Dialog mit meinem Gaertner

Zwei ehemalige Freunde aus Schulzeiten treffen sich nach 40 Jahren zufällig wieder. Jean Beckers einfühlsame Beobachtung einer platonischen Männerfreundschaft, zeigt die beiden Franzosen Daniel Auteuil und Jean-Pierre Darroussin als gemütliche Landbewohner, die sich in stundenlangen Gesprächen über das Leben austauschen. Ein herzerwärmender Film vor malerischer Sommerkulisse im Herzen Frankreichs.

Webseite: www.dialogmitmeinemgaertner.de

OT: Dialogue avec mon jardinier
Frankreich 2007
Regie: Jean Becker
Buch: Jean Cosmos, Jacques Monnet, Jean Becker
Romanvorlage: Henri Cueco
Darsteller: Daniel Auteuil, Jean-Pierre Darroussin, Fanny Cottençon, Alexa Barlier, Hiam Abbass, Elodie Navarre
109 Minuten
Verleih: Arsenal
Kinostart: 20.12.2007

PRESSESTIMMEN:

Stimmungsvolles Porträt einer ungewöhnlichen Männerfreundschaft und der Suche nach dem Sinn des Lebens in einfachen, aber wirkungsvollen, am Impressionismus geschulten Bildern, mit praktisch-philosophischen Dialogen und zwei großartigen Hauptdarstellern. – Sehenswert.
film-dienst

Zwischen Pariser Hochkulturpflanze und provinziellem Arbeitergemüse entwickelt sich eine Männerfreundschaft, die schön anzusehen ist… Fast zwei Stunden lang unterhalten sich die zwei älteren Herren über das Leben und über Salat, und es ist trotzdem nie langweilig – die große und geheimnisvolle Kunst französischer Filme, normale Menschen in gewöhnlichen Situationen zu zeigen und dabei keine fade Kost zu bieten. – Sehenswert!
tip-Berlin

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FILMKRITIK:

Es kommt der Punkt im Leben eines Großstadt-Menschens, an dem er den vermeintlichen Lärm satt hat und sich nach der Beschaulichkeit und der Ruhe des Landlebens sehnt. Im Schatten eines Baums lässt es sich an heißen Sommertagen doch so viel besser und angenehmer über das Leben philosophieren, als auf den verstopften Straßen einer Metropole.

An diesem Punkt des Lebens ist der „Maler“ (Daniel Auteuil) mittlerweile angekommen. Als Künstler in Paris erfolgreich, besinnt er sich eines Tages auf seine Wurzeln und kehrt in das Landhaus seiner Jugend zurück. Seine Frau will die Scheidung, also richtet sich der Mittfünfziger alleine im Haus ein, das in jeder Ecke voller Erinnerungen ist. An das große Anwesen grenzt auch ein Garten, der jahrelang nicht gepflegt wurde und somit ein Prachtexemplar an Wildwuchs darstellt.

Über eine Anzeige findet der Maler einen Freund aus Kindertagen wieder, der sich fortan um sein Pflanzenreich kümmert. Der „Gärtner“ und der Maler sitzen fortan auf diesem pittoresken Grundstück und reden, so platt es auch klingen mag, über Gott und die Welt. Die angenehme aber dennoch endlose Form des Dialogs zwischen den beiden erhebt Regisseur Jean Becker hier zu einer wahren Kunstform, denn zwischen Ausführungen über das Wachsverhalten von Tomaten, der Beständigkeit des Wetters und den Vorzügen einer richtigen Sense mag bei den Gesprächsthemen der beiden Männer nie wirkliche Langeweile aufkommen. Die Konversation folgt nie den stringenten Linien und den Regeln eines klassischen Drehbuchs, es ist mehr das ungezwungene Plaudern vor sommerlicher Gartenkulisse, die einen nach und nach einnimmt.

Muss man sich die erste halbe Stunde als Zuschauer darauf noch einstellen, nimmt der Film spätestens dann Fahrt auf, als die Männer von ihren Familien erzählen und somit auch der Schauplatz wechselt. Zwei unterschiedliche Lebensentwürfe prallen hier aufeinender: Auf der einen Seite der bodenständige Gärtner, der nie sein Heimatdorf verlassen hat und seit Jahrzehnten mit seiner Frau in das immergleiche Urlaubsresort am Meer fährt. Auf der anderen Seite der fein- und freigeistige Künstler, der es in Paris zu Renommee gebracht hat und durch zahlreiche Affären mit Frauen, die auch als Töchter durchgehen würden, seine Ehe zugrunde gerichtet hat.

Mit fortlaufender Spieldauer ist es wunderbar mitanzuschauen, wie sich die Freundschaft der beiden Männer aufs Neue entwickelt. Aus den ehemaligen Knirpsen, die durch allerhand Schulstreiche ihre Kindheit in vollen Zügen genossen, werden noch einmal zwei wahre Vertraute, die zwar nicht seelenverwandt sind, aber voller Unbekümmertheit in den Tag hinein leben. Jean Becker ist somit auch ein herzerwärmendes Porträt einer Männerfreundschaft gelungen, die zwar ohne die großen Gesten auskommt, aber durch seine Nüchternheit ganz nah am wirklichen Leben ist. 

David Siems