Crulic – Der Weg ins Jenseits

Im Januar 2008 starb der 33jährige Rumäne Claudiu Crulic in einem polnischen Gefängnis an den Folgen eines Hungerstreiks. Wie es zu diesem tragischen Vorfall kam, erzählt Anca Damian in „Crulic – Der Weg ins Jenseits“ in einem Potpourri aus Animationstechniken, die auf extrem subjektive Weise von einem Fall erzählen, dessen politische Dimensionen dadurch etwas vernachlässigt werden.

Webseite: www.barnsteiner-film.de

Rumänien, Polen 2011 –
Animations-Dokumentation
Regie, Buch: Anca Damian
Länge: 73 Minuten
Verleih: Mouna Film
Vertrieb: Barnsteiner Film
Kinostart: 16. Januar 2014

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Animierte Dokumentarfilme erfreuen sich nicht erst seit „Waltz with Bashir“ zunehmender Beliebtheit und nutzen ihre oft originellen Bildern als Alleinstellungsmerkmal auf einem Kinomarkt, der inzwischen von Dokumentarfilmen überflutet ist. Fraglos ist es auf den ersten Blick interessanter, animierte Bilder zu sehen, die Aussagen bebildern, als einfach nur Talking Heads zuzuhören. Gerade wenn das Subjekt eines Films aus welchen Gründen auch immer nicht für ein Interview zur Verfügung steht, scheint sich diese Methode anzubieten.

In ihrem Film „Crulic – Der Weg ins Jenseits“ geht Anca Damian sogar noch einen Schritt weiter und lässt ihre Hauptfigur Claudiu Crulic sein Leben aus dem Jenseits erzählen. In betont lakonischer Manier hört man also, wie ein junger Mann über sein Leben und seinen Tod erzählt, dass mit nur 33 Jahren in einem polnischen Gefängnis endete.
Crulics Kindheit in Rumänien, so erzählt es Damian, verlief gewöhnlich, doch wirtschaftliche Not trieb ihn bald ins Ausland. Was genau Crulic gemacht hat bleibt unklar, Geschäfte eben, Waren zwischen Polen und Rumänien transportierte er, bis er eines Tages verhaftet wurde: Einem Richter soll er die Geldbörse gestohlen haben, was unmöglich war, denn zum Zeitpunkt der Tat befand sich Crulic nachweißlich in einem Bus auf dem Weg nach Italien.

Doch die polnische Justiz hatte – so zumindest erzählt es Damian –kein Interesse, die Wahrheit herauszufinden, Briefe an das rumänische Konsulat wurden ignoriert oder erst Monate später beantwortet, Crulic wurde immer verzweifelter und begann einen Hungerstreik an dem er Monate später starb.

Dass ist ohne Frage eine tragische Geschichte, die viele Fragen aufwirft, die von Anca Damians Film allerdings weder beantwortet noch gestellt werden. Ob dieser Fall etwa symptomatisch für eine mehr oder weniger latente Ausländerfeindlichkeit der polnischen Gesellschaft ist, ob sich an Crulics Fall bestimmte Muster in der polnischen Justiz ablesen lassen oder vor allem warum ein junger Mann, der angesichts seiner ungerechtfertigten Inhaftierung verständlicher Weise verzweifelt ist, so schnell zur extremen Methode des Hungerstreiks greift.

Die Umstände des Falls bleiben nebulös, was gerade angesichts einer Texttafel am Ende des Films verwundert, die erklärt, dass der Film zwar auf wahren Ereignissen beruht, manche Einzelheiten aber aus dramaturgischen Zwecken verändert wurden. Inwieweit die Geschichte Claudiu Crulics also zugespitzt wurde, um möglichst dramatisch zu wirken, um Empörung hervorzurufen, bleibt offen.

Was Damians Film abgesehen von seinem etwas schwammigen Inhalt allerdings sehenswert macht, sind tatsächliche seine Bilder: In unterschiedlichen Animationstechniken, die teilweise auch reale Fotos einbauen, wird Crulics heile Jugend evoziert, die bald dem düsteren Gefängnis weicht. Besonders hier gelingen Anca Damian starke Bilder, in denen die Einsamkeit einer Gefängniszelle angedeutet wird, und mögliche Antworten auf Fragen angedeutet werden, denen „Crulic – Der Weg ins Jenseits“ ansonsten ein wenig ausweicht.

Michael Meyns