Dreamer – Ein Traum wird wahr

Seit 1998 warten unzählige Kinogänger sehnsüchtig auf einen neuen „Pferdeflüsterer.“  Mit seinem Galopperdrama „Dreamer“ bemüht sich Regiedebütant John Gatins, die lange Wartezeit zu beenden. Dabei setzt er in erster Linie auf Rührseligkeiten und die Kulleraugen einer Dakota Fanning.

Webseite: www.dreamer.kinowelt.de

Dreamer: Inspired by a True Story
USA 2005
Regie: John Gatins
Drehbuch: John Gatins
Darsteller: Kurt Russell, Dakota Fanning, Kris Kristofferson, Elisabeth Shue
Filmverleih: Kinowelt
Länge: 104 Minuten
FSK: ab 6
Kinostart: 23.03.2006

PRESSESTIMMEN:

FILMKRITIK:

Wer sich in der amerikanischen Kinolandschaft auskennt, der weiß, dass der Name Dakota seit 2001 mehr ist, als ein zweigeteilter Bundesstaat im hohen Norden der USA. In dem Drama „Ich bin Sam“ führte die damals sechsjährige Dakota Fanning ihren Kollegen Sean Penn derart souverän durchs Leben, dass sie als jüngste Schauspielerin aller Zeiten für den renommierten Screen Actors Guild Award nominiert wurde.

Seither ist Dakota immer dann gefragt, wenn es darum geht, liebenswerte und dabei etwas altkluge Mädchenrollen zu besetzten. In „Mann unter Feuer“, „Hide and Seek“ und „Krieg der Welten“ war sie zuletzt zu sehen. Wobei sie an der Seite so namhafter Darsteller wie Denzel Washington, Robert De Niro oder Tom Cruise agieren durfte. In „Dreamer“ hat sich Dakota Fanning mit Kurt Russell den nächsten Hollywoodstar geschnappt, um ihn mit ihren riesigen Kulleraugen an die Wand zu spielen. Das wäre ihr auch beinahe wieder gelungen, wenn die honigsüße Geschichte nicht alles andere überdecken würde.

Ihre Liebe zu Pferden wurde Cale Crane (Dakota Fanning) quasi in die Wiege gelegt. Immerhin waren ihr Vater Ben (Kurt Russell) und Großvater Pop (Kris Kristofferson) einst erfolgreiche Züchter. Doch dann mussten sie ihr Gestüt verkaufen. Seither hat der Hof kein einziges Pferd mehr gesehen. Ben arbeitet inzwischen nur noch als Trainer für den selbstgefälligen Stallbesitzer Palmer (David Morse).
Als sich bei einem wichtigen Rennen dessen talentierteste Stute Sonya einen Vorderlauf bricht, soll Ben das Tier umgehend einschläfern. Er weigert sich, wird von Palmer daraufhin fristlos entlassen und erhält statt einer saftigen Abfindung nur etwas Handgeld und das verletzte Tier. Das füllt zwar nicht den Kühlschrank, aber immerhin haben die Cranes endlich wieder ein Pferd im Stall. In akribischer Pflege wird Sonya von Ben und Cale aufgepäppelt und zurück auf die Rennbahn gebracht.

Die Rolle der emsigen Pferdenärrin Cale ist Dakota Fanning wie auf den Leib geschneidert. Erneut darf die inzwischen 11-Jährige in ihrem Part beweisen, dass sie mit kindlichem Charme und kindlichen Träumen den Erwachsenen haushoch überlegen ist. Im Grunde ist sie es allein, die dem todgeweihten Pferd eine letzte Chance gibt. Mit Eis am Stil und Sahnekuchen bringt sie Sonya zurück ins Geschäft. Ihr Filmvater, Kurt Russell als kerniger Pferdeflüsterer, kann über soviel Hingabe nur staunen.

Soweit ist „Dreamer“ eine hinreißend sentimentale Geschichte für alle jungen Pferdefreunde. Herausragend ist dabei die dramatische Szene, in der sich Sonya in vollem Galopp den Vorderlauf bricht und krachend in den Staub der Rennbahn knallt. Doch Gatins’ Drama überspannt ab der zweiten Filmhälfte zusehends den schnulzigen Bogen. Sonya bestreitet nicht nur ein neues Rennen, sie startet gleich im Finale des wichtigsten Klassikers der USA! Als Stute, mit gebrochenem Huf, trainiert von einem elfjährigen Mädchen! Das sind gleich drei Wunder auf einmal. „Inspiriert durch eine wahre Geschichte“ heißt es deshalb vorsichtshalber im Vorspann. Das bedeutet zwar nichts anderes als: Alles frei erfunden, hört sich aber wesentlich seriöser an.

Dakota Fanning kann das egal sein. Ob der Film erfolgreich wird oder nicht, sie bleibt dick im Geschäft. Die nächsten vier Filme mit ihr befinden sich bereits in Produktion. Ihre Kulleraugen sind weiterhin gefragt. Zusammen mit Kurt Russell kommt sie in „Dreamer“ allerdings nicht an den „Original-Pferdeflüsterer“ Robert Redford und dessen damalige Mitstreiterin Scarlett Johansson heran.

Oliver Zimmermann