Bis spaeter, Max!

Jan Schüttes Komödie ist eine Hommage an die Liebe im Alter. Ein 80-jähriger Schriftsteller strotzt in seinen Büchern vor blühender Fantasie und zeigt sich auch auf seinen Lesereisen von lebhafter und vor allem romantischer Seite – ganz zum Ärger seiner eifersüchtigen Lebensgefährtin. Eine herzerwärmende Erzählung über die späten Abenteuer eines sympathischen Seniors.

Webseite: www.bisspaetermax.3rosen.com

Deutschland 2007
Regie + Buch: Jan Schütte
Darsteller: Otto Tausig, Rhea Perlman, Barbara Hershey, Tovah Feldshuh, Elizabeth Pena, Caroline Aaron, Olivia Thirlby, Brian Doyle-Murray
Länge: 85 Minuten
Verleih: 3 Rosen
Kinostart: 9.4.2009

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Wer in den letzten Filmen von Woody Allen die für den kleinen Regisseur so typische Mischung aus philosophischem Neurotikerdasein und subtiler Vergötterung des weiblichen Geschlechts vermisst hat, wird sich mit Jan Schüttes Film schnell anfreunden können. Auch hier finden Allen-Fans inmitten von Manhattans Straßen jene poetischen Momente zwischen Tragik und Unvermögen, die sich mit einem permanenten Grübeln über die Welt (und ihren Frauen) und gepflegter Schusseligkeit abwechseln. 

Dabei ist der Held in dieser Geschichte noch etwas älter: Max Kohn, ehemaliger Literaturprofessor und auch mit knapp 80 Jahren noch als Schriftsteller aktiv, vertreibt sich seinen verspäteten Vorruhestand mit dem Verfassen kleiner Geschichten über die romantischen Abenteuer eines Rentners. Ähnlichkeiten mit seiner Person sind natürlich rein zufällig, auch wenn die vielen sexuellen Fantasien des in die Jahre gekommenen Kurzgeschichten-Helden durchaus gewisse Parallelen aufweisen.  

Besonders die Lesereisen sind für Max Kohn ein Fest, bei denen der Bohemian von einst auf alte Liebschaften trifft, die sich noch immer zu ihm hingezogen fühlen. Dumm nur, dass ausgerechnet in den romantischsten Momenten seine chronisch eifersüchtige Lebensgefährtin ihre Kontrollanrufe erledigt und den ohnehin zur Vergesslichkeit neigenden Senior noch mehr aus dem Konzept bringt. 

Jan Schüttes Protagonist ist ein wackerer Held, der im Spätherbst seines Lebens noch einmal zu großer Form aufläuft. Die Story basiert auf den drei Kurzgeschichten „The Briefcase“, „Alone“ und „Old Love“ des Literaturnobelpreisträgers Isaac B. Singer, die in ähnlicher Form hier episodenhaft erzählt werden. Der Schriftsteller im Film, Max Kohn, taucht dabei in doppelter Rolle auf: Als Autor und als Protagonist seiner eigenen Geschichten. So überzeugt „Bis später, Max!“ in erster Linie als zeitlupenhafte Hommage an das Älterwerden in Würde und bedient sich gleichzeitig den Stilmitteln einer makabren Tragikomödie. Der Tod, so heißt es, gehört schließlich zum Leben dazu – auch wenn er hier nicht unbedingt aus Altersgründen stattfindet. In den trivialen und an Groschenromane erinnernden Episoden begegnet man somit leidenschaftlichen, aber selbstmordgefährdeten Frauen, unheimlichen Motel-Besitzern mit Schusswaffen oder Pauschalurlaubern mit schwachem Herzen.  

Inmitten brilliert der 86-jährige Österreicher Otto Tausig als Hauptdarsteller, der bei seiner dritten Zusammenarbeit mit Jan Schütte eine wahre Paraderolle übernimmt, in der sich auch der eingangs erwähnte Woody Allen ein wenig drin wiedererkennen dürfte.  Auch wenn der Film die Vergänglichkeit der Liebe melancholisch beäugt – diesen Film trägt man nicht für immer, aber noch eine ganze Weile im Herzen.

David Siems

Der kauzige Otto Tausig spielt in dem von Regisseur Jan Schütte aus drei Kurzgeschichten von Isaac Bashevi Singer (The Briefcase, Alone und Old Love) gewobenen Film den älteren Schriftsteller Max Kohn, der im hier anschaulich gezeigten heutigen Amerika auf Vortragsreisen in verschiedenen Gegenden unterwegs ist.

Überwacht wird er von seiner Lebensgefährtin Reisel (Rhea Perlman), die ihm überall hinterher telefoniert und von ihrem Max, obwohl sie ihn liebt, offenbar keine allzu gute Meinung hat.

Allerdings ficht Max das nicht sehr an. Denn ein kleiner Flirt ist überall drin, wo er sich aufhält. Rosalie (Barbara Hershey), Esperanza (Elizabeth Pena), Ethel (Tovah Feldschuh) oder Sylvia (Olivia Thirlby) sind die Damen, an die er sich heranmacht oder die sich an ihn heranmachen. Aber es sind nur kurze Lichtblicke, denn Max scheint schon mehrere Prostataoperationen hinter sich zu haben. Außerdem geht die Geschichte mit Ethel tragisch aus. 

Ausschnitte aus früheren Filmen mit Tausig, Albträume des im Zug schlafenden Max Kohn, reale Situationen aus seinem Leben und Geschehnisse rund um die in den vorgetragenen Kurzgeschichten vorkommenden Personen wurden auf die unterhaltsamste Weise miteinander verbunden.

Zwei Elemente fallen dabei besonders auf: Otto Tausig spielt diesen noch quicklebendigen Alten herrlich, mit ebenso viel Witz wie Melancholie. Und – zweitens – die literarische Vorlage stammt immerhin von einem Nobelpreisträger. Das bedeutet von vornherein, dass einige wunderbare Dialogstellen vorkommen.

Thomas Engel