Die Abenteuer des Huck Finn

Ein Jahr nach „Tom Sawyer“ kommen nun „Die Abenteuer des Huck Finn“ unter der Regie von Hermine Huntgeburth ins Kino. Erneut spielt Leon Seidel die Hauptrolle des rebellischen Rumtreibers Huck Finn, der gemeinsam mit dem Sklaven Jim aufregende Abenteuer besteht. Ein solider Kinderfilm, der die berühmte Vorlage von Mark Twain mit vielen deutschen Stars und viel Klamauk interpretiert.

Webseite: www.huckfinn-film.de

Deutschland 2012
Regie: Hermine Huntgeburth
Buch: Sascha Arango, nach dem Roman von Mark Twain
Darsteller: Leon Seidel, Loius Hofmann, Jacky Ido, August Diehl, Milan Peschel, Michael Gwisdek, Kurt Krömer, Andreas Schmidt, Henry Hübchen, Heike Makatsch, Peter Lohmeyer, Hinnerk Schönemann
Länge: 99 Minuten
Verleih: Majestic
Kinostart: 20. Dezember 2012

PRESSESTIMMEN:

Gelungene, angenehm unaufdringliche Fortsetzung von Hermine Huntgeburths liebenswerter "Tom Sawyer"-Verfilmung aus dem vergangenen Jahr.
KulturSPIEGEL

Ein wunderschöner, liebevoller Kinderfilm zum Mitfiebern, der seine jungen Zuschauer ernst nimmt – und in Erwachsenen Lust aufs Ausbüchsen weckt.
BRIGITTE

FILMKRITIK:

Es gilt als erster bedeutender Roman der amerikanischen Literaturgeschichte: Mark Twains 1884 veröffentlichter „Adventures of Huckleberry Finn“. Unzählige Male verfilmt, vor allem natürlich in Amerika, aber auch in Frankreich, Japan und Russland, kommt nun unter der Regie von Hermine Huntgeburth eine deutsche Adaption in die Kinos. Ähnlich wie der mit dem gleichen Team entstandene „Tom Sawyer“ ist auch „Huck Finn“ durch und durch ein Kinderfilm. Was Drehbuchautor Sascha Arango und die Regisseurin zum Anlass genommen haben, die Vielschichtigkeit der berühmten Vorlage, ihre gesellschaftskritische Komponente und ihren satirischen Gehalt praktisch völlig zu ignorieren und sich ganz auf die Elemente zu konzentrieren, die für einen kindlichen Abenteuerfilm taugen.

Die Geschichte beginnt mit Huck Finn (Leon Seidel), der nach den Abenteuern aus „Tom Sawyer“ ein reicher Junge ist und bei der Witwe Douglas (Margit Bendokat) ein bürgerliches Leben führt. Nur noch selten tobt er mit seinem besten Freund Tom Sawyer (Loius Hofmann) durch die Straßen von St. Petersburg und beobachtet die Raddampfer des Mississippis. Als er doch einmal ausreißt, beobachtet er eine Sklavenauktion, bei der auch die Frau des Sklaven Jim (Jacky Ido) zum Verkauf steht. Wutentbrannt legt sich Jim mit den Menschenhändlern an und kann nur durch Hucks Hilfe der Verhaftung entgehen. Jims Zeit bei der Witwe Douglas ist endgültig abgelaufen, als drei Sklavenhändler (Milan Peschel, Andreas Schmidt und Henry Hübchen) Jim kaufen wollen. Noch in der Nacht flieht Jim und trifft bald auf Huck, der sich nur mit großen Mühen aus den Händen seines Vaters, dem alten Finn (August Diehl) befreien konnte, der an Hucks Geld will. Gemeinsam wollen Huck und Jim den Mississippi hinab fahren, Jim, um seine Freiheit zu erlangen und seine Frau befreien zu können, Huck, um abseits der Zwänge der Zivilisation zu leben und sich endlich wieder wirklich frei zu fühlen.

