Ein hübsch gezeichnetes Dschungelabenteuer für kleine Kinofans, das seine Geschichte mit viel Farbe, Herz, Fantasie und einem sympathischen Sinn für kindliche Selbstbehauptung erzählt.
Regisseur Edmunds Jansons setzt weniger auf großes Effektspektakel als auf eine geradlinige Mischung aus Spannung, Humor und Gefühl. Aber auch die liebevoll gestaltete Tier- und Pflanzenwelt macht den Film sehenswert.
Über den Film
Originaltitel
Chocó And The Magic Jungle
Deutscher Titel
Der magische Dschungel
Produktionsland
POL,LVA,CZE
Filmdauer
71 min
Produktionsjahr
2026
Regisseur
Edmunds Jansons
Verleih
Luftkind Filmverleih GmbH
Starttermin
15.04.2027
Ende der 1950er-Jahre verbringt die neunjährige Elizabeth ihre Ferien mit ihrer Familie im venezolanischen Regenwald. Begeistert ist sie davon nicht: Viel lieber wäre sie bei ihren neuen Freunden in der Stadt, und auf ihren ziemlich nervigen dreijährigen Bruder Leo möchte sie schon gar nicht aufpassen. Er lässt sich immer wieder was Neues einfallen, um für Chaos zu sorgen. Als die Eltern kurzfristig wegmüssen, vertieft sich Elizabeth in ein Buch – und bemerkt dadurch zu spät, dass ihr kleiner Bruder verschwunden ist. Sie macht sich auf die Suche nach Leo und gerät dabei immer tiefer in den Dschungel. Dort begegnet sie einem geheimnisvollen pelzigen Wesen, das sie Fluffy nennt. Es braucht Hilfe, denn eine Bande von Wilderern, die schon viele Tiere gefangen und eingesperrt haben, ist ihm auf der Spur. Die Bösewichte müssen natürlich erstmal ausgeschaltet werden, und dann soll Fluffy endlich zurück nach Hause zu seiner Familie auf den Gipfel des geheimnisvollen Tafelbergs.
Die Geschichte ist lose von der Familie des lettischen Forschers Aleksandrs Laime inspiriert, der in Venezuela lebte. Jansons interessiert daran vor allem die Perspektive der Kinder. Elizabeth ist keine furchtlose, forsche Heldin, sondern zu Beginn ein ziemlich zurückhaltendes Mädchen, das lieber liest, als sich auf fremde Leute oder eine fremde Umgebung einzulassen. Erst dadurch, dass sie Verantwortung übernehmen muss, entdeckt sie ihren Mut. Und das Verhältnis der Geschwister untereinander entwickelt sich ohne pädagogischen Zeigefinger zu familiärer Zuneigung: Aus der lästigen Pflicht, auf Leo aufzupassen (was im Übrigen dringend nötig ist!), wächst echte Fürsorge.
Besonders reizvoll ist die aufwendige Gestaltung der lettisch-polnisch-tschechischen Koproduktion. Der Film verbindet die klassische Cut-out-Technik, auch bekannt als Legetrick oder Stop Motion-Technik mit 2D-Computeranimation und entwickelt daraus einen eigenen, originellen Stil, einen sofort wiedererkennbaren Look. Figuren und Landschaften wirken bewusst grafisch und erinnern an Bilderbücher, die üppige Vegetation besteht aus klaren Formen in leuchtenden Farben. Dazu passt auch der schneeweiße Fluffy mit den schönen blauen Schlappohren, der als magisches Fantasiewesen genau die richtige Portion Niedlichkeit mitbringt.
Der Dschungel erscheint hier nicht als möglichst naturgetreu kopierte Kulisse, sondern als geheimnisvoller, manchmal beinahe märchenhafter Raum, wo hinter jedem Blatt etwas Neues warten kann. Das kann auch durchaus spannend werden, wenn plötzlich eine fiese Riesenschlange im Fluss auftaucht. Die Geschwister nebst Fluffy brauchen dann dringend Unterstützung, und da ist es sehr hilfreich, dass ihnen der kleine indigene Junge Nev zu Hilfe eilt, der sich nach ersten Plänkeleien ganz ohne Worte mit Leo versteht.
Jansons erzählt konsequent aus kindlicher Sicht und hält dabei die Spannung in einem Rahmen, der auch schon für kleine Kinder angemessen ist. Neben den Themen Mut und Geschwisterliebe geht es um Neugier, Verantwortung, um den respektvollen Blick auf andere Kulturen, ums allgemeine Miteinander und um die Natur mit all ihren großen und kleinen Wundern – einschließlich eines ganzen Schwarms von fliegenden schneeweißen Fellnasen mit bunten Schlappohren, die aussehen wie eine Mischung aus Dackel, Drache und Pelzkaulquappe. Das ist alles sehr hübsch und einfallsreich, und so entsteht schließlich aus der kleinen Geschichte von der großen Schwester und ihrem Brüderchen ein freundlich lustiger Rundumschlag in Sachen Kinder- und Familienthemen mit einer sympathischen Heldin, die immer mehr über sich hinauswächst und schließlich sogar einen gewissen Sinn fürs Praktische entwickelt.
Gaby Sikorski







