Drei Stunden

Eine romantische Komödie aus Deutschland, können die denn das? Auch wenn das Drehbuch zuweilen ein paar Umdrehungen zu viel hat, ist die märchenhaft-romantische Liebesgeschichte mit hollywoodverdächtigem Ende eine unterhaltsame, sommerlich leichte Komödie über die stetig anwachsende Bevölkerungsgruppe der Großstadtsingles, die die Jahre zwischen 20 und 40 damit zubringen, herauszubekommen, was sie eigentlich wollen, bis der Zug für die eine oder andere Option endgültig abgefahren ist. Hier sind sie um die Dreißig, haben noch fast alle Möglichkeiten offen und genau das scheint das Problem zu sein, weswegen sie nicht das Gefühl haben, sich entscheiden zu müssen, schon gar nicht in der Liebe. Der junge Regisseur Boris Kunz und seine beiden Hauptdarsteller Nicholas Reinke und Claudia Eisinger haben über den romantischen Showdown hinaus etwas zu erzählen über ihre Generation, die am Ende vielleicht doch nur der Wunsch nach einer ganz normalen Beziehung verbindet.

Webseite: www.dreistunden-derfilm.de

Deutschland 2012
Regie und Drehbuch : Boris Kunz
Darsteller: Nicholas Reinke, Claudia Eisinger, Peter Nitzschke, Lucy Wirth, Matthias Brenner
Filmlänge: 100 Minuten
Verleih: NFP
Start: 25. Juli 2013

PRESSESTIMMEN:

"Eine deutsche Beziehungskomödie mit frischen Gesichtern, witzigen Dialogen, ohne hohle Figuren, Formatradio-Gedudel und Werbefilm-Optik. …Eine hübsche kleine Sommerüberraschung."
Stern

"…mit pointierten Dialogen, die ebenso spritzig wie lebensnah geschrieben wurden."
KinoKino, BR 

FILMKRITIK:

Eine romantische Komödie aus Deutschland, können die denn das? Auch wenn das Drehbuch zuweilen ein paar Umdrehungen zu viel hat, ist die märchenhaft-romantische Liebesgeschichte mit hollywoodverdächtigem Ende eine unterhaltsame, sommerlich – leichte Komödie über die stetig anwachsende Bevölkerungsgruppe der Großstadtsingles, die die Jahre zwischen 20 und 40 damit zubringen, herauszubekommen, was sie eigentlich wollen, bis der Zug für die eine oder andere Option endgültig abgefahren ist. In dieser Geschichte sind sie um die Dreißig, haben noch fast alle Möglichkeiten offen vom Weltretten über das Heiraten und Kinderkriegen bis zum spießigen Versicherungsvertreterjob. Genau das scheint das Problem zu sein, weswegen sie nicht das Gefühl haben, sich entscheiden zu müssen, schon gar nicht in der Liebe.

Die erste Szene beginnt wenig überraschend mit einer Begegnung zweier ungleicher Helden. Sie ist Umweltaktivistin, kämpft per Unterschriftensammlung gegen genmanipulierte Nahrungsmittel und tut dies ausgerechnet vor der Nobelkneipe, in der er, der erfolglose, weil immer nur träumende Jungautor, jobt. Dennoch funkt es zwischen ihnen, aber nicht so richtig. Zumindest endet ihr erster Schlagabtausch mit einer pfiffigen Pointe.

Dieses „nicht so richtig“ hält sich dann noch etwa vier Jahre, in denen Isabel und Martin immerhin beste Freude werden. Während sie für eine bessere Welt ständig um diese reist und versucht, als Mitarbeiterin verschiedener Hilfsorganisationen den Ausverkauf der ärmsten Länder für unseren Reichtum zu verhindern, träumt er in Form eines Theatermärchens, in welchem er einen Kämpfer und eine Prinzessin losschickt, die schreckliche Welt zu verändern. Die Drehbuchkonstruktion, dass dieses Märchenpaar natürlich ausgesprochen viel Ähnlichkeit mit den beiden Noch-nicht-Liebenden in der Wirklichkeit hat, erweist sich als so naiv, dass man sich zuweilen in der Welt pubertärer Videospiele wiederzufinden glaubt. Dass das Theaterstück dann auch noch vom inzwischen gemeinsamen Freundeskreis für eine Premiere vorbereitet wird, macht die Sache nicht besser.

Auszuhalten ist das nur durch witzige Situationskomik und eine unbeschwerte Schnitttechnik, die Parallelszenen und Rückblenden in die aktuelle Verfolgungsjagd einbaut, in der die beiden auf der Suche nacheinander immer wieder aneinander vorbeirennen. Denn Isabel muss plötzlich viel eher als geplant eine Reise nach Mali antreten, die drei Jahre dauern soll, was den jungen Mann veranlasst, sich doch noch über seine Gefühle klar zu werden. Als sie sich dann doch noch treffen, weil ihr Flug bis zum nächsten Morgen verschoben wurde, haben sie genau drei Stunden Zeit, um ihre Beziehung zu klären.

Dass die Geschichte trotz dramaturgischer Durchhänger funktioniert, liegt vor allem an den beiden romantisch verstrickten Haupthelden. Mit Nicholas Reinke und Claudia Eisinger hat der junge Regisseur und Drehbuchautor Boris Kunz (es ist sein erster Langfilm) zwei vor der Kamera unverbrauchte Gesichter gecastet, denen man fast alles glaubt, sogar das, was sie sich selbst nicht zu glauben scheinen. Da es sich aber um ein Märchen handelt, ist das kein Problem. Zudem noch ein gut gekleideter Herr namens Gott die Fäden in der Hand hält und mit dem unentschlossenen jungen Mann über vieles, beispielsweise den freien Willen diskutiert. Letztlich hat dieser Herr im hellen Anzug immer noch eine gute Idee im Ärmel, und so wird am Ende – soviel darf hier verraten werden, weil auch niemand daran zweifeln würde – noch alles gut.

Neben einigen originellen Einfällen und dem Bekenntnis zum romantischen Showdown erleben die beiden Hauptfiguren tatsächlich etwas, das sie verändert. Das wird von Nicholas Reinke und Claudia Eisinger sensibel und subtil gespielt, und die Kamera läßt sich Zeit, die Gesichter dabei genau zu durchforsten. In den Momenten, wenn sie nicht wissen, was sie sagen, wie sie sich entscheiden sollen, es dennoch tun, um es gleich wieder in Frage zu stellen, erzählt der Film tatsächlich etwas Wesentliches über diese Generation der Suchenden, der Unsicheren, der oft coolen, selbstbewußten Singles, die sich vielleicht doch nicht so sehr von Mami und Papi unterscheiden in ihrem Wunsch, in einer ganz normalen Beziehung anzukommen.

Wobei Matthias Brenner und Doris Buchrucker als Isabels Eltern noch ein hübsches Kabinettstück liefern eines alt eingespielten Ehepaars, das sich – lächelnd oder schimpfend – immer noch erfolgreich gegen den anderen zu behaupten versteht.

Caren Pfeil