Du hast gesagt, dass du mich liebst

Fernab der schnelllebigen, pseudoglamourösen Filmszene dreht Rudolf Thome oftmals unverstanden von Kritik und Kinopublikum kontinuierlich Filme, die arm an Budget, aber reich an Improvisation und Überraschung sind. Wie kaum ein andere deutscher Regisseur beherrscht Thome die Kunst der Andeutung, der Zwischentöne und der unprätentiösen Bildsprache. Auch in seinem neuesten Werk „Du hast gesagt, dass Du mich liebst“ stellt der Regisseur sein wunderbares Gespür für die Poesie des Augenblicks unter Beweis.

Webseite: www.moana.de/FilmeDeutsch/DDu/DDuIn.html

Deutschland 2005
Buch, Produktion und Regie: Rudolf Thome
Kamera: Ute Freund
Darsteller: Hannelore Elsner, Johannes Herrschmann, Anna de Carlo.
Musik: Katia Tchemberdji
Schnitt: Dörte Völz-Mammarella
Länge: 117 min.
Monafilm-GmbH
Start: 20. April 2006

PRESSESTIMMEN:

Noch immer geht von den Filmen von Rudolf Thome ein unerklärlicher Zauber aus, eine glasklare, gar nicht heimelige Märchenhaftigkeit, die schon mit dem ersten Bild einsetzt…
…es sind Filme, die merkwürdig zeitlos wirken und dann, beim zweiten Hinsehen, sehr schöne und sehr genaue Diagramme unserer Gesellschaft sind.
Süddeutsche Zeitung

FILMKRITIK:

Seit vielen Jahren erzählt Rudolph Thome in seinen Filmen von Menschen aus Berlin, in deren leicht saturierte Existenzen plötzlich die Sehnsucht hereinbricht. Sein neuestes Werk ist ein Liebesfilm mit melancholischen Grundierungen. Mit seiner langsamen Erzählweise nimmt sich "Du hast gesagt, dass Du mich liebst" viel Zeit für die Entwicklung seiner Charaktere: Hannelore Elsner hat nun bereits zum vierten Mal die Hauptrolle in einem Thome-Film übernommen. Sie spielt eine Frau, die vor langer Zeit einmal deutsche Schwimmmeisterin war und jetzt nach neuen Lebensinhalten sucht. Johanna Perl möchte wieder Farbe in ihr Leben bringen, das Verhältnis zu ihrer verstorbenen Mutter klären und ihre Sehnsucht nach Liebe stillen. Man sieht sie auf dem Friedhof spazieren gehen, in der Kirche beten und im Schwimmbad ihre Bahnen ziehen. Diese Banalität des Alltags kommentiert Hannelore Elsner aus dem Off, unterlegt von den Moll-Klängen der Komponistin und Pianistin Katia Tchemberdji. Als Johanna auf eine Kontaktanzeige antwortet, entspinnt sich eine Liebesgeschichte, deren Dialoge und Bilder immer etwas über der Realität zu schwimmen scheinen.

 

So abstrakt und ausgedacht Thomes Geschichten auch erscheinen mögen, mit ihrem dokumentarischen Ansatz vermitteln sie stets ein konkretes Bild der Gegenwart. Denn das Portrait Johanna Perls ist eine Materialsammlung über das krisenhafte Innenleben der aus dem Arbeitsleben Ausgeschiedenen, der Verheiratet-Gewesenen, der Mütter-erwachsener-Töchter und über allgemeine Desorientierung und Beziehungshunger.

Thomes magischer Realismus spielt in den schönsten Szenen des Films souverän mit dem Gegensatz von Distanz und Nähe. Zum Beispiel: Johannes arbeitet am Schreibtisch und tippt einen Roman in die Schreibmaschine, Johanna arbeitet im Garten. Als sie zum geöffneten Fenster geht und ihren Geliebten beim Arbeiten beobachtet, da erfasst der zärtliche Blick des Regisseurs einen Moment totaler Intimität, der so etwas wie ein Glücksversprechen in sich birgt. In einer solchen Poesie des Augenblicks scheint die zarte, aber unmögliche Hoffnung auf, dass alles einmal wiederkehrt, nichts endgültig, verloren, getrennt, entschwunden ist.

Auch andere Szenen dieses Films sind von einer solch zarten Radikalität beseelt. Thome  erzählt eine Geschichte, die man unzumutbar banal finden kann, aber „Du hast gesagt, dass Du mich liebst“ bewahrt in seinen Formen ein utopisches Potential, das hier die Züge eines Märchens trägt: Johanna Perl sucht in ihrem Liebeskummer Trost und Rat in einem Wald, und als die Bäume zu ihr sprechen, kündigt sich ein Happy End an, das sich behutsam von der zuvor erzählten Geschichte abhebt. Wenn das wieder gefundene Liebespaar am Ende des Films in den roten Sonnenuntergang fährt, filmt Kamerafrau Ute Freund diese Szene im Stile eines verwaschenen Super-8-Films. So kommt kein Reklamephoto zustande, und die unprätentiöse Bildsprache lässt den Figuren ihr Geheimnis.

