Bruno Manser – Kampf um den Regenwald

Das letzte Lebenszeichen des Regenwaldschützers Bruno Manser gab es im Frühjahr 2000. Fünf Jahre später erklärte ein Basler Zivilgericht den Schweizer offiziell für verschollen. Mansers Landsmann Christoph Kühn hat sich nun auf Spurensuche begeben. Sein Dokumentarfilm zeigt, wo, wie und mit wem der von den Ureinwohnern „Laki Penan“ genannte Abenteurer sechs Jahre seines Lebens verbrachte. Nebenher lenkt das informative Porträt freilich auch auf den Konflikt der ökonomischen Ausbeutung eines Lebensraums auf Kosten seiner Bewohner und der Umwelt.

Webseite: www.kampfumdenregenwald.de

Schweiz 2007
Regie: Christoph Kühn
Dokumentarfilm mit Bruno Manser und Angehörigen des Urvolkes der Penan (Malaysia)
94 Minuten
Verleih: KOOL Filmdistribution
Kinostart: 29.11.2007

PRESSESTIMMEN:

…auf film-zeit.de

FILMKRITIK:

Schon als Bub hat der 1954 in Basel geborene Bruno Manser eine Faszination nach einem Leben im Dschungel verspürt. Sie hat ihn nie losgelassen. Im Alter von 30 Jahren reist er nach Malaysia, von wo aus er sich im Bundesstaat Sarawak (malaysischer Teil im Norden der indonesischen Insel Borneo) zu den Urwaldnomaden vom Volk der Penan durchschlägt. Hier lebt und forscht Manser sechs Jahre lang, genießt seine Freiheit und staunt über ein Leben in sozialer Gerechtigkeit. Er wird mit Schlangenbissen ebenso wie Malariaanfällen konfrontiert, als größte Bedrohung aber erkennt Manser jene Gefahr, die sich für die Penan und ihren Lebensraum durch die Interessen der anrückenden Holzindustrie im bis dato gigantischsten Regenwald der Erde ergibt. Nach friedlichen Straßenblockaden im Dschungel muss er sich immer wieder vor malaysischen Behörden verstecken. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz macht „Laki Penan“ – der verlorene Mann, wie die Einheimischen Manser nannten – mit teilweise gewagten Protestaktionen auf diese Situation aufmerksam. Immer wieder besucht er in diesen Jahren auch seine Freunde im Regenwald in Sarawak, die letzte Spur verliert sich im Frühjahr 2000. Ob Manser zum Opfer einer Verschwörung wurde oder sich, seiner romantischen Seele folgend, zum Sterben an einen mystischen Ort im Dschungel aufmachte – darüber kann auch dieser Film nur spekulieren.

Für den Schweizer Filmemacher Christoph Kühn steht in erster Linie die Frage im Raum: wer war dieser Bruno Manser? Wie sah sein Leben im Dschungel aus, wie wirkte er auf die Ureinwohner? Kühn und sein Team begaben sich daher auf die Spuren ihres Subjektes und lassen zahlreiche Penan sich an Bruno Manser erinnern. Ganz nebenbei entsteht so auch ein Porträt jener Menschen, die als Selbstversorger im Einklang mit der Natur, bzw. den sich verändernden Lebensbedingungen leben. Immer wieder zitiert Kühn auch aus den Tagebüchern Mansers und zeigt anhand von Zeichnungen und Fotografien eine bislang durch die Medien wenig beleuchtete Seite des Umweltaktivisten. Eine Seite übrigens, die im Verhältnis der zehn Jahre, in denen sich Manser in der Öffentlichkeit als Regenwaldschützer und Menschenrechtsaktivist  engagiert, nur noch kurz anklingt. Footage-Material von Dokumentarfilmen aus den 80er- und 90er-Jahren verdeutlichen dabei bereits die Veränderungen des Dschungels seit dem Anrücken der ersten Bulldozer. Manser selbst ist immer wieder in (sehr persönlichen) Tondokumenten zu hören, die er seinen Eltern von Zeit zu Zeit als Statusbericht zukommen ließ.

