Der Mondmann

Basierend auf Tomi Ungerers Kinderbuch „Der Mondmann“ inszeniert Stephan Schesch einen allegorischen, poetischen Animationsfilm. Voller Melancholie, gepaart mit Humor und kleinen, feinen Lebensweisheiten erzählt der Film von der Suche nach Freundschaft und Nähe. Ein Kinderfilm zwar, der aber ebenso wie die Buchvorlage auch Erwachsene berührt.

Webseite: www.neuevisionen.de

Deutschland 2012 – Animationsfilm
Regie: Stephan Schesch
Buch: Stephan Schesch & Ralph Martin , nach dem Kinderbuch von Tomi Ungerer
Länge: 95 Minuten
Verleih: Neue Visionen
Kinostart: 14. März 2013

PRESSESTIMMEN:

"Hin und wieder gibt es Filme, die verzaubern. "Der Mondmann" ist so ein Fall. Liebevoll gezeichnete Bilder, traumhafte Musik und die spannende Geschichte vereinen sich zu einem Kunstwerk für Kinder und Erwachsene. Stephan Schesch hat das Bilderbuch von Tomi Ungerer verfilmt und damit ein Kinoerlebnis geschaffen, ein Fest der Sinne und der Fantasie."
STERN

"Das Trickfilmabenteuer, in 2-D auf Computermonitoren handgezeichnet, ist im buchstäblichen Sinn bildschön."
DIE ZEIT

FILMKRITIK:

Nur die Kinder können ihn sehen: Den Mondmann, der in der leuchtenden Kugel am Himmel unter beengten Umständen lebt. Die Erwachsenen dagegen sind blind für den kleinen Mann und tun die Erzählungen ihrer Kinder als Träumerei ab. Dem Mondmann ist derweil etwas langweilig, so ganz allein im Weltall. Also packt er kurzerhand den Schweif eines Kometen und landet auf der Erde. Was zum einen die Kinder verstört, die ohne den beruhigenden Anblick des Mondmanns nicht mehr schlafen können, zum anderen den Diktator irritiert. Der hat sich schon die ganze Erde untertan gemacht und richtet sein Augenmerk nun auf den Mond. Doch da ist ihm der Mondmann zuvorzukommen, scheint eine Invasion der Erde bevorzustehen. So schickt der Diktator seine Armee los, den Eindringling zu schnappen. Der Mondmann stolpert derweil über die Erde, nur sichtbar, wenn er von Licht bestrahlt wird. Er landet bei Professor Bunsen van der Dunkel, einem genialen Erfinder, der sich zur Ruhe gesetzt hatte, nachdem er alles erfunden hatte, was es zu erfinden gab. Doch nun hat der Diktator ihn reaktiviert: Eine Rakete soll er bauen, mit der die Eroberung des Mondes von statten gehen soll.

1966 erschien Tomi Ungerers Kinderbuch „Der Mondmann“, zu einer Zeit also, als die Welt sich mitten im Kalten Krieg befand, die Gefahr einer nuklearen Katastrophe noch nicht abgewandt war und das Wettrennen der Supermächte um den ersten Mann auf dem Mond in vollem Gange war. Fast ein halbes Jahrhundert später ist die Welt eine andere, dennoch wirkt Stephan Scheschs moderne Adaption der Geschichte nicht veraltet. Die Welt, die der Film evoziert, wirkt zeitlos, unbestimmt, lässt sich weder durch Objekte, Kleidung, noch durch Verhalten festmachen. Autokinos gibt es da, amerikanische Straßenkreuzer, aber auch Handys. Denn das Herz der Geschichte ist abseits jeder Ideologie die Suche nach Freundschaft und Nähe.

So wie der Mondmann auf die Erde kommt, um seiner Einsamkeit zu entgehen, lässt sich der Erfinder vom Diktator anfangs um den Finger wickeln, da dieser ihn als Freund bezeichnet. Erst als der Mondmann bei ihm auftaucht, der zwar kein schlagendes Herz hat, aber dennoch mehr Herz besitzt als jeder Diktator, lernt der Erfinder Freundschaft und Nähe wirklich schätzen. „Allein geht es schneller, zu zweit kommt man weiter“ heißt es an einer Stelle, und mehr muss man über die Aussage des Films eigentlich nicht sagen.
Verpackt ist diese Botschaft in traumhafte Bilder, die bewusst nah an Ungerers Zeichnungen bleiben, teils mit kleinen Details überzeugen, meist aber mit klarer Linie gezeichnet sind. Unterstützt wird die melancholisch-poetische Stimmung durch die eklektische Musikauswahl, die Jazz, Pop und Chansons zu einer stimmungsvollen Mischung verbindet, die den „Mondmann“ zu einem wunderbaren Film für Jung und Alt machen.

Michael Meyns

Der Mond ist ein wüstenhafter Planet der Erde. Er wurde zwar schon einmal erobert, doch viel hat das wissenschaftlich offenbar nicht gebracht. Romantischer sind, vor allem für die Kinder, die Geschichten vom Mondmann – so wie hier eine erzählt wird.

Ein kleines Mädchen, mit ihrem Vater im Auto vom Kino heim fahrend, ist fest davon überzeugt, dass es den Mondmann gibt. Sie sieht ihn im Vollmond deutlich. Und offenbar existiert der (von Tomi Ungerer erfundene) kleine Dicke tatsächlich.

Er will einmal auskundschaften, was auf der Erde vorgeht. Sich an einem Kometenschweif festhaltend fliegt er herab. Voller Staunen bemerkt er die Wälder, die Blumen, die Vögel, die Seen, das Meer, die Fische – und natürlich auch die Menschen. Auf einem kleinen Karnevalsball wird er für einen Verkleideten gehalten.

Auf der Erde gibt es aber nicht nur Schönes. Zum Beispiel einen herrschgierigen selbstsüchtigen Präsidenten, der die Erde bereits erobert hat und sich nun auch noch den Mond unter den Nagel reißen will. Dazu animiert wird er auch durch die hochmütige Conquista. Er beauftragt einen Erfinder namens Bunsen damit, zu diesem Zweck eine Rakete zu bauen.

Gottlob werden Bunsen und der Mondmann enge Freunde. Sie tricksen denn auch den Präsidenten gehörig aus.

Der Mondmann aber hat begriffen, dass die Kinder traurig geworden sind, weil er den Mond nicht mehr bewohnt und sie nicht mehr von ihm träumen können. Die Rakete hat jetzt einen viel besseren Zweck: Sie bringt ihn an seinen alten Platz zurück.

„Nie wieder ward ihm erbärmlich langweilig. Nacht für Nacht war er da. Für die Kleinen und für die Großen. Die Menschen behielten ihn für immer im Blick.“

Ein wirklich sehr schöner Animationsfilm: durch seine Idee, durch seine Zeichnungen, durch seine Farben. Auch durch den Gedanken, dass der menschenunwürdige „kapitalistische“ Präsident sein verdientes Ende findet.

Und was für eine Truppe von Sprechern! Katharina Thalbach (Mondmann), Ulrich Tukur (Präsident), Corinna Harfouch (Conquista), Ulrich Noethen (Vater). Kein Geringerer als Tomi Ungerer erzählt die Geschichte selbst.

Thomas Engel