Da geht noch was

Diesmal zwar nur als Co-Autor und Hauptdarsteller involviert, ist „Da geht noch was“ doch durch und durch ein Florian David Fitz-Film. In der schönen Generationen-Komödie spielt Fitz einen karrierebesessenen Mann, der gezwungen wird, sich mit seinem Vater und seinem eigenen Sohn auseinanderzusetzen – und dabei die wirklich wichtigen Dinge des Lebens kennenlernt.

Webseite: www.dagehtnochwas.de

Deutschland 2013
Regie: Holger Haase
Buch: Jens-Frederick Otto, Florian David Fitz
Darsteller: Florian David Fitz, Henry Hübchen, Leslie Malton, Marius Haas, Thekla Reuten, Jamie Bick
Länge: 100 Minuten
Verleih: Constantin
Kinostart: 12. September 2013

PRESSESTIMMEN:

"In der charmanten Familienkomödie fechten Florian David Fitz und der knurrige Henry Hübchen einen urkomischen Vater-Sohn-Konflikt aus."
Cinema

"Regisseur Haase … hat ein gutes Gespür für die Absurditäten des Alltags. Treffend und mit Feingefühl analysiert er die Mechanismen, die in den meisten Familien seit langer Zeit greifen…"
Stern

"…Florian David Fitz spielt vorzüglich."
Berliner Zeitung

FILMKRITIK:

Conrad (Florian David Fitz) ist fast am Ziel: Die Bodenplatte zum geplanten Luxushaus im Grünen ist gelegt, das perfekte Leben, dass er sich seit der Kindheit erträumt, in greifbarer Nähe. Seine Frau Tamara (Thekla Reuten) ist attraktiv und ebenso erfolgreich wie Conrad, der Sohn Jonas (Marius Haas) im teuren, elitären Internat abgeschoben, der Luxusurlaub ist gebucht. Nur noch ein kurzer Pflichtbesuch bei den Eltern in München, dann kann es losgehen.

Doch schon das Treffen mit der Mutter Helene (Leslie Malton) bringt unerwartete Neuigkeiten: Quasi im Nebensatz berichtet sie ihrem Sohn, dass sie sich getrennt hat. Angesichts des wohlwollend gesagt schwierigen Charakters ihres Gatten Carls (Henry Hübchen) kann man ihr das kaum verdenken, doch Conrad ist schockiert. Sein Verhältnis zum Vater ist seit Jahren zerrüttet, mehr als Pflichtbesuche erträgt Conrad nicht, der für die Gewerkschaft arbeitende Vater war stets mehr an Leistung interessiert als an einem angenehmen Familienleben.

Mehr aus Pflichtgefühl denn Zuneigung verschiebt Conrad den Abflug um einen Tag und kocht dem zunehmend verwahrlosten Vater Essen für eine Woche. Doch dann soll es losgehen, der Flughafen ist erreicht – und das nächste Unglück geschieht: Carl hat einen Unfall und der Junior muss ihn versorgen. Drei Männer-Generationen leben nun notgedrungen unter einem Dach, drei Generationen von Vätern und Söhnen, die allesamt Frauenprobleme haben und bald merken, dass sie auch sonst mehr gemeinsam haben, als sie wahrhaben wollten.

Flott ist die Grundkonstellation etabliert, sind die Konflikte zwischen Vater und Sohn bzw. zwischen Vätern und Söhnen angedeutet. Denn nicht nur das Verhältnis zwischen Carl und Conrad ist schwierig, Conrad selbst, der seinem Sohn immer ein besserer Vater sein wollte als er es selbst erlebt hat, behandelt Jonas wie ein weiteres Puzzlestück eines perfekten Lebens am Reißbrett. Doch so schön und perfekt die Oberfläche ist, so wenig Substanz hat sein Leben wirklich. Je größer der äußerliche Wohlstand wurde, desto geringer wurde die emotionale Verbindung zu seiner Familie, treffend dargestellt durch eine Reihe von Weihnachtskarten, auf denen Conrads Familie mit zunehmend künstlichem Lächeln in die Kamera blickt.