Christoph Kühn erinnert mit seiner Dokumentation aber nicht nur an den Naturburschen Bruno Manser, sondern ruft auch dessen Wirken für den Erhalt des Dschungels in Erinnerung. Er benötigt dazu keine berauschenden Landschaftsbilder – dafür waren die Lichtverhältnisse im dichten Dschungel vermutlich ohnehin extrem schwierig. Kühn überträgt aber mit seinem Porträt die Faszination, wie Manser sie gespürt haben muss, auf den Zuschauer. Auch ohne dass es eigens betont werden müsste, lenkt der Dokumentarfilm die Aufmerksamkeit in eine durch den Klimawandel ohnehin schon sensibilisierte Richtung. Wenn gegen Ende des Films in einer Luftaufnahme die zum Abtransport der gefällten Bäume dienenden Straßen wie Risse in einem vor Trockenheit erstarrten Boden erscheinen, wird das ökologische wie menschliche Desaster mehr als deutlich.

Thomas Volkmann

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Der Basler Bruno Manser fühlte sich schon als Kind zur Natur hingezogen. Naturforscher wollte er laut einem Schulaufsatz werden, den er mit zwölf Jahren schrieb. Und er ließ es nicht bei einer kindlichen Träumerei bewenden, er setzte seinen Wunsch in die Tat um.

Als Erwachsener begab er sich nach Borneo, um mit dem Waldnomadenvolk der Penan zu leben. Sechs Jahre verbrachte er mit ihnen. Die Penan waren damals, in den 80er und 90er Jahren, noch ein Urvolk, von der „Zivilisation“ so gut wie unberührt. Manser gliederte sich ein, lernte die Sprache der Nomaden, ernährte sich wie sie, jagte wie sie, überwand Krankheiten wie sie. Er wurde als einer der ihren angenommen.

Als die Holzindustrie begann, den Regenwald abzuholzen, war Manser es, der zum Widerstand aufrief. Er versammelte die Penan, bangte mit ihnen um ihre Lebensgrundlage, rief zu Protesten auf, organisierte gar Blockaden. Jetzt war er den Behörden suspekt, der Holzindustrie sowieso. Er wurde gesucht, verfolgt. Doch er war auch schlau genug, immer wieder zu entkommen.

An Ort und Stelle, aber auch in die Schweiz heimgekehrt, machte er mit spektakulären Auftritten auf das Sterben des Regenwaldes aufmerksam, gründete eine Stiftung, schrieb ein Buch, bewirkte, dass im Raubbau geschlagenes Tropenholz nicht mehr in sein Land eingeführt werden durfte.

Später brach er noch einmal nach Borneo auf. Anfang dieses Jahrhunderts verschwand er für immer. Niemand weiß, ob er im Urwald verunglückte, ob er sich – was seinem Charakter nicht ganz fremd war – das Leben nahm, was aus ihm geworden ist, ob er noch lebt, ob er ganz einfach sich zu einem Urwaldleben entschloss. Offiziell gilt er als verschollen.

Aber er war einer, der sich auf Leben und Tod um die Umwelt kümmerte, den zwar vielleicht eine fast krankhafte Psyche trieb, aber auch einer, der ein Vermächtnis hinterließ, von dem Hunderte von Tagebucheintragungen, Fotos oder Zeichnungen erhalten sind, einer von denen, die dadurch das so aktuell und wichtig gewordene Umweltbewusstsein schärfen, in gewisser Weise ein Pionier und Vorbild.

„Ich möchte alle Fabriken, die nicht lebensnotwendig sind, dem Erdboden gleichmachen. Einen großen Wald mit klaren Bächen und vielen Tieren an dieser Stelle leben lassen“ (ebenfalls aus dem Aufsatz des Zwölfjährigen). Ein Wunschtraum. Noch.

Der Dokumentarfilmregisseur Christoph Kühn hat es sich zur Aufgabe gemacht, in einem einfachen, aber schlüssigen Film Mansers Erbe zu verbreiten.

Thomas Engel