Born to Fake

War er ein harmloser kleiner Schwindler, der mit seinen manipulierten TV-Beiträgen vor allem Fantasie und Kreativität bewies? Oder ein gewiefter Betrüger und Selbstdarsteller mit krimineller Energie, der sich mit unlauteren Mitteln bereicherte? Vermutlich Beides. So oder so: Michael Born sorgte als „TV-Fälscher Deutschlands“ Mitte der 90er-Jahre für einen der größten Medienskandale Deutschlands. Die Doku „Born to Fake“ arbeitet diesen spektakulären Fall lückenlos und mit großer Liebe zum Detail auf.

 

Über den Film

Originaltitel

Born to Fake

Deutscher Titel

Born to Fake

Produktionsland

DEU

Filmdauer

93 min

Produktionsjahr

2025

Regisseur

Brehmer, Erec / Rost, Benjamin

Verleih

Across Nations Filmverleih UG

Starttermin

28.05.2026

 

Er täuschte eine ganze Fernsehnation und auch gestandene Journalisten wie Günther Jauch fielen auf ihn herein: Michael Born, Selfmade-Journalist und „Meister der TV-Fake-News“. Der gebürtige Rheinland-Pfälzer hatte zwischen 1990 und 1996 über zwanzig Beiträge für private wie öffentliche-rechtliche TV-Sendungen, darunter Stern TV, Spiegel TV und ZAK (WDR), gefälscht. Es war der größte Medienskandal in Deutschland seit den Hitler-Tagebüchern 1983. Ein Fall, der den Mangel an journalistischer Qualität schonungslos offenlegte. Wie war das möglich? Wie konnte dieses System aus Lügen und erfundenen Storys so lange funktionieren? Diese und andere Fragen klärt die Doku „Born to Fake“.

Michael Born starb im März 2019 im Alter von 60 Jahren. Ein Großteil seines Privatarchivs, bestehend aus (beruflichen wie privaten) Filmdokumenten sowie Fotos, ging an seinen guten Freund Roland Berger. Glücklicherweise stellte der österreichische Regisseur, der in „Born to Fake“ als einer der wichtigsten Befragten auftritt, den Doku-Machern Erec Brehmer und Benjamin Rost diesen Archivschatz zur Verfügung. Die Aufnahmen offenbaren unter anderem, wie Born vorging und seine Beiträge entstanden.

Bis heute ist es kaum vorstellbar, dass die dilettantisch umgesetzten und mit Borns Freunden realisierten Beiträge von den Redaktionen gekauft und schließlich einem Millionenpublikum präsentiert wurden.  Allein die bizarren Themen hätten den Verdacht der TV-Journalisten erregen müssen. Beispielhaft präsentiert „Born to Fake“ einige der bekanntesten Beiträge von Born. Brehmer und Rost rufen damit die ganze Absurdität und Tragweite dieses Medienskandals in Erinnerung – und zeigen andererseits den enormen Einfallsreichtum und die Kreativität des Meisterfälschers.

In den Reportagen geht es zum Beispiel um Drogenabhängige, die Kröten ablecken, um in den Zustand eines LSD-Drogenrausches zu gelangen. Oder einen Ku-Klux-Klan in der Eifel. „Katzenjagd“ handelt von Menschen, die angeblich Katzen für den Verzehr jagen. Darin spricht unter anderem ein bärtiger Jäger über seine „Leidenschaft“, wir sehen zum Abschuss freigegebene Katzen und – nach der Jagd – Tierkadaver aus der Ferne. In Wahrheit waren die Bärte angeklebt, die angeblich toten Tiere Katzenfell-Requisiten und überhaupt die ganze Geschichte: erstunken und erlogen.

Spannend sind in diesem Zusammenhang die Ausführungen eines ehemaligen Stern-TV-Reporters und des früheren Magazin-Pressesprechers. Beide gewähren ausführlich Einblicke in die redaktionellen Abläufe und Hintergründe. Der Ex-Pressesprecher sagt, ihm seien die Fehler und Unachtsamkeiten in Borns Filmen aufgefallen – doch die Redaktionsleitung hat ihn mundtot gemacht. Überhaupt kommen die damaligen Stern-TV-Verantwortlichen, Chefredakteur Andreas Zaik und das langjährige prägende Gesicht der Sendung, Günther Jauch, nicht gut weg. Dasselbe gilt für die anderen Abnehmer von Borns manipulierten Inhalten. So entsteht der Eindruck eines auf Quote und Sensation schielenden deutschen Privatfernsehens und Boulevard-Journalismus, der bewusst und systematisch vertuschte.

Die informativen Aussagen der anderen Interviewpartner erweisen sich ebenfalls als großer Gewinn für die präzise und mit großer Sorgfalt umgesetzte Doku. Rede und Antwort steht etwa Claudia Bern, für viele Jahre Borns Partnerin und „Mitarbeiterin“, die beim Dreh vieler Fake-Beiträge dabei war, sowie Borns Schwester. „Ich habe meinen Bruder nicht als Verbrecher gesehen“, sagt sie und zeichnet mit ihren Äußerungen das Bild eines einerseits narzisstischen und von Geltungsdrang durchzogenen Mannes, der die Medien für sich zu nutzen wusste. Gleichzeitig wirkt Born ungemein mutig, selbstbewusst und auf eine spezielle Art charismatisch. Ein Mann, der die Schwächen des medialen Systems ausnutzte – und gleichzeitig immer mehr in seiner eigenen Welt lebte und folglich den Bezug zur Realität verlor.

 

Björn Schneider

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