Bitteres Fest

Man tut dem inzwischen 76jährigen Pedro Almodóvar nicht unrecht, wenn man seinen 25. Film „Bitteres Fest“ als Alterswerk bezeichnet, als Film, der Fans des unverkennbaren Stils des spanischen Regisseurs erfreuen, ihm aber gewiss keine neuen Anhänger verschaffen wird. In schönster Farbdramaturgie inszeniert Almodóvar einmal mehr ein selbstreferenzielles Spiel zwischen Realität und Fiktion, das luftig leicht unterhält.

 

Über den Film

Originaltitel

Amarga Navidad

Deutscher Titel

Bitteres Fest

Produktionsland

ESP

Filmdauer

111 min

Produktionsjahr

2026

Produzent

Almodóvar, Pedro / Almodóvar, Agustín

Regisseur

Almodóvar, Pedro

Verleih

STUDIOCANAL GmbH

Starttermin

30.07.2026

 

Im Jahre 2004 arbeitet die Filmregisseurin Ella (Bárbara Lennie) an einem Drehbuch, das nicht recht voran geht, so sehr ihr höchst attraktiver Lover Bonifacio (Patrick Criado) – hauptberuflich Feuerwehrmann, nebenberuflich Stripper – ihr auch den Rücken freihält. Einst hatte Ella einige künstlerisch anspruchsvolle Filme gedreht, die inzwischen Kultstatus genießen, was, wie Ella einmal selbst gesteht, bedeutet, dass kaum jemand sie gesehen hat, die wenigen Zuschauer sie aber zutiefst verehren. Eine schwere Migräneattacke lässt Ella innehalten, zusammen mit ihrer besten Freundin Patricia (Vicky Luengo) reist sie nach Lanzarote, lässt sich von den kargen Landschaften der Insel inspirieren, noch mehr jedoch vom Leben ihrer Freunde: Alles ist Material im Leben eines Schriftstellers, ebenso wie im Leben einer Filmregisseurin.

2026 leidet der Filmregisseur Raúl Rossetti (Leonardo Sbaraglia) an einer Schreibblockade, aus der ihn auch die Unterstützung seines höchst attraktiven Lovers Santi (Quim Gutiérrez) nicht befreien kann. Raúls langjährige Assistentin Monica (Aitana Sánchez-Gijon) hat gerade gekündigt, berichtet ihm von ihren privaten Problemen – die Raúl nur zu gern in sein Werk einfließen lässt, schließlich ist alles Material.

Eine ganze Weile lässt Pedro Almodóvar in seinem neuen Film „Bitteres Fest“ die beiden Erzählebenen nebeneinanderstehen, ohne ihre Verbindung zu konkretisieren. Doch bald wird klar, dass die Ebene mit Ella nicht real ist, sondern eine Visualisierung des Drehbuchs, das Raúl gerade schreibt. So kommt es, dass manche Szenen in kleinen Variationen doppelt zu sehen sind, so lässt sich erklären, dass nicht alles Sinn macht, schließlich sieht man da nur die erste, noch unfertige Drehbuchversion.

Hübsch ist das konstruiert, ein wenig selbstverliebt auch, erinnert nicht zufällig an „Leid und Herrlichkeit“, das am deutlichsten autobiographische Werk in der langen Karriere Pedro Almodóvars, in dem Antonio Banderas als Alter Ego des Regisseurs auftrat. Hier übernimmt der argentinische Schauspieler Leonardo Sbaraglia diesen Part, der seinem Regisseur sehr ähnelt, wenngleich 20 Jahre jünger, ein bisschen Eitelkeit darf sein.

Wie so oft spielt Almodóvar auch hier mit selbstreferenziellen Bezügen, baut eine Meta-Narration auf, mit der er die Frage umkreist, wie frei ein Autor in der Wahl seiner Themen sein darf, wie sehr er Leben und auch Leiden seiner Mitmenschen und vor allem seiner engen Freunde ausschlachten und für seine eigenen erzählerischen Zwecke verwenden darf. Almodóvars Antwort fällt eindeutig aus: Es gibt keine Grenzen, die Kunst steht über allem, auch wenn dies bisweilen Konflikte hervorrufen kann.

Letztlich dient diese Fragestellung in „Bitteres Fest“ jedoch in erster Linie dazu, Almodòvar einmal mehr die Möglichkeit zu geben, sich einmal mehr in die typische Almodóvar-Welt zu begeben, in der schöne Menschen in perfekt designten Appartements leben, deren markante Farbgebung mit den ebenso markanten, einfarbig leuchtenden Pullovern oder Mänteln korrespondieren.

Auch wenn man nicht behaupten kann, dass sich Pedro Almodóvar in seinem nun schon 25. Film neu erfindet: Wenn man ihn, seine Filme und die Welt, in der sie spielen, schätzt, dann ist es eine wahre Freude, sich einmal mehr auf sanft melodramatische Weise unterhalten zu lassen.

 

 

Michael Meyns

Mehr lesen

Neuste Filmkritiken

ℹ️ Die Inhalte von programmkino.de sind nur für die persönliche Information bestimmt. Weitergabe und gewerbliche Nutzung sind untersagt. Nachdruck nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion. Filmkritiken dürfen ausschließlich von Mitgliedern der AG Kino-Gilde für ihre Publikationen verwendet werden.