Ralph Winkle

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Eine Frau im Spätherbst ihres Lebens. Da sie weder eine Familie umgibt, noch ein Beruf aktiv fordert, bleibt ihr nicht viel mehr, als über den Tod zu sinnieren. Doch als sie über eine Kontaktanzeige einen Mann kennen lernt, erfährt sie noch einmal das Abenteuer der Liebe. Rudolf Thome hat seinen neuen Film ganz auf seine Hauptdarstellerin Hannelore Elsner zugeschnitten. Leider kann jedoch auch ihre solide Leistung nicht vor den vorhandenen Drehbuchschwächen hinwegtäuschen.

Johanna befindet sich auf dem Abstellgleis des Lebens. Nicht weniger dramatisch empfindet sie ihren sinnleeren Alltag. Einen Alltag, in dem alles was sie einst ausmachte, nunmehr fehlt. Die mehrfache deutsche Meisterin im 200-m Brustschwimmen hat den Berufssport an den Nagel gehängt, ihre Tochter Sophie ist unlängst aus dem Haus und ihr Mann ebenso. Johann ist allein, einsam und ohne rechten Antrieb. Sie hat keine Lust auf gar nichts und fristet ihr Dasein mit nüchterner Gewohnheit. Ihre häufigen Besuche im alten Schwimmbad sowie auf dem Friedhof am Grab ihrer Mutter, sind ein Zeugnis dafür, wie schwer es ihr fällt loszulassen. Lediglich ihre Bücher und ihr aufkeimender – wenn auch verhaltenen – Versuch sich der Kochkunst zuzuwenden, zeigen neue Wege auf.

Johanna ist trotz ihrer Lage nicht vom Selbstzweifel gepackt, sondern erträgt ihr Leben vielmehr mit einer gesunden Portion Ironie. Das ist wohl auch der Grund, warum sie eines Tages so selbstverständlich auf eine Kontaktanzeige reagiert, in der der Verfasser eine „Heilige, Gefährtin und Hure“ sucht. In dem Wissen, all das sein zu können, verabredet sie sich mit dem geheimnisvollen Unbekannten für ein erstes „Date“. Dieses verkörpert sich in Form eines 45-jährigen Schriftstellers namens Johannes. Ein erfolgloser Autor, der durch seine offenherzige Art sofort besticht. Es ist Sympathie auf dem ersten Blick. Und so mündet der erste gemeinsame Tag, in der ersten gemeinsamen Nacht – und das Abenteuer der Liebe beginnt.

Die ganze Welt ist plötzlich wunderbar. Neue Energie und neuer Mut lassen Johanna aufleben. Sie kann wieder genießen und entdeckt darüber hinaus ganz neue Leidenschaften. Sie beginnt zu fotografieren. Und auch Johannes blüht an der Seite seiner „Göttin“ geradezu auf. Von der Muse geküsst und beflügelt, schreibt er an einem neuen Roman. Dabei wird sich noch herausstellen müssen, inwieweit dieser mit dem Leben der beiden zu tun haben wird. Der Buchtitel lautet: „Du hast gesagt, dass du mich liebst“.

Die vierte Zusammenarbeit zwischen dem Drehbuchautoren, Regisseur und Produzenten Rudolf Thome und seiner Hauptdarstellerin und Muse Hannelore Elsner, ist voll und ganz auf die große deutsche Schauspielerin zugeschnitten. Ein Film, der ohne ihre Präsenz seelenlos geblieben wäre. Ein Film, der trotz ihrer Präsenz bemüht bleibt. Doch ist einer Hannelore Elsner hier kein Vorwurf zu machen. In Oskar Roehlers „Die Unberührbare“ oder auch in Oliver Hirschbiegels „Mein letzter Film“ hat sie gezeigt, wie das „Prinzip Elsner“ funktioniert. Ein gutes Drehbuch vorausgesetzt, zählt sie zu den wenigen Darstellern, die einen Film auch im Alleingang stemmen können. Leider lag dieses im Falle von „Du hast gesagt, dass du mich liebst“ nicht vor.

Zu häufig und zu auffällig ist der Filmemacher Thome um tiefgehende Poesie bemüht. Dabei fehlt ihm hier und da die Leichtigkeit, die einer poetischen Erzählung die nötige Glaubwürdigkeit verliehen hätte. So wirken manche Dialogpassagen unnatürlich gekünstelt und andere – insbesondere auch durch das Stilmittel der Erzählstimme aus dem Off – gezwungen bedeutungsschwanger. Hinzu kommen eine gewisse Handlungsarmut, die sich unter anderem an ständig wiederholenden Schauplätzen festmachen lässt, sowie die dem gegenüberstehende Spiellänge von knapp zwei Stunden. Ein Verzicht auf die eher befremdlich wirkende Szene, in der die Figur der Johanna in einen absurden Dialog mit einem Baum tritt, hätte dem Film sicherlich gut getan.

Gary Rohweder