Chroniken von Erdsee, Die

Eine Geschichte, wie man sie aus dem Hause Miyazaki und dem legendären japanischen Animationsstudie Studio Ghibli kennt. In Erdsee kämpfen Prinzen gegen Zauberer, fliegen auf Drachen und retten schöne Prinzessinnen. Doch das hier nicht der Vater Hayao, sondern sein Sohn Goro Regie geführt hat, merkt man den „Chroniken aus Erdsee“ jederzeit an. Oft fehlt das kleine Quäntchen Originalität, dass aus einem guten Film einen wirklich großen Miyazaki machen würde.

Webseite: www.universumfilm.de

OT: Gedo Senki
Japan 2006 (Animationsfilm)
Regie: Goro Miyazaki
Buch: Goro Miyazaki, Keiko Niwa, nach den Romanen von Ursula K. le Guin
Musik: Tamiya Terashima
115 Minuten, Format 1:1,85
Verleih: Universum Film
Kinostart: 8. November 2007

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Ein schwereres Erbe kann man sich kaum vorstellen. Denn Hayao Miyazaki, Regisseur von Filmen wie „Chihiros Reise ins Zauberland“ oder „Mein Nchbar Totoro“ wird als einer der wenigen Regisseure von Animationsfilmen, auch über das Genre hinaus als großer Regisseur anerkannt. Eigentlich hätte der inzwischen 66 Jahre alte Hayao auch bei diesem Film Regie führen sollen, doch dann übernahm der Sohn Goro zum ersten Mal selbst die Regie. Und obwohl der Film im vom Vater gegründeten Studio Ghibli, von oft den gleichen Animationskünstlern hergestellt wurde und man davon ausgehen darf, dass der Vater dem Junior beratend zur Seite gestanden hat, fehlt es dem Regiedebüt von Goro Miyazaki meist an jener einzigartigen Magie und Originalität, die die Filme des Vaters so besonders gemacht haben.

Wobei man allerdings sagen muss, dass die Geschichte von „Chroniken von Erdsee“ ebenso wie „Das wandelnde Schloss“, der bislang letzte Film von Hayao Miyazaki, den über Jahre etablierten Kosmos der Miyazaki-Filme verlässt. Beide Filme basieren auf Vorlagen nicht japanischer Autorinnen, die sich somit mehr oder weniger stark von japanischen Traditionen unterscheiden. Nun hat zwar Hayao Miyazaki immer betont – und es ist etlichen seiner Filmen auch anzusehen – wie sehr ihn das alte Europa, die Romantik, die Metropolen des frühen 20. Jahrhunderts beeinflusst haben. Doch seine besten Filme waren bei allen Einflüssen immer durch und durch japanisch, insbesondere was die Mythologie der Geschichten anging.

„Die Chroniken von Erdsee“ dagegen spielen in einer sehr typischen Fantasywelt, in der gleich zu Beginn zwei Drachen miteinander kämpfen. Für den Zauberer Ged ist dieses Schauspiel untrügliches Zeichen für den bevorstehenden Kampf zwischen Gut und Böse. Ein Teil dieses ewigen Konflikts sieht er in der Person des jungen Prinzen Arren symbolisiert, der sich ihm anschließt. Nach und nach stellt sich heraus, dass Arren unheimliche Kräfte in sich hat, die ihn zu zerreißen drohen, ihn aber auch zu der einzigen Person machen, der die Eroberung der Welt durch das Böse verhindern kann. Denn der böse Zauberer Cob hat es geschafft das Tor zwischen dem Reich der Lebenden und dem der Toten zu öffnen, im Glauben selbst unsterblich werden zu können.

Zwar gab es auch im Miyazaki-Filmen fliegende Drachen, diverse andere Fabelwesen und meist eine Atmosphäre voller Magie und kaum erklärlichen Phänomenen. Doch diese Geschichten waren fest in asiatischer Mystik verankert, erzählten meist vom Versuch Mensch und Natur in Einklang zu bringen, ein Gleichgewicht zwischen den Kräften herzustellen. Diese Geschichten ermöglichten erst den typischen Miyazaki-Stil, der voller Detailfreude Welten entwarf, die der unseren ähnelt und sie doch übersteigert. „Die Chroniken von Erdsee“ dagegen, sind stilistisch weitestgehend konventionell, mit Zeichnungen und Animationen, wie sie eher im Fernsehen zu finden sind, als in einem großen Kinofilm. Nur manchmal spürt man das Übermaß an Kreativität, den feinen Blick für Details und kleine, skurril-absurde Momente, die die Filme von Hayao Miyazaki so überragend gemacht haben. Von der Klasse seines Vaters ist Goro Miyazaki noch ein ganzes Stück entfernt, aber wer sich an solch einem Vorbild orientiert, ist zumindest auf einem guten Weg.

Michael Meyns