Jeff, der noch zu Hause lebt

Liebenswerte Versager gehören allemal zu den zuverlässigen Gewinnern der Zuschauerherzen. So wie Jeff, der mit seinen 30 Jahren im Keller von Hotel Mama lebt. Die große Leidenschaft des überzeugten Esoterikers gilt dem Film „Signs – Zeichen“ von M. Night Shyamalan, entsprechend ungeduldig wartet er täglich auf den entscheidenden Wink des Schicksals. Ein Anruf wird zum Auslöser einer turbulenten Kettenreaktion von Zufällen – und die Vorlage für smarte Situationskomik vom Feinsten. Flott erzählt, lässig gespielt und ganz ohne Hänger sorgt diese gekonnte Comedy für unangestrengt amüsante Unterhaltung.

Webseite: www.jeffdernochzuhauselebt.de

OT: Jeff, who lives at Home
USA 2011
Regie: Jay Duplass, Mark Duplass
Darsteller: Jason Segel, Ed Helms, Susan Sarandon, Judy Greer, Rae Dawn Chong, Steve Zissis, Evan Ross, Benjamin Brant Bickham, Zac Cino
Länge: 83 Minuten
Verleih: Paramount
Kinostart: 9. August 2012

PRESSESTIMMEN:

Eine leise Komödie, die die Kraft der Familie feiert, unsentimental und voller guter Ideen.
BRIGITTE

FILMKRITIK:

„Ist Kevin da?“, diese harmlose Frage wird handfeste Folgen haben. Eigentlich hat sich der Anrufer nur verwählt, aber für Jeff gibt es keine Zufälle. Alles sind Zeichen, die man nur zu deuten wissen muss. Weil er ständig damit beschäftig ist, jeden potentiellen Wink des Schicksals zu erkennen, hat Jeff keine Zeit fürs Erwerbsleben. Der Dreißigjährige hat es sich bequem gemacht im Keller des Elternhauses. Um seine Sinne für besondere Wahrnehmungen zu, sagen wir: sensibilisieren, greift Jeff gerne zur Cannabis-Zigarette und philosophiert gemütlich über die wahre Bedeutung von „Signs – Zeichen“ von M. Night Shyamalan.

Um dem trägen Sohn wenigstens ein bisschen Bewegung zu verschaffen, schickt ihn die besorgte Mutter zum Einkauf in den Baumarkt. Dass er auf dem Weg dorthin jemandem mit einem „Kevin“-Shirt begegnet, kann für Jeff kein Zufall sein. Spontan verfolgt er den vermeintlichen Kevin. Statt dem erhofften Wunder gibt’s indes nur eine Abreibung.

Immerhin trifft er durch diesen Zufall auf seinen erfolgreichen Bruder Pat. Der Angeber will mit seinem neuen Porsche protzen, fährt den Wagen jedoch gegen einen Baum – wodurch er wiederum entdeckt, dass seine Gattin gerade fremdgeht. Im lädierten Sportwagen nehmen die ungleichen Brüder heimlich die Verfolgung der untreuen Ehefrau auf. Der clevere Plan fliegt mangels Geschicklichkeit schnell auf. Doch zum Glück hilft der nächste Zufall wieder ein wenig weiter.

Unterdessen wundert sich die Mutter am Arbeitsplatz über ungewöhnliche Komplimente eines anonymen Verehrers. Die turbulente Verkettung unglücklicher Umstände geht munter weiter bis zum Happy End, wo sich alle Beteiligten im großen Verkehrsstau zum Chaos-Finale treffen.  Der Spießer hat die Liebe wiedergefunden, die Mutter ihre lesbische Seite entdeckt, derweil der vermeintlich vertrottelte Held sich als kühner Lebensretter erweist.

Die Regie-Brüder Jay und Mark Duplass („Cyrus“, „Baghead“) inszenieren ihre charmante Geschichte der schrägen Geschwister mit der notwendigen Lässigkeit, mit gutem Gespür für das richtige Tempo sowie einem großen Talent für Situationskomik. Jason Segal („How I met your Mother“) und Ed Helms („Hangover“) geben die skurrilen Pannen-Brüder grandios witzig und haben sichtlich Spaß dabei, sich die Pointen-Bälle punktgenau zuzuspielen. Nicht weniger ulkig präsentiert sich Oscar-Besitzerin Susan Sarandon als geplagte Mama, der so heiße Komplimente gemacht werden, dass sie sich beim Feueralarm erst einmal in der Sprinkleranlage abkühlen muss.

Was zu einer der üblichen, plumpen Kiffer-Klamotten vom Hollywood-Fließband hätte geraten können, entpuppt sich als smarte Indie-Comedy über illustre Figuren, die ihr Leben nicht so ganz auf die Reihe bekommen, den Sinn des Lebens sowie natürlich über die ganz große Bedeutung von kleinen Zeichen aller Art! Was allemal unterhaltsamer ausfällt als jene „Signs“ von Shyamalan.… 

Dieter Oßwald

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