen Wesens geht. Und auch das geschichtliche wird eher Nebenbei abgehandelt: Einige Daten hier und da, mal ein historisches Ereignis, mehr Wissen soll nicht sein. Stattdessen will Vilsmaier die Schönheit seiner Heimat zeigen, schließlich sind seine Filme, was auch immer man inhaltlich von ihnen halten mag, nicht zuletzt auf Grund ihrer Bildgewalt bekannt. Und so lässt sich Vilsmaier, der hier wie meist als sein eigener Kameramann fungiert, vom Hubschrauberpiloten Hans Ostler, mit dem er zum Beispiel auch die spektakulären Bergaufnahmen für „Nanga Parbat“ gedreht hatte, über Bayern fliegen: Burgen und Schlösser sind da zu sehen, Wälder und Felder, Städte, Flüsse, Bauwerke und immer wieder, wenn auch ganz klein, die Menschen.

Das entspricht ziemlich genau dem in den letzten Jahren so beliebten Konzept des Blicks von oben, der durch moderne Technik, die gleitende, ruhige Bilder ermöglicht, zu großer Beliebtheit gekommen ist. Bisweilen hat das etwas Rastloses, werden die fraglos zahlreichen bemerkenswerten Orte Bayerns eher abgehakt als wirklich vorgestellt, aber das ist angesichts der Kürze der Zeit kaum verwunderlich. Wirklich interessant wird es dann auch, wenn sich Vilsmaier mehr Zeit nimmt, wenn er die Vogelperspektive verlässt, die zwar spektakuläre, aber auch reduzierte Bilder liefert, und sich den Menschen widmet. In solchen Momenten liefert „Bavaria“ Einblicke in die bayerische Mentalität, die deutlich über die bloße Oberfläche der eindrucksvollen Bilder hinausgehen.

Das ist nicht zuletzt den Off-Texten des bekannten bayerischen Journalisten Hannes Burger zu verdanken, die von Vilsmaier selbst gesprochen werden. Dass dabei bisweilen vielleicht etwas zu sehr in Superlativen berichtet wird, muss man wohl verschmerzen: Von der größten Orgel der Welt, dem größten zusammenhängenden Wald Europas, natürlich auch dem deutschen Rekordmeister und vielen anderen Bestleistungen Bayerns ist da die Rede, die eine meistens persönlich wirkende Dokumentation bisweilen wie eine vom bayerischen Staat finanzierte Fremdenverkehrswerbung wirken lassen. Aber letztlich ist „Bavaria“ natürlich auch nichts anderes, und das Joseph Vilsmaier mit solchem Enthusiasmus die Vielfalt und Schönheit seiner Heimat beschreibt, hat dann doch etwas Grundsympathisches.

Michael Meyns

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