Die Monster-Uni

Da hat sich Pixar dieses Mal aber Zeit gelassen. Zwölf Jahre nach ihrem ersten Auftritt gibt es endlich ein Widersehen mit dem quirligen Mike und seinem flauschigen Kumpel Sulley. Als professionelle Erschrecker in „Der Monster AG“ eroberten sie einst die Herzen ihres Publikums. Die Fortsetzung ist als Prequel angelegt und erzählt wie Mike und Sulley beste Freunde wurden – ein großer Spaß für Kinogänger jeden Alters, der die Enttäuschung nach „Cars 2“ fast vergessen lässt.

Webseite: www.disney.de

OT: Monsters University
USA 2013
Regie: Dan Scanlon
Drehbuch: Robert L. Baird, Daniel Gerson, Dan Scanlon
Originalstimmen: John Goodman, Billy Crystal, Nathan Fillion, Steve Buscemi, Helen Mirren, John Krasinski
Laufzeit: ca. 100 Minuten
Kinostart: 20.6.13
Verleih: Disney

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Jedes erfolgreiche Monster hat einmal klein angefangen und selbst beste Freunde waren nicht immer unzertrennlich. Wie die vielleicht liebenswertesten Kindererschrecker der Filmgeschichte zu Profis in ihrem Metier wurden, enthüllt nun die als Vorgeschichte konzipierte „Monster Uni“, in der es endlich ein Widersehen mit dem gemütlichen Sulley (im Original gesprochen von John Goodman) und seinem einäugigen, giftgrünen Kumpel Mike (Billy Crystal) gibt. Dabei zeigt sich, dass beide aus unterschiedlichen Welten stammen. Während Sulley als der Spross einer berühmten Monster-Dynastie bislang mit einer gewissen Überheblichkeit durchs Leben schritt, muss sich der kleine Mike alles hart erarbeiteten. Eigentlich traut ihm niemand etwas zu, schon gar nicht, dass er eines Tages das Zeug zum professionellen Erschrecker haben wird.

Das Unmögliche möglich machen, niemals aufgeben und nach jedem Rückschlag wieder aufstehen. Von dieser uramerikanischen Mentalität handelt Pixars „Die Monster Uni“, der zudem eine wunderbare Geschichte von Freundschaft und Miteinander erzählt. Mikes’ Ehrgeiz steht dabei stellvertretend für den amerikanischen Traum und für das, was den globalen Siegeszug des Kapitalismus erklärt. Der Mensch sehnt sich nach Anerkennung, nach einer sinnstiftenden Aufgabe und sozialem Aufstieg. Verpackt wurde diese Botschaft in ein kunterbuntes Animationsabenteuer, aus dem kleine wie große Kinobesucher etwas mitnehmen werden. Für das jüngere Publikum bauten Pixars Autoren und Grafikkünstler nicht nur den Niedlichkeitsfaktor deutlich aus, vieles, was Mike in Schule wie College erlebt, dürfte sich mit ihrer eigenen Erlebniswelt überschneiden. Die Erwachsenen werden wiederum mit popkulturellen Querbezügen und durchaus subversiven Pointen bei Laune gehalten.

Dazu persifliert und parodiert „Die Monster Uni“ auf liebevolle Art den Mikrokosmos eines amerikanischen Colleges. Von den besonderen Ritualen des Campus-Lebens, über den seltsamen Wettstreit der Studentenverbindungen bis hin zum mitunter schwierigen Verhältnis zwischen Dozenten und Studierenden lässt der Film praktisch keinen Aspekt des Unialltags aus. Und natürlich schwingt dabei stets auch eine stille Bewunderung und Verehrung für die Werke John Hughes mit, was Pixars ganz und gar familientaugliche Monsterparty am Ende nur noch sympathischer macht. Die Handlung selbst bleibt übersichtlich und steuert ganz nach den Regeln eines Prequels auf den Vorgänger zu. Aber selbst ohne dessen Kenntnis funktioniert der Film als eigenständige Pixar-Arbeit, weil er sich nicht allein auf die Beliebtheit seiner Figuren verlässt.

Und obwohl die Schmiede als Teil der Disney-Maschinerie natürlich auch wirtschaftlichen Zwängen unterliegt, hat man anders als beim missglückten „Cars 2“ nie den Eindruck, hier würde aus reinem Vermarktungskalkül ein bekanntes Szenario ein zweites Mal aufgeführt. Schon die Prequel-Idee verschaffte dem Autoren-Team um den bereits für „Die Monster AG“ verantwortlichen Robert L. Baird eine neue kreative Spielwiese, auf der es die beliebten Charaktere platzierte. Dazu kommt eine Vielzahl neuer Weggefährten für Sulley und Mike, die wie ihre Monsterkollegen von der Studentenverbindung „Oozma Kappa“ selbst die Helden eines neuen Animationsabenteuers sein könnten. Abgerundet wird auch dieser Pixar-Spaß von einem melancholischen, überaus originellen Kurzfilm über eine sich anbahnende Romanze zwischen einem blauen und roten Regenschirm (!). In der Pixar-Welt ist eben alles möglich und kein Gedanke undenkbar.

Marcus Wessel