Chéri

Weder sentimental noch kitschig oder pathetisch, sondern wunderbar leicht inszeniert Stephen Frears seine zeitlose Liebesgeschichte im prachtvollen Gewand der Belle Epoque. Dabei entsteht aus Colettes Roman „Chéri“, einem literarischen Meisterwerk von 1920, Gefühlskino der besonderen Art. Elegant verbindet das gleichnamige period piece des bedeutendsten Regisseurs des New British Cinema Komödie und Drama. Michelle Pfeiffer, die mit Frears bereits das Historiendrama „Gefährliche Liebschaften" drehte, glänzt in der Rolle der alternden Edelkurtisane ebenso perfekt wie in ihren exquisiten Roben

Webseite: www.cheri-derfilm.de

Großbritannien, Deutschland, Frankreich 2009
Regie: Stephen Frears
Darsteller: Michelle Pfeiffer, Rupert Friend, Kathy Bates, Felicity Jones, Francis Tomelty, Anita Pallenberg
Drehbuch: Christopher Hampton
Länge: 100 Minuten
Verleih: Filmverleih Prokino
Kinostart: 27. 8.2009
 

PRESSESTIMMEN:

…die große Geschichte einer verzweifelten Liebe. (…) ein selten subtiler, hervorragend gespielter Film.
KulturSpiegel

FILMKRITIK:

Paris, Anfang 1900. Die Belle Epoque neigt sich dem Ende zu. Eine Welt des schönen Scheins auf ihrem Höhepunkt, kurz bevor sie der Erste Weltkrieg endgültig begräbt. Madame Peloux (Kathy Bates), einst eine berühmte Kurtisane, möchte, dass aus ihrem Sohn Cheri (Rupert Friend) ein richtiger Mann wird. Deshalb schickt sie den attraktiven, aber verwöhnten Jungen zu ihrer ehemaligen Rivalin Léa de Lonval (Michelle Pfeiffer). Die aparte, geistreiche Frau hat eigentlich bereits ausgesorgt. Doch der junge Mann interessiert sie. Auch Chéri fasziniert die reife Frau. Zwischen beiden entbrennt eine leidenschaftliche Affäre. Und so entwickelt sich aus einer Liaison, die eigentlich nur wenige Wochen dauern sollte, eine sechs Jahre lange Beziehung.

Dann jedoch findet Madame Peloux eine junge Frau (Felicity Jones), die vor allem finanziell eine gute Partie für ihren Sohn wäre. Hinter Leas Rücken arrangiert sie intrigant die Hochzeit. Chéri beugt sich den Konventionen und versucht sich von seiner älteren Freundin zu emanzipieren. Aber der Schritt in die Selbstständigkeit misslingt. Als der Narziss nach den ersten Ehemonaten sehnsüchtig in die Arme der humorvollen Lebenskünstlerin zurückkehrt, werden sich beide schmerzvoll des Altersunterschiedes bewusst.

Mit seiner kongenialen Literaturverfilmung entwirft das 67jährige Aushängeschild des New British Cinema ein opulentes Sittengemälde und erweckt den Geist der Belle Epoque samt ihrer Verschwendung, ihrer üppigen Kostümpracht und ihrem Art-Déco-Zauber. „Cheri" schwelgt förmlich im floralen Jugendstil: Fenster, Geländer, Lüster, Türen und edle Kleider – alle typisch ausdrucksvoll geschwungenen Linien folgen den Formen der Natur. Elegante Formensprache blüht im ornamentalen Dekor einer Pariser Straße ebenso wie in den Strandbädern von Honfleur in der Normandie und Biarritz in Südwestfrankreich. Das Haus, das Michelle Pfeiffer im Film bewohnt, entwarf einst Hector Guimard, einer der wichtigsten französischen „Art Nouveau“-Künstler.

Sich gegenüber Vorurteilen zu behaupten, mit gesellschaftlichen Tabus zu brechen, darum bemüht sich Stephen Frears immer wieder. Kompromisslos stellt der Meisterregisseur nicht zuletzt deshalb eine reife, selbstbewusste Frau in den Mittelpunkt seines neuen Films. Obwohl der junge Chéri die Hauptperson dieses Gesellschaftsbildes ist, feiert die 51jährige Michelle Pfeiffer in dem sinnlichen Feuerwerk um Liebe und Eifersucht ein wahrhaft gelungenes Comeback. Souverän stellt sich die zierliche Kalifornierin mit dem ätherischen Blick, den gemeißelten Wangenknochen und dem geheimnisvollen Mona-Lisa-Lächeln in ihrer Rolle den Problemen des Älterwerdens. Vor allem die treffsicheren Wortgefechte zwischen ihr und Kathy Bates als Madame Peloux sind ein Genuss. Gleichzeitig versteht es die versierte Charakterdarstellerin die verletzten Gefühle und die Unsicherheit, die sich hinter dem selbstbewussten und schlagfertigen Auftreten Leas verbergen, überzeugend spürbar zu machen. Der Nimbus der Leinwandikone ist ungebrochen.

Luitgard Koch

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