Besser als nix

Erwachsenwerden in der Provinz ist Thema von Ute Wielands Film „Besser als Nix“, in dem ein junger Außenseiter eine Lehre als Bestattungsfachkraft beginnt und auch sonst ständig mit dem Tod konfrontiert wird. Durchaus ein interessanter Ansatz, der oft auch zu schönen, wahrhaftigen Momenten führt, bei dem sich die Regisseurin aber nicht recht zwischen Komik und Drama entscheiden kann.

Webseite: www.besseralsnix-derfilm.de

Deutschland 2014
Regie: Ute Wieland
Buch: Peer Klehmet, Ute Wieland, nach dem Roman von Nina Pourlak
Darsteller: Francois Goeske, Wotan Wilke Möhring, Anna Fischer, Erika Marozsan, Hannelore Elsner, Nicolette Krebitz, Clemens Schick
Länge: 95 Minuten
Verleih: NFP, Vertrieb: Filmwelt
Kinostart: 21. August 2014

FILMKRITIK:

Irgendwo in der brandenburgischen Provinz lebt Tom (Francois Goeske) seit dem frühen Tod der Mutter allein mit seinem Vater Carsten (Wotan Wilke Möhring). Während der als Fußballtrainer von der Dorfgemeinschaft anerkannt ist – jedoch außer Fußball nur den Alkohol hat – ist Tom ein typischer Außenseiter: Längere Haare, stets schwarze Kleidung, melancholische Musik auf dem Kopfhörer. Die Schule hat er zwar gerade so geschafft, doch was kommt nun? Bei der Berufsberatung gibt Tom an, dass er etwas Ruhiges, mit Menschen machen will – und wird zum lokalen Leichenbestatter geschickt.
 
Der bewohnt ein riesiges, verwunschenes Haus und hat mit der blonden Ukrainerin Olga (Nicolette Krebitz) und dem wortkargen, Cowboyhut tragenden Hans (Clems Schick) ein ungewöhnliches Team an seiner Seite. Doch die erweisen sich als genau der richtige Umgang für Tom, der mit sich und dem Leben hadert, ständig durch die Fahrprüfung fällt und trotz der Bemühungen seines besten Kumpels Mike (Jannis Niewöhner) nicht das Prinzip des Kreisverkehrs begreift.
 
Allein die fidele Großmutter Wally (Hannelore Elsner) scheint Tom zu verstehen – und dann ist da noch die junge Aushilfslehrerin Sarah (Anna Fischer), eine verwandte Seele, die sogar schon einmal im geradezu mythisch verklärten Berlin gelebt hat und ebenso wenig mit dem piefigen Dorfleben anfangen kann wie Tom.
 
Eine klassische Coming-of-Age-Geschichte ist Ute Wielands „Besser als Nix“ im Ansatz, die in Verbindung mit dem Außenseiter-Motiv und der Beschäftigung mit dem Thema Tod viel Stoff für einen gelungenen Film abgeben würde. Zumal Francois Goeske ein passend melancholischer, sehr sympathischer Hauptdarsteller ist, dem mit Wotan Wilke Möhring eine überzeugend, gebrochene Vaterfigur zur Seite steht.
 
Auf vielfältige Weise sind der Tod und der Verlust von geliebten Menschen in der Geschichte präsent, vielleicht so sehr, dass Ute Wieland der Mut zum konsequenten Umgang mit dem Thema verlassen hat. Denn gerade bei Toms Ausbildungsplatz beim Bestattungsunternehmer gleitet „Besser als Nix“ immer wieder in eine alberne, oft auch geschmacklose Klamotte ab. Die Fahrlehrerin, die Tom durch die Prüfung hat fallen gelassen, wird da für einen bloßen Gag kurzerhand von einem Laster überfahren und die von Nicolette Krebitz in blonder Perücke und exaltiertem Akzent gespielte Ukrainerin Olga ist nichts anderes als die überzeichnete Klischeefigur einer Osteuropäerin, die aus unerfindlichen Gründen auch noch AIDS hat.
 
Augenscheinlich von der erfolgreichen TV-Serie „Six Feet Under“ inspiriert, in der ebenfalls ein Bestattungsunternehmen Schauplatz und Metapher war, vergreift sich Wieland hier immer wieder im Ton und schafft es nicht, die Balance zwischen Drama und Komik zu halten. Dass ist um so bedauerlicher, als ihr Film ansonsten viele schöne Momente enthält und das triste Leben in einem wirtschaftlich angeschlagenen Dorf, aus dem es kaum ein Entkommen gibt atmosphärisch und authentisch einfängt.
 
Michael Meyns