Das verflixte 3. Jahr

Wer’s gerne zynisch mag, für den ist die vom Autor und erstmals auch selbst hinter der Kamera stehenden Frédéric Beigbeider inszenierte Komödie „Das verflixte 3. Jahr“ ganz sicher ein vergnüglicher Stoff. Besetzt mit hierzulande aktuell noch nicht ganz so bekannten Gesichtern des französischen Kinos widmet sich, basierend auf Beigbeders 1997 erschienenem Roman, die zu etwa drei Vierteln autobiografisch gefärbte melancholische Geschichte einer Theorie scheiternder Beziehungen in einer pessimistischen und von Egozentrikern bevölkerten Welt.

Webseite: www.das-verflixte-dritte-jahr.de

OT: L’amour dure trois ans
Frankreich 2012
Regie: Frédéric Beigbeder
Darsteller: Gaspard Proust, Louise Bourgoin, Valérie Lemercier, Jonathan Lambert, Joeystarr, Frédérique Bel, Nicolas Bedos, Elisa Sednaoui, Bernard Menez, Anny Duperey, Christophe Bourseiller, Michel Legrand
100 Minuten
Verleih: Prokino
Kinostart: 19.7.2012

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Originell, provokativ und böse, das war vor rund vier Jahren die Verfilmung von „39,90“, Frédéric Beigbeders erster Romanverfilmung, überzeugend und als fulminanter Sinnesrausch als Kritik an der Konsumgesellschaft sowie Porträt eines an ihr zerbrechenden Werbespezialisten von Jan Kounen umgesetzt. Ein wesentliches Stilmittel Beigbeders wurde bereits da schon deutlich: ein vergnüglicher Zynimus. Dieser gehört nun auch zu den Wesenszügen des Litaraturkritikers und Gesellschaftskolumnisten Marc Maronnier (Gaspard Proust), gewissermaßen dem alter-ego Beigbeders. Im Schnelldurchlauf erzählt er uns zu Beginn des Films von seinem kurzen, nur drei Jahre währenden Eheglück, dessen Verlauf einer in einem Buchmanuskript festgehaltenen Theorie folgt, derzufolge die wahre Liebe eben nur drei Jahre nach der Heirat überstehen würde. Während Marronnier aus dem Off kommentiert: „Im ersten Jahr kauft man die Möbel, im zweiten stellt man sie um, und im dritten teilt man sie auf“, zeigen wenige Szenen die Entfremdung. Statt Gespräch miteinander wird nur noch Fremdkontakt per SMS („eine raffinierte Art der Folter“) gepflegt – zu sagen hat sich das Paar nichts mehr.

Nach der Scheidung und einem gescheiterten Selbstmordversuch wieder offen für neue Abenteuer, pirscht sich Marronnier an Alice (Louise Bourgoin), die Frau seines Cousins. Seine sarkastischen Machosprüche prallen zunächst an ihr ab, er selbst glaubt nie wirklich daran, sie erobern zu können, träumt sich stattdessen hinein in die High-Society-Parties und gibt dort einen übertrieben narzisstischen Fatzke ab. Und doch: es knistert zwischen den beiden. Doch dann wird sein unter Pseudonym veröffentlichtes Buch über „Das verflixte 3. Jahr“ unerwartet zum Bestseller.

Die Auftritte einer Reihe von Autorenkollegen wie Marc Levy oder Alain Finkielkraut hat Beigbeider gegenüber seinem 1997 erschienenen Ende seiner Marc-Marronnier-Trilogie neu ins Drehbuch aufgenommen, ebenso eine Begegnung mit dem in Frankreich bekannten Musiker Michel Legrand, dessen Name sich als Synonym für den Traum einer romantischen Liebe als roter Faden durch den Film zieht und der am Ende als Hochzeitsgeschenk einen Auftritt hat. Es wirken zwar auf deutschen Leinwänden eher noch wenig bekannte Gesichter mit (mal abgesehen von Valérie Lemercier als Verlegerin von Marc Marronnier) – aber insbesondere Gaspard Proust und Louise Bourgoin („Adèle und das Geheimnis des Pharaos“) machen ihre Sache jedoch gut.

