Kinder und Eltern in einem unterhaltenden Rahmen für das Thema Raubkunst zu sensibilisieren – dieses Ziel verfolgt der Abenteuerkrimi „Das Geheimnis der gestohlenen Maske“. Ein schon deshalb starkes Anliegen, weil solche Versuche hierzulande praktisch inexistent sind. Umso bedauerlicher, dass der Film seine eigenen Ambitionen mit einigen fragwürdigen Entscheidungen untergräbt. Eine verpasste Chance!
Über den Film
Originaltitel
Das Geheimnis der gestohlenen Maske
Deutscher Titel
Das Geheimnis der gestohlenen Maske
Produktionsland
DE
Filmdauer
100 min
Produktionsjahr
2026
Produzent
Rima Schmidt
Regisseur
Nancy Mac Granaky-Quaye
Verleih
farbfilm verleih GmbH
Starttermin
29.10.2026
Die elfjährige Johanna (Muiné Keune) ist schon ganz aufgeregt. Denn endlich lernt sie ihren aus Tansania kommenden Großvater kennen. Überraschend hat sich Kito (Komi Mizrajim Togbonou) bei ihrer Familie in Leipzig angekündigt. Als er vor ihr steht, stimmt sofort die Chemie. Schon am nächsten Tag unternehmen die beiden einen Ausflug zum Ethnologischen Museum, wo der weitgereiste Besucher eine unerwartete Entdeckung macht. In einer der Glasvitrinen befindet sich eine besondere Maske, die – da ist sich Kito sicher – während der deutschen Kolonialzeit aus seinem Heimatdorf geraubt wurde. Ein Gespräch mit der Ausstellungsleiterin Dr. Fischer (Claudia Michelsen) führt jedoch ins Leere, was ihn umso mehr anspornt, die Herkunft des Artefaktes zu klären und es dorthin zurückzubringen, wo es hingehört.
Die versehentlich im Museum eingeschlossene Johanna wird kurz darauf Zeugin eines mysteriösen Diebstahls. Eine vermummte Gestalt bricht in die Sammlung ein und verschwindet mit besagter Maske. War es ihr Opa, wie die zwei anrückenden Streifenpolizisten (Anna Mateur und Julian Janssen) rasch vermuten? Oder steckt jemand anderes dahinter? Das Mädchen möchte Klarheit und stellt deshalb eigene Ermittlungen an. Unter die Arme greift ihr dabei der in technischen Dingen versierte Mitschüler Anton (Morris Mayer), dessen Mutter (Caroline Hanke) ebenfalls in der Sache mit drinhängt. Die zum Zeitpunkt des Raubs diensthabende Sicherheitsfrau gerät nämlich unter Verdacht, dem Täter geholfen zu haben.
Mit „Das Geheimnis der gestohlenen Maske“ kommt hierzulande im Herbst 2026 eine Rarität in die Kinos. Obwohl die deutsche Kolonialgeschichte in Afrika und das Thema Raubkunst seit einigen Jahren medial stärker präsent sind, gibt es nur selten Versuche, Filme über diese dunklen Kapitel aus der Vergangenheit unseres Landes zu drehen. Erst recht im Bereich der Familienunterhaltung herrscht gähnende Leere. Ein junges Publikum an diese Sujets heranzuführen, ist daher allemal lobenswert. Auch, wenn man bedenkt, dass sich selbst die Politik verdammt schwer mit einer richtigen Aufarbeitung tut.
Der von Nancy Mac Granaky-Quaye inszenierte Kinderkrimi will eine Lücke füllen, verstolpert sich dabei aber leider mehr als nur ein bisschen. Dass manche Jungdarsteller etwas ungelenk spielen und der Detektivplot eher schlicht ausfällt, ist dabei gar nicht mal so schlimm. Für handfeste Irritationen sorgen schon eher die knallig-plumpen Slapstickeinschübe und das Auftreten komplett überzeichneter Nebenfiguren. Das Polizistenduo beispielsweise scheint aus einem völlig anderen Film zu stammen. Und auch Johannas Lehrerin (Marina Blanke), die sich offenbar bloß in Jugendsprache ausdrücken kann, nervt schon nach wenigen Minuten gewaltig. Ernste, komplexe Anliegen mit Komik aufzulockern, ist natürlich absolut legitim. Derart geballt sind die Albernheiten jedoch einfach nur: kontraproduktiv.
Wenn man Raubkunst und die Verbrechen der Kolonialzeit in einem Familienfilm anspricht, sollte man den kleinen Zuschauern diese Themen auch so gut wie möglich erklären. Welche Bedeutung es für die Betroffenen hat, dass einst entwendete Artefakte zurückgegeben werden, arbeitet „Das Geheimnis der gestohlenen Maske“ allerdings bloß halbherzig heraus. Passend ist diese Beschreibung zudem mit Blick auf die Ausgrenzungserfahrungen schwarzer Menschen in einer weißen Mehrheitsgesellschaft. Hier und da bekommen wir zwar ein Gefühl für das, was Kito einst als Student in Deutschland erlebt hat. Allzu ausführlich befasst sich der Film jedoch nicht mit seinen Empfindungen. An emotionaler Tiefe fehlt es auch deshalb, weil die Auseinandersetzung Johannas mit ihren tansanischen Wurzeln und den ungeklärten Konflikten in ihrer Familie viel zu beiläufig in die Geschichte eingeflochten sind. Gut gedacht, aber dürftig umgesetzt – dieser Eindruck bleibt am Ende haften.
Christopher Diekhaus







