Das System – Alles verstehen heißt alles verzeihen

Die DDR ist längst tot, doch die alten Seilschaften existieren noch immer. Und alte Stasiunterlagen können auch noch Jahre später sehr nützlich sein, erkennt ein junger Kleinkrimineller, der sich irgendwie durchschlägt und sich für die Vergangenheit seines Vaters interessiert. Marc Bauders Mix aus Familiendrama und Wirtschaftskrimi lief u.a. im Wettbewerb des Max-Ophüls-Preis 2011.

Webseite: www.das-system-verstehen.de

Deutschland 2010
Regie: Marc Bauder
Darsteller: Jacob Matschenz, Bernhard Schütz, Jenny Schily, Franziska Wulf, Heinz Hoenig, Florian Renner, Jürgen Holtz u.a.
Länge: 92 Min.
Verleih: Filmlichter, Vertrieb: Barnsteiner Film
Kinostart: 12.1.2012

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Bei Mike Hiller und seinem Freund Dustin steht Arbeiten nicht an erster Stelle. Sie führen eher ein kleines Gaunerleben. Mikes Vater ist tot, seine Mutter Elke bringt sich mit einem kleinen Restaurant durch.

Eines Tages taucht ein gewisser Konrad Böhm bei Mike auf, will ihn für sich einspannen. Mike zögert, möchte sich nicht vereinnahmen lassen. Aber neue Kleidung, etwas Geld, ein schickes Auto, das zieht dann doch. Mike steigt ein.

Böhms Verhalten ist eher undurchsichtig. Einmal erscheint er als der liebenswürdigste Mensch, dann wieder ist er unduldsam, schreit herum, droht. Er möchte hoch hinaus kommen, bei der großen Gas-Pipeline mitmischen, die von Russland nach Europa führt (und vor kurzem in Betrieb genommen wurde), die Konkurrenz ausschalten. Er versucht es, sehr weit kommen wird er aber nicht.

Um zum Erfolg zu gelangen wendet sich Böhm vergeblich an frühere „höhere“ Kollegen. Sie arbeiteten einst alle für das Staatsministerium für Staatssicherheit oder trieben für die DDR legale oder geheime Devisen- und Auslandsgeschäfte. Mikes Vater kam damals unter ungeklärten oder zumindest geheim gehaltenen Umständen ums Leben. Von „Liquidierung“ war die Rede, und dabei hatte Böhm seine Finger im Spiel. Zudem unterhielt er mit Elke Hiller ein Verhältnis.

Jetzt kann vermutet werden, was damals im Hintergrund alles geschehen sein muss. Aber – und das ist eigentlich eine bittere Erkenntnis – die „Elite“ steckt noch heute unter einer Decke, das „System“ funktioniert noch, verraten wird nichts oder zumindest nicht alles.

Dies aufzuzeigen ist das Ziel des Films. Dabei wurde geschickt vorgegangen. Viele recherchierte, absolut belegbare Tatsachen liegen zugrunde – schließlich ist Marc Bauder in erster Linie Dokumentarfilmer – nur wurden sie fiktional und spielfilmmäßig (formal einfach) gestaltet, um das Referierte unangreifbar zu machen. Und das ist nicht nur das Ziel, sondern auch das Verdienst.

Wer immer sich über die Wiedervereinigung Gedanken macht, muss offenbar auch solches berücksichtigen.

Vier Darsteller sind es, die dem Berichteten eine überzeugende Anschauung geben: Jacob Matschenz als Mike Hiller, der bei seinem Reifeprozess auch bittere Wahrheiten schlucken muss; Bernhard Schütz als Konrad Böhm, ein gewiefter aber verdächtiger Kerl; Jenny Schily als Elke Hiller, die an der Vergangenheit Schaden genommen hat ; sowie Heinz Hoenig als schmieriger Obermacher Herbert Tieschky.

Thomas Engel

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