Als Geschichte über die Liebe betrachtet er sein Thema von einer pessimistischen Seite aus. Ein Gebiet, in dem Beigbeder sich jedoch auskennt, damit allerdings weniger romantisch ist denn als Provokateur von Gefühlen reüssiert. Seine bislang promineste Beziehung mit Laura Smet, der Tochter von Johnny Hallyday, dauerte jedenfalls auch nicht länger als das ominöse verflixte dritte Jahr. Eben deshalb liegen die Stärken dieses Werkes vor allem dort, wo der Zynismus, die Verbitterung und das selbstmitleidige Gebaren der egozentrischen Hauptfigur im Vordergrund stehen. Starke Sprüche und Dialoge sind in dieser Hinsicht garantiert. Zum anderen – und das rückt auch diesen Film ein ganz klein wenig in die Nähe von „39,90“ – wird immer dann gepunktet, wenn sich der Film inhaltlich der Mechanismen der Werbewirtschaft, formal der Ästhetik von Werbeclips bedient und Beigbeder sich mit selbstreferentiellen Verweisen selbst ins Spiel bringt.

Thomas Volkmann

„Die Liebe dauert drei Jahre“, heißt der französische Originaltitel. Im ersten Jahr kauft man die Möbel ein, im zweiten stellt man sie um, spätestens im dritten teilt man sie dann auf.

Marc Marronnier, Journalist und Kritiker, ist ein solcher Drei-Jahres-Kandidat. Seine schöne Anne liest nachts im Bett nur noch oder feilt sich die Fingernägel, er befasst sich mit seinem Computer. Sonst gar nichts. Die ersten drei Jahre sind um, die Scheidung wird es ebenfalls in Kürze sein.

Marc schreibt sich den Frust von der Seele. Trauer und Verzweiflung mischen sich mit Aphorismen und Zynismus. Von der Liebe hält er nicht mehr viel, von der Ehe schon gar nicht.

Bis er auf Alice trifft, die Frau eines Cousins, die er bei einer Beerdigung kennenlernt. Sie ist hübsch, schlagfertig, eigensinnig, sexy. Zu einer intimen Begegnung „nur zwischen Freunden!“ reicht es schon bald, aber ihren Mann möchte Alice (zunächst) auf keinen Fall verlassen. Marc will nach längerem Hin und Her eigentlich auch aufgeben.

Lange hatte sein Roman über das verflixte dritte Jahr der Liebe keinen Erfolg – bis er plötzlich zur Sensation wird. Alice aber, die nicht weiß, dass hinter dem Pseudonym des Autors Marc steckt, findet das Buch oberflächlich, billig, machohaft, nicht viel wert. Ein neuer Schlag für den jungen Schriftsteller.

Doch es wäre keine romantische Komödie, wenn es nicht zu einem glücklichen Happy End käme.

Frederic Beigbeder ist der Autor des zugrunde liegenden Romans, der Regisseur und auch der Drehbuchschreiber. Also brauchte er keine Rücksichten zu nehmen, konnte sich austoben. Und das tut er auch reichlich. Die Handlung wird immer wieder durch Bonmots unterbrochen, Schriften tauchen an den Wänden auf, zynische (oft wahrhaftige) Reflexionen werden eingeschaltet, die Geschichte fließt dabei munter weiter.

Trotzdem hat Beigbeder den Film regielich ganz gut im Griff. Wenn man mit dem Ideendurcheinander zu Recht kommt, unterhält man sich glänzend.

Die Schauspieler – Gaspard Proust als Marc und Louise Bourgoin als Alice – machen toll mit, auch wenn Proust manchmal an die Grenze zur Übertreibung geht. Sehr lebendig und sympathisch sind beide auf jeden Fall.

Die französische Zeitung „Le Parisien“ schrieb: „Eine Komödie, an die man sich auch in drei Jahren noch gerne erinnern wird.“ Ein schöneres Kompliment an den Film ist nicht möglich.

Thomas Engel