Das Bourne-Vermächtnis

Nicht mehr Jason Bourne ist die Hauptfigur der Bourne-Filme, doch auch mit Jeremy Renner als auf der Flucht befindlicher Agent, der von technisch hochgerüsteten Gegnern gejagt wird, ist „Das Bourne Vermächtnis“ ein spannender Thriller. An die Brillanz des Vorgängers kommt Tony Gilroys Film zwar nicht heran, ein überdurchschnittlicher Actionfilm ist er dennoch.

Webseite: www.das-bourne-vermaechtnis.de

USA 2012
Regie: Tony Gilroy
Buch: Tony Gilroy, Dan Gilroy
Darsteller: Jeremy Renner, Rachel Weisz, Edward Norton, Stacey Keach, Scott Glenn, Albert Finney, David Strathairn
Länge: 135 Minuten
Verleih: Universal
Kinostart: 13. September 2012

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Nichts liebt Hollywood so sehr wie eine Franchise. Filmreihen, Fortsetzungen, Serien versprechen ein fest eingebautes Publikum und reduzieren so die Risiken einer 100 Millionen Dollar teuren Produktion. Doch was tun, wenn der Hauptdarsteller und damit das Gesicht einer höchst erfolgreichen Trilogie keine Lust mehr hat? Nachdem Matt Damon nach dem dritten Film der Bourne-Reihe entschied, für eine weitere Fortsetzung nicht mehr zur Verfügung zu stehen, war genau dies das Problem der Produzenten. Die Lösung, auf die sie verfielen, um den Rubel weiter Rollen zu lassen, ist gleichermaßen originell wie skrupellos und lässt „Das Bourne Vermächtnis“ gleichzeitig zu einer Fortsetzung, einer Parallelgeschichte und einem Remake werden.

Dass man nach gut 30 Minuten von Tony Gilroys Film immer noch nicht verstanden hat, worum es eigentlich geht, macht gar nichts. Denn die so kompliziert wie konfus wirkende Geschichte, die bis dahin in vielfacher Parallelmontage etabliert wird, ist streng genommen nur Aufhänger für rasante Verfolgungsjagden. Es beginnt in Alaska, wo Aaron Cross (Jeremy Renner) halbnackt in eisigen Bächen taucht, mit Wölfen ringt und andere mehr oder weniger übernatürliche Dinge anstellt. Denn Aaron ist das Produkt eines geheimen Programms eines geheimen amerikanischen Nachrichtendienstes, das nicht mehr lange geheim sein wird. Durch die Aufdeckung des Programms, das Jason Bourne hervorbrachte, droht auch das Programm aufgedeckt zu werden, dem Aaron Cross entsprungen ist. Dementsprechend werden alle Agenten vergiftet. Was praktischerweise recht einfach ist, da der Witz des Programms – und auch der Antrieb des Films – Drogen sind, die die Agenten regelmäßig schlucken müssen. Und das ist dann tatsächlich die Motivation, die Aaron Cross von Alaska über Chicago bis nach Manila führt: Seine Medikamente zu bekommen. Dabei hilft ihm die Wissenschaftlerin Marta Shearing (Rachel Weisz), während Edward Norton als finsterer Gegenspieler alle technischen Mittel einsetzt, um dies zu verhindern.

Wem hier Szenen und Motive bekannt vorkommen irrt sich nicht. Fast alles an „Das Bourne Vermächtnis“ wirkt wie eine Variation von Szenen aus der Originaltrilogie. Das überrascht nicht, schrieb Tony Gilroy doch die Drehbücher dieser Filme. Seitdem hat er sich als Regisseur mit den beiden Filmen „Michael Clayton“ und „Duplicity“ einen Namen gemacht, zweier Polit-Thriller, die auf hellsichtige Weise hinter die Oberfläche amerikanischer Politik und Wirtschaft geblickt haben. Das taten bei aller furiosen Action auch die ersten drei Bourne-Filme, die zudem von einer existenzialistischen Aufgabe angetrieben wurden: Der Suche Jason Bournes nach seiner Identität.
In diese Sphären vermag sich „Das Bourne Vermächtnis“ leider nicht zu erheben. In seinen zu langen 135 Minuten geht es um wenig, doch immerhin wird das Wenige packend erzählt.

Jeremy Renner und Rachel Weisz geben ein überzeugendes Paar ab, dem zudem dankenswerter Weise eine Romanze erspart bleibt. Hochkarätige Nebendarsteller sorgen für markante Dialogszenen und die langen Actionszenen sind packend und teilweise auch originell gefilmt. Das ist zwar nicht so brillant wie „Das Bourne Ultimatum“, angesichts der Fülle an Superhelden und Comicfilmen die Hollywood sonst gerne produziert, ist dieser recht erwachsene Thriller dennoch sehr sehenswert.

Michael Meyns