Chasing Ice

Öko ist immer Trumpf, auch im Kino. Dokumentationen über die Natur erweisen sich allemal als Publikumsmagnet. Die oscarprämierte Produzentin von „Die Bucht – The Cove“ präsentiert nun die abenteuerliche Expedition des „National Geographic“-Fotografen James Balog, der das Schmelzen der globalen Gletscher mit seinen Kameras dokumentiert. Begleitet wird er dabei von Regisseur Jeff Orlowski. Das Ergebnis sind atemberaubende Aufnahmen von majestätischer Schönheit. Bei solch überwältigenden Bildern stört es wenig, dass die Botschaft des drohenden Klimawandels hierzulande bereits weitgehend im Bewusstsein präsent ist.

Webseite: www.chasingice-derfilm.de

USA 2012
Regie: Jeff Orlowski
Darsteller: James Balog, Svavar Jonatansson, Adam LeWinter
Filmlänge: 75 Minuten
Verleih: NFP
Kinostart: 7. November 2013

PRESSESTIMMEN:

"Treibhauseffekt? Weltklimawandel? Abschmelzende Pole? Während in Wissenschaft und Medien noch darüber gestritten wird, ob es wirklich so schlimm kommt wie es längst schon ist, liefert ein Dokumentarfilm den sinnlich wahrnehmbaren Beweis. Über Jahre dokumentierte der Naturfotograf James Balog die Veränderung der arktischen Gletscher. In großartigen Bildern zeigt „Chasing Ice“, was wir verlieren, wenn das Eis schmilzt: Ein Film über die Schönheit einer untergehenden Welt."
ARD Titel Thesen Temperamente

FILMKRITIK:

„Solche Bilder haben Sie noch nie gesehen“ schwärmt Robert Redford über diese Dokumentation, die auf seinem Sundance-Festival für die Beste Kamera ausgezeichnet wurde sowie auf diversen Festivals die Publikumspreise gewann. „Die Leute wollen nicht noch mehr Statistiken und Computermodelle zu diesem Thema sehen. Ich wollte Bilder finden, visuelle Beweise, die glaubwürdig sind und absolut überzeugen“, erläutert James Balog in der Doku sein Konzept. Der Fotograf des renommierten „National Geographic“ hat sich deshalb aufgemacht, um mit einer umfangreichen Langzeitstudie die Folgen des Klimawandels bildlich zu demonstrieren. 2007 begann er das Projekt „EIS“ („Extreme Ice Survey“). Mit halsbrecherischem Einsatz brachten er und sein junges Team im ewigen Eis der Gletscher von Grönland, Island bis Alaska 25 Kameras an, die über drei Jahre hinweg täglich jeweils ein Bild machten. In der Zeitraffermontage ist nun eindrucksvoll zu erleben, welche Massen von Eis durch die Erderwärmung geschmolzen und Gletscher unwiederbringlich verschwunden sind.

Wie schon in der oscarprämierten Delfin-Doku „Die Bucht – The Cove“ von Produzentin Paula DuPré Pesmen werden auch hier die Methoden der Filmemacher selbst zum Thema. Etwa, wie die Technik eigens erst selbst ausgetüftelt werden musste, um Kameras und Software unter diesen extremen Bedingungen funktionsfähig zu machen. Noch mühseliger fällt die Installation der Gerätschaften im frostigen Untergrund aus, die nur mit halsbrecherischem Einsatz und enormer Anstrengung gelingt. In einer Szene läuft dem Macher barfuss über das Eiswasser, „nass werde ich dabei ohnehin“ gibt er amüsiert zu Protokoll. Dieses dokumentarisch begleitete Drumherum der Expedition, bei der etwa auch die Frau und Tochter den eisig riskanten Einsatz kommentieren, sorgt für einen abwechslungsreichen Mittendrin-statt-nur-dabei-Effekt. Regisseur Orlowski verbindet die Bilder der „EIS“-Kameras mit seinen eigenen Arktis-Aufnahmen und lässt dazu, glücklicherweise sparsam dosiert, Wissenschaftler zu Wort kommen. Wenn der Schadensexperte der „Münchner Rück“, immerhin der weltweit größte Rück-Versicherer, den Anstieg von Naturkatastrophen in den letzten 20 Jahren mit nüchternen Zahlen belegt, kann an dieser beängstigenden Statistik kaum ernsthaft gezweifelt werden.

Al Gore mag die Thematik in „Eine unbequeme Wahrheit“ fundierter präsentiert und Roland Emmerich es bereits vor zehn Jahren in „The Day After Tomorrow“ popcorntauglich inszeniert haben. Die majestätischen Aufnahmen von „Chasing Ice“ sind freilich einzigartig und bieten ein einzigartiges, eiskaltes Naturerlebnis auf der Leinwand. Während hierzulande vieles in Sachen Welterwärmung im gesellschaftlichen Bewusstsein bereits weitgehend Schnee von gestern ist, scheint bei der Öko-Aufklärung im Land der unbegrenzten Möglichkeiten allemal Handlungsbedarf zu bestehen. Wie sagt etwa jener John Coleman, Gründer des Weather Channels, voll Inbrunst zu Filmbeginn: „Die Pole schmelzen nicht, die Meeresspiegel steigen nicht an. Ich verspreche Ihnen, ich bin derjenige, der in 20 Jahren lachen wird.“

Dieter Oßwald