Populärmusik aus Vittula

Eine witzig-warmherzige Ballade aus Schweden über Freundschaft, Beatles-Musik und die Enge der Provinz.
Das Kultbuch von Mikael Niemi wurde von dem Wahlschweden Reza Bagher kongenial fürs Kino aufbereitet. Die anekdotischen Erinnerungen an eine Jugend in der nordschwedischen Provinz vereinen magischen Realismus mit erdigem Humor, Dorfdramen mit Mitsommernachtszauber und erzählen gleichzeitig auch vom universellen Problem des Erwachsenwerdens.

Webseite: www.populaermusik.de

Schweden 2004
R: Reza Bagher
D: Tommy Vallikari, Andreas af Enehjelm, Kati Outinen
Kinostart: 19.1.2006
Länge: 100 Minuten
Verleih: Piffl-Medien

PRESSESTIMMEN:

“Eine Hymne auf die befreiende Kraft der Musik und eine Verbeugung vor der Unverwüstlichkeit der Provinz… Ein wunderbarer Film.”
(ARD Tagesthemen)

"Verschroben, witzig und todtraurig… Eine großartige Komödie!"
(RBB)

"Mit rauem Charme, fantastischen Szenen und rasantem Erzähltempo… Eine hinreißende schwedisch-finnische Ballade."
(Blickpunkt Film)

"Reza Bagher geht die Kinoadaption des erfolgreichen Romans von Mikael Niemi mit wundersamer Leichtigkeit an. Der Realismus ist stets spürbar, und doch scheint alles märchenhaft, grotesk zu sein. Der Film tobt mit einer ungestümen Frechheit über die Leinwand und ist voll mit skurrilen Figuren und grotesken Geschichten."
(AZ München)

"Regisseur Reza Bagher hat ein kleines Meisterwerk geschaffen. Er bringt auf geniale Weise die Elemente einer schrägen Komödie und einer beklemmenden Tragödie unte einen Hut. Das macht 'Populärmusik aus Vittula' zu einem bewegenden Film, den man noch lange in einer Ecke seines Herzens mit sich trägt."
(Brigitte)

"Ein echter Geheimtipp!"
(Stern)

FILMKRITIK:

Die Kleinstadt Pajala ist tiefste schwedische Provinz. Die Menschen im hohen Norden fühlen sich weder Schweden noch Finnland zugehörig. Die Grenzregion schreibt ihre eigenen Gesetze. Hier lernen die Jungs schon früh, was es heißt, ein echter Mann zu sein. Trinkfest, rauflustig und möglichst mundfaul sollte man sein. Elchjäger oder Forstarbeiter kann man werden, alles, bloß kein Knapsu. So nennen die harten Kerle aus dem proletarischen Viertel Vittula verächtlich Schöngeister und Schwächlinge. Wer in Gefahr gerät, ein Knapsu zu werden, der hat in Vittula keine leichte Kindheit. So wie der eigenbrötlerische Junge Niila, dessen brutaler Vater ohnehin immer den Gürtel zückt.

Mit seinem Freund Matti träumt Niila Anfang der 60er Jahre von fernen Ländern, weit weg vom wilden Wodkagürtel, wo die Erwachsenen sich besinnungslos saufen. Die Rock-Musik, die ins ferne Pajala in Form einer Platte Einzug hält, scheint den Schlüssel für die erhoffte Freiheit zu liefern. Erste Gehversuche der beiden werden aber von Niilas Vater im Keim erstickt. Bis eines Tages der merkwürdige Musiklehrer Greger nach Vittula kommt und den halsstarrigen Bewohner mit List und Tücke moderne Musikinstrumente für die Schule abtrotzt. Doch gerade als sich Mattis und Niilas zu etablieren beginnen, kommt es zwischen den beiden Freunden zum Zerwürfnis.

Wie die gleichnamige Romanvorlage von Mikael Niemi legt auch Regisseur Rezha Bagher seine Verfilmung als Reigen tragikomischer Jugenderinnerungen an. Die fallen, der Realität enthoben und durch die Macht der Erinnerung, märchenhaft überhöht, fantastisch und wunderbar grotesk aus. Den Höhepunkt bildet dabei die süffisante Schilderung einer Hochzeit, bei der es nicht nur zu bachialischen Besäufnissen, sondern auch zu rituellen Wettkämpfen zwischen rivalisierenden Gästegruppen, inklusive eines denkwürdigen Saunaduells und einer derben sexuellen Initiation kommt. Die Souveränität mit der Niemi seine Erzählungen einer Jugend in der Provinz mit sinnlich, surrealen Zutaten schmückt, schwindet im Film immer dann, wenn es gilt, für den magischen Realismus der Geschichten Bilder zu finden. Dafür gelingt dem Regisseur eine perfekte Umsetzung des rustikalen Humors. Dabei verschweigt der Film auch nicht die tieftragischen Seiten des provinziellen Miefs. Vor allem die bigotte Moral der Frömmler bekommt ihr Fett weg. Glücksversprechung gibt es jenseits des hochprozentigen Gesöffs in Vittula keine. Weshalb der Film auch folgerichtig mit einem eigentümlichen Happy End im Hochgebirge des Himalajas schließt.

Norbert Raffelsiefen