Gerade in dieser Gegenüberstellung von Freiheitsbegriffen scheint einer der Hauptaspekte der literarischen Vorlage immer wieder durch. Die Diskussionen, die Huck und Jim über den Wert von Geld und Freiheit führen, bleiben zwar kurz und oberflächlich, deuten aber an, worum es Mark Twain ging. Dessen entlarvende Schilderung der Südstaatengesellschaft lässt sich in dieser Adaption jedoch nur noch erahnen. Die Grauen der Sklaverei können angesichts des kindlichen Zielpublikums nur angedeutet werden und verblassen neben dem klamaukhaften Ton, den der Film anschlägt.

Eine ganze Riege deutscher Starschauspieler absolviert mehr oder weniger lange Auftritte – Heike Makatsch, Peter Lohmeyer und Hinnerk Schönemann sind kaum mehr als eine Szene zu sehen – deren Fokus fast immer auf rustikaler Komik bis hin zum Fäkelhumor liegt. Allein August Diehl als finsterer, hinter verfilzten Haaren und Bart kaum zu erkennender Vater Hucks, liefert eine eindringliche Darstellung ab, die jedoch auch nie so bedrohlich und unheimlich werden darf, wie es sich gerade auch der Kinderfilm früher noch getraut hat. So schön „Huck Finn“ ausgestattet ist, so eindrucksvoll die Bilder auch sind, manches Mal wünscht man sich ein bisschen mehr Finsternis, ein bisschen mehr Drama, dass der literarischen Vorlage näher wäre und auch die zarten Kinderseelen unserer Zeit mit Sicherheit nicht verstören würde. So bleibt Hermine Huntgeburths “Die Abenteuer des Huck Finn“ zwar ein solider Kinderfilm, der aber doch ein wenig zu glatt und harmlos geraten ist.

Michael Meyns

Huck (Finn), zusammen mit Tom (Sawyer) durch den Schatz des Indianer Joe reich geworden, wird von Jim, dem schwarzen Sklaven der Witwe Douglas, gerade mit feinen Kleidern ausstaffiert, als er ausbüxt und mit Tom an den Hafen rennt, wo ein neuer Sklaventransport eintrifft. Jim soll den Jungen wieder nach Hause holen, gerät jedoch in ein Handgemenge, weil sich unter den neuen Sklaven seine Frau und sein Kind befinden, mit denen zusammen zu kommen ihm allerdings nicht gelingt.

Er flieht deshalb. Er will auf dem Mississippi nordwärts nach Cairo schippern, in eine Gegend also, wo die früheren Sklaven frei geworden sind.

Hucks brutaler und meist betrunkener Vater will den Schatz für sich und sperrt seinen Sohn daher ein. Nach einiger Zeit kann Huck fliehen.

Später trifft er auf Jim. Nun versuchen sie gemeinsam auf einem Floß ihr Glück. Doch Sklavenjäger, der alte Finn sowie die Gauner Herzog und König verfolgen Jim. Sie wollen ihn fangen und der Witwe Douglas abkaufen, nachdem sie beim Handgemenge im Hafen sehen konnten, wie stark er ist.

Einmal wird Jim von den Verfolgern doch gefangen, aber Huck kann ihn befreien. Später gelingt es den Gaunern sogar, Huck dazu zu bringen, dass er Jim verrät. Allerdings sieht er seinen Fehler rechtzeitig ein. Danach werden beide endgültig gerettet und frei sein. Der durch einen Schuss verwundete Jim wird gesund gepflegt – von keinem Geringeren als von Mark Twain höchstpersönlich.

Eine Kindergeschichte. An der unteren Donau (in Rumänien) möglichst milieugerecht inszeniert. Die Handlung verläuft zwar manchmal etwas schleppend, die Bildarbeit aber ist überdurchschnittlich.

Hermine Huntgeburth ist es gelungen, eine ganze Schar bekannter Schauspieler zu vereinen: August Diehl (Hucks Vater), Henry Hübchen (Sklavenjäger), Milan Peschel (Sklavenjäger), Michael Gwisdek (König), Kurt Krömer (Herzog), Peter Lohmeyer (Richter) sowie als Gast Heike Makatsch (Tante Polly) und andere.

Das Loblied auf die Buben Leon Seidel (Huck) und Louis Hofmann (Tom) wurde bereits in den Kommentaren zum ersten Teil der Serie ausgiebig gesungen.

Ein routinierter Kinder- und Familienfilm nach Mark Twain.

Thomas Engel