Mit Florian David Fitz und Henry Hübchen, aber auch dem jungen Marius Haas als Vertreter der jüngsten Generation ist „Da geht noch was“ ideal besetzt. Einmal mehr kann Hübchen seinen bärbeißigen Charme spielen lassen, langsam den weichen Kern unter der harten Schale seines Gewerkschaftsabgeordneten erkennen lassen, während der ansatzweise hyperaktive Fitz langsam erkennt, dass er im Verhältnis zu seinem Sohn kaum anders agiert, als er es selbst erlebt hat.

Während die Männerfiguren das Zentrum des Films bilden, kommen die drei Frauen (neben Helene und Tamara wird das Trio durch Jonas erste Liebe, die Nachbarstochter Kim (Jamie Bick) vervollständigt) etwas kurz, auch wenn sie die Gedanken der Männer bestimmen. Dass nach viel Hin und Her, größeren und kleineren Dramen am Ende alles gut wird, muss nicht extra betont werden. Solide inszeniert ist das Ganze, doch lebt „Da geht noch was“ in erster Linie von seinen Darstellern und einem zwar im Kern konventionellen Drehbuch, das aber immer wieder treffende, pointierte Momente über das Verhältnis der Generation, Beziehungen und das Leben im Allgemeinen bereithält.

Michael Meyns

Conrad und Tamara sind ein Ehepaar und haben den Sohn Jonas. Carl und Helene sind die Eltern von Conrad, haben sich aber nach 30 Jahren getrennt. Jonas wird sich in Kim vergucken. Also ein Generationen-, ein Familienfilm. Das Ganze in Komödienform.

Carl war ein strenger Vater. Deshalb ist das Verhältnis Conrads zu Carl alles andere als gut. Helene hat viele Versuche hinter sich, aus dem Mann einen liebevollen Ehepartner und Vater zu machen. Umsonst.

Allerdings läuft es auch mit der Ehe zwischen Tamara und Conrad nicht zum Besten. Beide waren bis jetzt nur auf ihre Beschäftigung und ihre Karriere sowie auf die neu zu bauende Villa an einem teuren Standort fixiert. Jonas wurde einfach in ein Internat gesteckt.

Jetzt wollen Conrad und Tamara ein paar Tage Urlaub auf Goa machen. Doch dazu kommt es nicht, weil Carl einen schweren Unfall hat und Conrad deshalb die Reise nicht antreten kann. Alle drei, Carl, Conrad und Jonas, müssen tagelang zusammen verbringen.

Jetzt sind sie da der Generationenkonflikt, die Vorwürfe, die Streitereien, die Beleidigungen, dann allerdings auch die Einsichten über frühere Fehler, die Erkenntnis Conrads beispielsweise, dass er Jonas gegenüber die gleichen Versäumnisse aufzuweisen hat wie einst sein Vater ihm gegenüber.

Nach einer Menge Wirbel könnte sich alles einrenken. Carl und Conrad haben dazu gelernt. Tamara hat sich ebenfalls eines Besseren besonnen. Auch Helene lässt ihren neu gewonnenen Arno für Carl sausen. „Da geht noch was“.

Allerdings fehlt der Wermutstropfen nicht: Helene wird nicht mehr lange leben.

Eine schon über dem Durchschnitt liegende Geschichte, in der sich das Humorvolle und das zum Nachdenken Anregende die Waage halten. Auf jeden Fall ein Plädoyer für die Familie und deren in der modernen Welt unterschätzter Wert. Am Handwerklichen ist nichts auszusetzen.

Und schon gar nicht an der Schauspielerei. Wenn man bedenkt, dass Henry Hübchen den Carl spielt und Florian David Fitz den Conrad, dann sind das schon Trümpfe. Etwas, was man gute Unterhaltung nennen kann.

Thomas Engel