„Drei Kameradinnen“ ist ein Milieufilm, ohne eine Milieufilm zu sein. Klingt merkwürdig? Ist aber so, denn die Verfilmung des Romans von Shida Bazyar ist ein Film, der mit Wahrnehmung spielt, mehr aber noch damit, was wahr ist und was auf Vorurteilen fußt. Der Film hat mehr als nur einen doppelten Boden, und den reißt er dem Publikum auch gern unter den Füßen davon.
Über den Film
Originaltitel
Drei Kameradinnen
Deutscher Titel
Drei Kameradinnen
Produktionsland
DEU
Filmdauer
93 min
Produktionsjahr
2026
Produzent
Sophia Aldenhoven, Uli Aselmann
Regisseur
Milena Aboyan
Verleih
DCM Film Distribution GmbH
Starttermin
05.11.2026
„Es gibt also keine Chronologie in ihren Geschichten“, sagt die Journalistin, die Kasih interviewt. „Ein Kreislauf hat keine Chronologie“, antwortet Kasih, die dieses Interview macht, weil sie über ihre Freundin Saya reden möchte. Saya wird beschuldigt, aus islamistischen Gründen ein Haus angezündet zu haben. Die Meinung der Öffentlichkeit steht fest, aber Kasih versucht, sie zu korrigieren.
Das ist nur ein Story-Element von „Drei Kameradinnen“, denn der Film zwingt die Mehrheitsgesellschaft, einen Blick auf die Minderheiten zu werfen und sich mit den eigenen Vorurteilen auseinanderzusetzen. Hier gibt es verschiedene Versionen – eine märchenhafte Geschichte, eine klischeehafte, wenn es darum geht, wie Kasih in Deutschland aufgewachsen ist. Aber welche ist wahr? Ist es überhaupt eine? Immer wieder bricht Regisseurin Milena Aboyan, die auch das Skript verfasst hat, mit dem, was man bei einer Geschichte wie dieser vielleicht erwarten würde. Das gilt sowohl formal als auch narrativ.
Aboyan präsentiert einen Film, der ohne Furor auskommt, aber dafür das Publikum nahe an die Figuren heranzieht. Er erlaubt damit, eine andere Perspektive zu sehen, aber vor allem auch zu spüren, etwa dann, wenn man sieht, wie systemischer Rassismus funktioniert und wie er wirkt, während dann von einem Einheimischen erklärt wird, Rassismus gäbe es nicht mehr, weil es Rassen-Ideologie nicht mehr gibt; und nicht nur das: Was die Figuren erleben, ist rein subjektiv, davon lässt sich nicht auf das große Ganze schließen. Das sind die Momente, die unangenehm wirken mögen, weil sie zwingen, die eigene Wahrnehmung zu hinterfragen. Dabei ist der Film nicht anklagend und schon gar nicht wütend, er erzählt vielmehr direkt und unverblümt, weil er drei Protagonistinnen im Fokus hat, deren Probleme sich nachvollziehen lassen.
„Drei Kameradinnen“ ist letzten Endes das größte Plädoyer für eine Gesellschaft, die nicht homogen ist, sondern Einflüsse von außen erlebt, denn einen Film wie diesen hätte es nicht gegeben, wenn es nicht Einwanderer geben würde, die ihre Geschichten erzählen.
Peter Osteried







