Easy Money

Im Zuge des anhaltenden Booms nordischer Krimis kommt nun die Verfilmung des Erfolgsromans „Spür die Angst“ in die Kinos. Anhand von drei Figuren aus verschiedenen sozialen Sphären Stockholms erzählt „Easy Money“ von der Gier nach schnellem, nur scheinbar einfachem Geld. Inhaltlich nicht immer originell überzeugt Daniel Espinosas Film vor allem als ansprechend gefilmter, cooler, bisweilen auch übertrieben brutaler Gangster-Thriller.

Webseite: www.senator.de

(Snabba Cash)
Schweden 2010,
Regie: Daniel Espinosa
Buch: Maria Karlsson, nach dem Roman von Jens Lapidus
Darsteller: Joel Kinnaman, Matias Padin, Dragomir Mrsic, Lisa Henni, Jonas Danko, Dejan Sukic
Länge: 124 Minuten
Verleih: Senator/ Central
Kinostart: 15. September 2011

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Johan Westlund, der nur JW genannt wird, ist jung, sieht gut aus, studiert Wirtschaftswissenschaften und hat ein Problem: Seine ärmliche Herkunft. Mit Taxi fahren und dem Schreiben von Hausarbeiten für Kommilitonen verdient er gerade genug, um sich vernünftige Hemden und Sakkos kaufen zu können, mit denen er zumindest in der Öffentlichkeit kaschieren kann, dass er in einer kümmerlichen Studentenbude haust. Doch JW will mehr, will so leben wie seine reichen Bekannten, will ihre Autos fahren, ihre Frauen haben, doch das kostet Geld. Und so denkt er nicht lange darüber nach, als sein Chef ihm eine Taxifahrt anbietet, die offensichtlich etwas heikler ist. JW soll den spanischen Einwanderer Jorge einsammeln, der gerade aus dem Gefängnis geflohen und auf der Flucht ist. Die serbische Fraktion der Stockholmer Unterwelt will ihn tot sehen und schickt Mrado, einen melancholischen Mann fürs Grobe, hinter Jorge her. Mit einigen Tricks schafft es JW, Jorge vor Mrado zu retten, doch fortan werden sich diese drei Figuren immer wieder über den Weg laufen, an deren Ende Tod, Gefängnis und Freiheit stehen wird.

Anhand dieser drei Figuren zeichnet Regisseur Daniel Espinosa ein Portrait der Unterwelt Stockholms, in der rivalisierende Banden um die Macht im Drogenhandel kämpfen und sich mit allen Mitteln bekriegen. Die spanische Fraktion, zu der Jorge und bald auch JW als Mann für die Bankverbindungen gehören, plant Kokain aus Deutschland einzuführen, was die Serben mit aller Macht verhindern wollen. Die Polizei bleibt fast komplett außen vor, angesichts der herrschenden Brutalität (die der Film teilweise allzu drastisch darstellt) lässt sie die Gangster unter sich. Eine sinnvolle Entscheidung, denn durch wechselseitige Täuschungsmanöver, Verrat und Rache, eliminieren sich die Gangster ohnehin größtenteils selbst. Doch der Fokus des Films liegt weniger auf der Funktionsweise der Unterwelt, als auf den Wünschen und Träumen der drei Hauptfiguren. Gegenläufige Entwicklungen machen sie durch, geraten in JWs Fall immer tiefer in kriminelle Bereiche, die ihnen bald über den Kopf wachsen und wollen aus dem Geschäft aussteigen, wie der Serbe Mrado, der eine kleine Tochter hat, die eine friedliche Zukunft verspricht.

Die Charakterisierung dieser Figuren ist nicht immer frei von Klischees, bekannte Motive wie der Aussteiger, der noch einen letzten Deal durchziehen will oder der harte Kerl, der angesichts eines Kindes weich wird, kann „Easy Money“ nicht vermeiden. Doch das lässt sich angesichts der Stärken des Films verschmerzen. Zum einen ist das die kosmopolitische Besetzung, die sich in diversen Sprachen sehr überzeugend durch den Film schlagen, vor allem aber die visuelle Umsetzung, die in rasanten Breitwandbildern eine flirrende Atmosphäre vor allem des Nachtlebens Stockholms vermittelt. Kein Vergleich zu den zahlreichen Fernsehfilmen aus nordischen Ländern, die in den letzten Jahren zu sehen waren, und auch die ja ursprünglich fürs Fernsehen gedrehten Filme der „Milleniums“-Trilogie sehen im Vergleich zu „Easy Money“ sehr konventionell aus. Ein starkes Stück Genre-Kino, packende, mitreißende Unterhaltung.

Michael Meyns

Ein knallharter in Schweden spielender Thriller, der aber nicht der Realität entbehrt. Drei Personen stehen im Vordergrund.

Da ist erst einmal der Student JW. Er sieht ziemlich gut aus und hat als Freundin ein „Mädchen aus gutem Hause“, wie das so schön heißt. Der Haken: JW ist ziemlich arm. Wie soll er da die etwas snobistischen Eltern des Mädchens auch nur einigermaßen beeindrucken?

Dann Jorge. Er bricht aus dem Gefängnis aus. Ein harter Bursche, der nicht umsonst im Knast war. Er weiß zunächst nicht, wo er sich verstecken kann. Doch das wird schon wieder werden, denn in der kriminellen Szene hat er eigentlich immer etwas am Laufen.

Und schließlich Mrado. Er ist der Geldeintreiber von Mafiaboss Radovan. Aber er soll dieses Mal kein Geld eintreiben, sondern Jorge, der vermutlich Geld schuldet. Mrado hat indessen ein Handicap, ein süßes allerdings, nämlich eine fünfjährige Tochter, auf die er aufpassen und die er überall hin mitnehmen muss.

JW passt seine Armut ganz und gar nicht. Da trifft es sich gut, dass er in die Stockholmer Verbrecherszene hineinrutscht, in slawische Gangsterkreise, die tonnenweise Koks ins Land schmuggeln wollen. Natürlich ein Millionengeschäft.

Eines ist sicher: Was hier abgeht ist Kino von der besten Sorte. Vielleicht ist es arg klischeehaft, dass nur Balkanesen als Verbrecher herhalten sollen – vom späteren JW abgesehen -, aber die Milieuschilderung, das Tempo, die bestens verzweigte Handlung, das flott geschriebene Drehbuch, die perfekte Regie, die Kämpfe, der dazugehörige Lärm, das musikalische Gedröhn, das alles ergibt einen erstklassigen, in Skandinavien sehr erfolgreichen Kracher und für Liebhaber des Genres einen Genuss. (Offenbar der erste Teil einer Trilogie.)

Die drei Männer (Joel Kinnaman als JW, Matias Padin Varela als Jorge sowie Dragomir Mrsic als Mrado) spielen ihre Rollen außerordentlich gut. Auch das gehört zum Erfolg des Films – auch wenn es vielleicht darstellerisch nicht allzu schwer ist, den brutalen Gangster zu mimen

Ein hartes Stück Kino. Aber wegen der filmischen Qualität auch für Filmkunsttheater und Programmkinos geeignet.

Thomas Engel