Berlin – Stettin

Dokumentarfilmer Volker Koepp begibt sich auf die Spuren seiner Kindheit: In endlosen Einstellungen porträtiert er die Uckermark und ihre Menschen. Dabei besucht er die einstigen Protagonisten seiner früheren Filme. Ein spezieller Film über das Leben in der DDR und dem Gefühl, was davon in der Provinz noch übrig geblieben ist.

Webseite: www.salzgeber.de

Deutschland 2009
Regie und Buch: Volker Koepp
Länge: 110 Minuten
Verleih: Edition Salzgeber
Kinostart: 28.01.10
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Wenn Regisseure ihre eigene Biografie als Vorlage für einen Film nehmen, dann laufen sie mitunter Gefahr, die kritische Distanz zum künstlerischen Sujet zu verlieren. So wie in diesem Fall: Volker Koepp, Jahrgang 1944, gebürtiger Stettiner und langjähriger DEFA-Filmemacher in der DDR, beobachtete im Honecker-Regime verschiedene Fabrikarbeiter, Handwerker und Kohlemalocher bei der Arbeit für seine Dokumentationen. Jetzt begegnet er ihnen ein weiteres Mal in der Region zwischen Berlin und Stettin.

Jahrzehnte sind vergangen, seit „der Filmemacher aus der Stadt mit dem roten Schal“ das letzte Mal im mecklenburgischen Dorf Schwaan war. Hier porträtierte er 1979 die beiden Schweißerinnen Karin und Jutta für seinen Film „Tag für Tag“. In Rückblenden zeigt Koepp die stoische Arbeit der zwei Frauen, die keinen Blatt vor den Mund nehmen, um für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Dreißig Jahre später besucht er die beiden Frauen in ihrem Eigenheim, und gemeinsam erinnert man sich an die persönliche Vergangenheit im Sozialismus – realistisch und nicht verklärend.
Im brandenburgischen Wittstock trifft sich der Regisseur ein erneutes Mal mit der einstigen Fabrikarbeiterin Elsbeth, die nostalgisch vom ersten Kennenlernen 1974 erzählt. Und in Stettin lernt er die polnischen Uni-Absolventen Pawel und Alexandra kennen, die nicht wie die anderen Protagonisten zurück schauen, sondern optimistisch in die Zukunft blicken.

Die filmische Kohärenz überlässt Volker Koepp dabei eher dem Zufall. Zumindest erweckt es den Anschein, was sich nicht unbedingt vorteilhaft auswirkt. So charmant und nüchtern seine Porträts auch wirken, so beliebig sind sie in ihrer Auswahl und endlos in den O-Tönen. Wer einen persönlichen Bezug zur Uckermark hat, dort wohnt oder zu seinem bevorzugten Reiseziel auserkoren hat, dürfte schnell Zugang zum Thema finden. Der Versuch, die Zeit vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zur Deutschen Einheit anhand der verschiedenen Biografien chronologisch aufzuarbeiten, sollte für jene Zuschauer bereits im Ansatz großes Interesse hervorrufen. Alle anderen wünschen sich allerdings, dass sich Regisseur Koepp doch im Vorfeld gefragt hätte, wie er sein Thema einem breiteren Publikum hätte zugänglich machen können. Zwar sorgt Schauspielerin Fritzi Haberlandt, die als Zugezogene im Dörfchen Zehdenick stellvertretend für die Stadtflucht der Ü-30-Generation steht, für wenige humorvolle Momente, wenn sie von Sehnsucht nach dem Lande spricht, doch weitgehend bleibt „Berlin – Stettin“ eine sehr spezielle Dokumentation über einen vergessenen Landstrich, die vor allem eines erfordert: Geduld.

David Siems

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