drei Räuber, Die

Die Zeichentrickverfilmung von Tomy Ungerers Bilderbuchklassiker ist eine fantasievolle Erzählung über ein kleines Mädchen, vermeintliche Schurken, tapfere Waisenkinder und einen Bösewicht, der in einem kafkaesken Schloss für Unheil sorgt. Ein kurzweiliger und märchenhafter Film mit den Stimmen von Joachim Król, Bela B. Felsenheimer, Charly Hübner und Katharina Thalbach.  

Webseite: www.dreiraeuber-derfilm.de

Deutschland 2007
Regie: Hayo Freitag
Buchvorlage: Tomi Ungerer
Sprecher: Katharina Thalbach, Joachim Król, Bela B. Felsenheimer, Charly Hübner
75 Minuten
Verleih: X-Verleih
Kinostart: 18.10.2007

PRESSESTIMMEN:

Ein liebevoll erzähltes Märchen. Selten wurde eine Räubergeschichte so charmant und amüsant erzählt.
Der Spiegel

FILMKRITIK:

Der 76-jährige Tomy Ungerer hat in seinem Leben bislang 40.000 Zeichnungen zu Papier gebracht und über 140 Kinderbücher veröffentlicht. Er illustrierte Filmplakate für Stanley Kubrick, entwarf Architekturpläne und schuf Karikaturen und Cartoons für die New York Times. In aller Munde sind vorrangig seine Bilderbücher für Kinder, in denen er stets einfühlsam und liebenswürdig Partei für die Rechte der Jungen und Mädchen auf Eigenständigkeit, Neugierde und Selbstverwirklichung ergriff. Zu den bekanntesten Werken gehören unter anderem „Sechs kleine Schweine“, „Der Mondmann“ und „Der Zauberlehrling“ – seine jetzt von Hayo Freitag („Käpt’n Blaubär) verfilmte Geschichte „Die drei Räuber“ erschien 1963 zum ersten Mal. Darin geht es um das kleine Mädchen Tiffany, das nach dem Tod seiner Eltern in ein trostloses Waisenhaus abgeschoben werden soll. Unterwegs wird die Kutsche allerdings von den unheimlich vollbärtigen drei Räubern überfallen, die im Wald leben und vorrangig erbeutetes Gold anhäufen – wofür, wissen sie eigentlich auch nicht so genau. Tiffany wittert ihre Chance dem Waisenhaus zu entgehen und Tatsache, die drei vermeintlichen Schurken erweisen sich schon bald als liebenswerte Kerle, die sich über die Gesellschaft des kleinen Mädchens in ihrer Höhle freuen. Ihr dunkles und unwirsches Zuhause wird von Tiffany in eine bunte und gemütliche Wohngrube verwandelt.

Mit üblichen Wohlfühlgeschichten für Kinder hat Hayo Freitags Verfilmung nur wenig zu tun, auch wenn sich Eltern ruhig mit ihren Kleinen ins Kino trauen sollten. Der Gegensatz zwischen dem fantasievoll gestalteten Wald – der von den drei Räubern bewohnt wird und in ein Potpurri von floureszierenden Farben getaucht ist – und dem unheimlichen Waisenhaus, wo die Kinder in Knechtschaft gehalten werden und täglich zur Zuckerrübenernte gezwungen werden, dürfte den jüngeren Kinobesuchern die flaumigen Nackenhaare zu Berge stehen lassen. Hier haben die Bilder ihre kafkaesken Momente, wo Maschinen zur Obstverarbeitung aussehen wie kleine Monster und das Waisenhaus einem Spukschloss gleicht, während aus dem Schornstein dunkler Rauch aufsteigt, der sich unmittelbar vom Himmel in blutähnlichen Tropfen wieder abregnet. Die wunderliche Tante – jene diktatorische Aufseherin im Waisenhaus – missbraucht die Kinder für die heimliche Herstellung feinster Torten und Süßigkeiten, welche allerdings komplett in ihrem Besitz bleiben. Klare Sache: Tiffany und die drei Räuber müssen die Sklaven aus ihrer Knechtschaft befreien.

Tomy Ungerers Erzählung ist eine liebevoll umgesetzte Parabel über menschliche Tücken, die ständig zwischen Gut und Böse pendeln. Wie in vielen Kindererzählungen liegt auch hier das Augenmerk auf Mut, Willenstärke und Zusammenhalt, die Kinder brauchen, um ihre Fantasie auszuleben, um so Schicksalsschläge zu verarbeiten und ein glückliches Leben führen zu können. Die vermeintlich Bösen – die drei Räuber – haben in Wahrheit ein gutes Herz. Ein schöner Aufruf für Kinder, im Dunklen auch nach ein klein wenig Helligkeit zu suchen.

David Siems     

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Tomi Ungerer, Elsässer, 1931 geboren, ist einer der berühmtesten Zeichner unserer Zeit. Jahrzehnte ist es schon her, dass er das Kinderbuch „Die drei Räuber“ veröffentlichte, jetzt ist ein Film daraus geworden. Das Original hat einen verhältnismäßig kleinen Umfang, also musste es für einen 75-Minuten-Animationsfilm aufgemotzt werden. Ungerer selbst hat dabei mitgewirkt und sich nach Abschluss der Dreharbeiten sehr positiv geäußert. „Er sagte uns, dass es für ihn so wäre, als hätte er den Film selbst gemacht.“

Tiffany ist Waise geworden. Sie verabschiedet sich am Grab von ihren Eltern. Jetzt ist sie, mit der Kutsche durch den tiefen Wald fahrend, auf dem Weg ins Waisenhaus. In diesem Wald treiben auch die drei Räuber Malente, Flinn und Donnerjakob ihr Unwesen. Sie sind auf der Suche nach Gold und überfallen Tiffanys Kutsche.

Gold finden sie keines. Sie nehmen das Mädchen aber mit in ihre Höhle, und zwar deshalb, weil Tiffany darin blitzschnell eine Chance sieht, nicht ins Waisenhaus zu müssen, wo unter der Fuchtel einer grimmigen Alten die Kinder schwer arbeiten müssen. Tiffany flunkert den Räubern nämlich vor, ihr Vater sei ein reicher indischer Maharadscha, bei dem Gold zu holen sei.

Allmählich macht die Kleine es sich in der Höhle gemütlich, und da neben einer gefüllten Schatzkammer zur Beute auch ein großes Klavier gehört, gibt es sogar schöne „Räubermusik“.

Wegen eines Fahndungsplakates wird den Räubern klar, dass Tiffany überhaupt nicht die Tochter eines Maharadschas ist, sondern ein entflohenes Waisenkind. Das Mädchen haut deshalb ab und tut sich mit Gregory und Nikolas zusammen, die aus dem Waisenhaus geflohen sind. An der bösen Tante nehmen zuerst die drei Rache, später auch die übrigen Kinder. Die drei Räuber sind auch bald zur Stelle. Und wer meint, sie seien Tiffany gram, der täuscht sich.

Das Leben der bösen Räuber wird durch ein kleines, unschuldiges, emsiges Wesen auf den Kopf gestellt. Die Moral von der Geschicht’? „Das Böse kann etwas vom Guten lernen und das Gute das Böse verstehen lernen“, sagt Tomi Ungerer.

Die Geschichte ist simpel, die Zeichnungen, die tieffarbigen Bilder, die Stimmungen, die Animationsarbeit aber wunderschön. Dem graphischen, narrativen und moralischen Anliegen des Künstlers scheint man damit gerecht geworden zu sein. Für kleine und große Kinder.

Thomas Engel