Cato

Die Lebensgeschichte der Widerstandskämpferin Cato Bontjes van Beek.
Filme und Dokumentationen über alle Facetten des Nationalsozialismus gibt es wie Sand am Meer. Wie Dagmar Brendecke und Walter Bruns Film "Cato" unfreiwilligerweise zeigt, fällt es zunehmend schwer, sich aus der schieren Masse abzuheben, einen neuen Ansatz für ein Thema zu finden, das inzwischen nahezu vollständig abgearbeitet ist. So bleibt "Cato" letztlich das gediegen gefilmte Portrait einer Widerstandskämpferin, der dem Thema kaum etwas Überraschendes abzugewinnen weiß.

Webseite: www.realfictionfilme.de

Deutschland 2010 – Dokumentation
Regie, Buch: Dagmar Brendecke, Walter Brun
Drehbuch: Dagmar Brendecke, Walter Brun
Musik: Carlos Bica
Länge: 90 Min.
Verleih: Real Fiction Filmverleih
Kinostart: 23. September 2010
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Überraschend ist es natürlich nicht, dass sich deutsche Regisseure intensiv mit der Geschichte des Nationalsozialismus auseinandersetzen. Praktisch jeden Abend könnte man den Fernseher einschalten und eine Dokumentation über diesen oder jenen Aspekt des Dritten Reiches sehen. Zwangsläufigerweise führt dieser Trend zunehmend dazu, dass auch obskuren, nur Experten bekannten Personen Dokumentationen gewidmet werden, mit Filmen über die berühmten Protagonisten könnte man inzwischen schließlich schon ganze Filmfestivals füllen.

So kommt nun auch die Widerstandskämpferin Cato Bontjes van Beek in den Genuss einer Dokumentation, die Dagmar Brendecke und Walter Brun unter dem schlichten Titel Cato vorlegen. Dankenswerterweise verzichten die Regisseure auf jegliche Nachstellungen und bedienen sich ausschließlich einigen wenigen historischen Dokumentaraufnahmen, die zwar nicht unmittelbar etwas mit Cato zu tun haben, aber ihren Lebensweg veranschaulichen. Der entsteht aus den Schilderungen ihrer zahlreichen noch lebenden Verwandten, vor allem aber aus ihren Briefen, die Anna Thalbach mit bisweilen etwas viel Pathos vorträgt. Was insbesondere deswegen überrascht, als der Lebensweg Catos ansonsten ausgesprochen zurückhaltend erzählt wird, die Regisseure auf jegliche Überhöhung oder Stilisierung verzichten.

Doch dieser prinzipiell lobenswerte Aspekt führt in diesem Fall direkt zum größten Problem dieser Dokumentation: Das Leben der Cato Bontjes van Beek hört sich, so wie Brendecke und Bruns ihn schildern, nicht besonders bemerkenswert an. Fraglos haben sich nicht Millionen junge Deutsche dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus angeschlossen, etliche waren es dennoch, deren Leben und Schicksal im Großen und Ganzen ähnlich verliefen wie das der Cato. Im besten Fall könnte man hier also die Schilderung eines exemplarischen Lebens sehen, doch auch diese Einschätzung trifft nicht ganz zu, dafür war Catos Werdegang zu privilegiert.

1920 in Bremen geboren, wuchs sie in einem liberalen, künstlerisch aktiven Elternhaus auf und bewegte sich nach der Machtergreifung der Nazis fast zwangsläufigerweise in regimekritischen Kreisen. Die größte Nähe zum Regime ist ihre Mitgliedschaft im NS-Flieger-Korps, dem Cato beitritt, um ihrer großen Leidenschaft, dem Fliegen, frönen zu können. Anfang der 40er Jahre zieht Cato ohne bestimmte Ziele nach Berlin, wo sie Heinz Strelow kennenlernt, einen Lyriker mit kommunistischem Hintergrund. Gemeinsam werden sie im Widerstand aktiv, in einer der Organisationen, die unter dem Überbegriff „Rote Kapelle“ bekannt und mehr oder weniger lose mit der Sowjetunion verbunden waren. 1942 verhaftet, wurden Cato und andere Widerstandskämpfer 1943 hingerichtet.
Die Verbindungen zum Kommunismus führten nach dem Krieg dazu, dass es bis Mitte der 90er Jahre dauerte, bis Cato rehabilitiert wurde.

Mit ihrer bedächtigen Erzählweise schildern Dagmar Brendecke und Walter Brun genau diese Fakten, nicht mehr und nicht weniger. Das Ergebnis ist ein angenehm unaufgeregter Film, der durch eben diese Unaufgeregtheit allerdings auch nicht aus der Vielzahl von ähnlichen Filmen herausragt.

Michael Meyns

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