Clerks 2

12 Jahre, nachdem Kevin Smith mit seinem für legendär wenig Geld gedrehten Debütfilm Clerks berühmt wurde, kommt nun die lang erwartete Fortsetzung ins Kino. Sämtliche Figuren von Teil eins geben sich die Ehre, diesmal nicht im Quickstop-Kiosk, sondern in einem sterilen Fast Food Restaurant. Dort wird wie eh und je ziemlich schräg über Filme, Drogen und Sex diskutiert, aber auch – und erst das macht Clerks 2 zu einer würdigen Fortsetzung – dem älter und reifer werden der Figuren Tribut gezollt.

Webseite: www.senator.de

USA 2006
Regie, Buch: Kevin Smith
Darsteller: Brian O’Halloran, Jeff Anderson, Jason Mewes, Kevon Smith, Rosario Dawson, Ben Affleck
97 Minuten, Format 1:1,85
Verleih: Senator
Kinostart: 12. Juli 2007

PRESSESTIMMEN:

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FILMKRITIK:

Der Quickstop-Kiosk brennt. In schwarz-weiß. Ein trauriger Moment für jeden Fan von Clerks, der vor zwölf Jahren jene sinnlosen Diskussionen über die Bauarbeiten auf dem Todesstern und andere wichtige Themen, die jeder Filmfan nachvollziehen konnte zumal er sie oft selbst geführt hatte, zum Thema eines kleinen, rohen und dreckigen Film machte. Dante (Brian O’Halloran) und Randal (Jeff Anderson), jene Personifikationen des Slacker-tums müssen sich also einen neuen Job suchen. Sie finden ihn im Fast Food-Restaurant Mooby’s, wo sie sich nun während der Zubereitung von Burgern und Pommes Frittes über die entlegensten Regionen der Populärkultur unterhalten. Ihre alten, Drogen-dealenden Freunde Jay (Jason Mewes) und Silent Bob (Kevin Smith) sind auch wieder mit von der Partie und doch haben sich die Dinge geändert. Zumindest für Dante. Während Randal immer noch wenig mehr in seinem Leben anstrebt als Spaß zu haben, ist Dante verlobt und beginnt langsam über seine Zukunft, sowohl beruflich als auch privat, nachzudenken. Seine Verlobte Emma (Jennifer Schwalbach) plagt ihn mit Hochzeitsvorbereitungen und dem geplanten Umzug nach Florida und schnell ist klar, dass sie so gar nicht zu ihm passt. Viel Näher fühl sich Dante zu seiner Vorgesetzten Becky (Rosario Dawson), doch es wird den ganzen Film dauern bis er endlich das begreift, was dem Zuschauer schon viel früher klar ist: Dass seine Zukunft im heimischen New Jersey und bei Becky liegt.

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger ist Clerks 2 ein wesentlich erwachsenerer Film. Was nicht heißt, dass es nicht die Smith-typischen Diskussionen über Phänomene der Popkultur oder unverblümte Dialoge über alle möglichen Formen des Sex gibt. Höhepunkt dabei sind zum Beispiel ein Streit über die Qualitäten der Star Wars-Trilogie im Gegensatz zur Herr der Ringe-Trilogie oder politisch vollkommen unkorrekte Kommentare zu rassistischen Ausdrücken wie „Porch Monkey“, der – wie etliche andere Szenen auch – die Zuständigen für die deutsche Synchronfassung vor kaum lösbare Probleme stellen wird.

Dass alles würde schon für einen unterhaltsamen Film ausreichen, doch Smith ist älter und reifer geworden. Inzwischen selbst verheiratet und Vater ist er zwar nicht unbedingt das, was man ein verantwortungsvolles Mitglied der Gesellschaft nennen würde, aber auch nicht mehr der nihilistische Slacker, als der er seine Alter Egos im ersten Clerks-Film zeichnete. In manchen Momenten wirkt Clerks 2 wie eine Mischung aus dem frühen Kevin Smith und jenem, der in Jersey Girl, seinem vorhergehenden Film, einen anrührenden, fast sentimentalen Film über einen alleinerziehenden Vater gedreht hatte. Diese bisweilen vorhandene erwachsenere Haltung sorgt letztlich dafür, dass Clerks 2 mehr ist als nur ein platter Aufguss eines alten Konzepts. Die extrem unverblümte, oft vulgäre Sprache wird Smith zwar keine neuen Fans zuführen, alle die, die mit Clerks und anderen Smith-Filmen aufgewachsen und eben auch älter geworden sind, werden an der Fortsetzung viel (auch nostalgischen) Spaß haben.

 

Michael Meyns

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Vor 13 Jahren erlangte der Kevin-Smith-Streifen „Clerks – Die Ladenhüter“ eine Art Independent-Kultfilmstatus, weil er, schnell geschrieben, so derb und unverblümt, so geradeheraus und voller außergewöhnlichem Humor, so improvisiert-locker und so tabulos war. 

Nunmehr hat Smith sich entschlossen, seine „zynischen Klugscheißer“ Dante und Randal langsam erwachsen werden zu lassen. Hauptbeschäftigung der beiden ist jedoch immer noch rumhängen und Sprüche klopfen, möglichst auch rassistische und schweinische.

Die zwei haben ihren Quick-Stop-Laden durch einen Brand verloren und helfen jetzt beim Fast-Food-Restaurant Mooby’s aus. Dante will übrigens seine hübsche Emma ehelichen und mit ihr in Florida eine Autowaschanlage eröffnen. Was Randal ganz und gar nicht passt. Doch soweit kommt es nicht. Denn Becky, die Mooby-Geschäftsführerin und Chefin von Dante und Randal, lässt sich von ersterem nicht nur die Zehennägel lackieren, sondern noch ganz andere Dinge. 

Randal bereitet für seinen Freund eine Abschiedsparty vor. Doch die dafür im Internet gefundene Showeinlage „Kinky Kelly“ erweist sich als perverse Veranstaltung mit einem Esel und einem glatzköpfigen Kerl. Da droht sogar Gefängnis, als Dante den dabei verwendeten Nebel für Rauch hält und Feuerwehr sowie Polizei alarmiert.

Hauptsächlich lebt der Film vom Dialog, dem nichts, absolut nichts heilig ist. Er ist plapperhaft, umgangssprachlich, entfesselt, rassistisch, provokativ – alles absichtlich ironisch, grell. Es geht um Freundschaft, Liebe, Sex, aber auch um „Herr der Ringe“ oder „Star Wars“ oder um die Frage, warum man Behinderte mit Respekt behandeln soll.

Brian O’Halloran und Jeff Anderson spielten die Rollen von Dante und Randal bereits im „Ladenhüter“-Teil. Sie sind wieder höchst aktiv und redselig. Neu dazugekommen sind Rosario Dawson als Becky, Jennifer Schwalbach als Emma, Trevor Fehrman als naiver, „jungfräulicher“ und frommer Mooby-Angestellter sowie die bereits im ersten Film präsenten Jason Meewes und (Regisseur) Kevin Smith als Kiffer und Drogendealer Jay und Silent Bob.

Es gibt eine Fan-Gemeinde – diejenigen, die das Clerks-Sequel unbedingt sehen und die Fortentwicklung beurteilen wollen, sowie diejenigen, die sich an dieser Form von Humor verlustieren. Für sie hat der Film einen Sinn.

Thomas Engel