Ein Augenblick Freiheit

Ein Episodenfilm über das Elend von Flüchtlingen aus dem Iran, die in Ankara auf Asylbescheide warten. Drei größere Geschichten verknüpft der in Wien geborene Kurde Arash T. Riahi zu einem berührenden, oft pointierten und subtilen Drama, das nur in wenigen Szenen kitschig und zum Klischee wird. Überzeugende Darsteller – oft Laien – und eine souveräne Bildsprache, machen „Ein Augenblick Freiheit“ zu einem überaus sehenswerten Film.

Webseite: www.filmkinotext.de

Österreich/Frankreich 2008
Regie und Buch: Arash T. Riahi
Darsteller: Navid Akhavan, Pourya Mahyari, Elika Bozorgi, Sina Saba, Payam Madjilessi, Behi Djanati Atai, Kamran Rad
110 Minuten, Format: 1:1,85
Verleih: Film Kino Text
Kinostart: 13. August 2009
 

PRESSESTIMMEN:

Auf meisterhafte Weise geglückt
Cinema

Ein Meisterwerk des iranischen Exilkinos. (…) Ein universelles, aktuelles und zeitlos politisches Filmjuwel.
Kulturnews

Ein Augenblick Freiheit ist ein kraftvoller, berührender Film, der viel Feingefühl und Humor besitzt. Alle Figuren schließt man sofort ins Herz, was nicht zuletzt an den hervorragenden schauspielerischen Leistungen des Ensembles liegt.
outnow.ch

Ein aufwühlender, beeindruckender und mitreißender Film. Melancholisch, traurig, berührend, aber auch fröhlich und voller Hoffnung.
SR

Film des Monats
Jury der Evangelischen Filmarbeit

Ein Film der zutiefst berührt. Ein kraftvoller Film, der Hoffnung atmet und vom ersten Augenblick in den Kinosessel fesselt. Ein absoluter Geheimtipp. Einfühlsam und brandaktuell. – Prädikat besonders wertvoll
Filmbewertungsstelle Wiesbaden

FILMKRITIK:

Mit ängstlichem Blick sitzen Ali und Merdad im Bus, auf ihren Schößen die Kinder Azy und Arman. Sie sind auf dem Weg zur iranisch-türkischen Grenze, illegal natürlich, in ständiger Angst vor Polizeikontrollen. Zur gleichen Zeit begibt sich das Ehepaar Lale und Hassan mit ihrem kleinen Sohn Kian auf die beschwerliche Reise. Mit dem Bus, dann zu Fuß, geht es durch karge, zerklüftete Landschaften, bis sie auf verschlungenen Pfaden endlich die Türkei erreichen. Warum sie den Iran verlassen erfährt man nicht, es geht nicht um das Warum, sondern nur um das Wie einer Flüchtlingsexistenz. Das Ehepaar scheint politische Gründe gehabt zu haben, die beiden Freunde wollen die Kinder zu deren Eltern nach Wien bringen. In Ankara treffen sie auf den Kurden Manu und den alten Mann Abbas. Sie alle hoffen, hier von der UN als politische Flüchtlinge anerkannt zu werden und ein Visum für ein europäisches Land zu erhalten. Jeden Morgen stellen sie sich in die Schlange, stundenlang, nur um sich von einem Beamten erklären lassen zu müssen, dass es noch Wochen, wenn nicht Monate dauern kann.

Von ihren hehren Träumen, der Hoffnung auf ein besseres Leben im goldenen Westen müssen sie sich nach und nach verabschieden, schweren Herzens und oft ohne Erfolg. Manu etwa berichtet am Telefon von vorgeblichem Erfolg, später schickt er Fotos von sich vor einem schönen Haus und einem Mercedes, nicht die seinen, aber das weiß in seinem kurdischen Dorf niemand, und so ist die Saat für die nächste Generation an Flüchtlingen gesät. Solche feinen, subtilen Momente finden sich immer wieder in Arash T. Riahi erstem Spielfilm. Ganz nebenbei stellt der Regisseur sie neben teils komisch-absurde, dann wieder tragisch-berührende Momente, die kaum einen Aspekt eines Flüchtlingsschicksals außer Acht lassen.

Angesichts der episodischen Struktur seiner Erzählung kommt es zwangsläufig auch zu Szenen, die weniger gelungen sind, in denen die Geschichte ins allzu kitschige, melodramatische abgleitet. Meistens jedoch trifft Riahi den richtigen Ton, nimmt sich als Regisseur zurück, zeigt ohne Wertung, aber auch ohne ins Pseudodokumentarische zu geraten. Stattdessen durchzieht eine poetische Note seinen Film, wird die Tragik der Flucht in den Liedern und Erzählungen aus der verlassenen Heimat spürbar. So vielschichtig wie sich die verschiedenen Geschichten entwickelten, enden sie auch. Das manche es schaffen, in den Westen zu gelangen, andere nicht, könnte leicht allzu geometrisch wirken, das Bemühen um große Vielschichtigkeit verraten. Mit seiner zurückgenommenen, souveränen Bildsprache gelingt es Riahi, auch diese letzte Klippe zu umschiffen und zu einem Finale zu finden, in dem selbst der Tod zu einem Sieg gegen die Unterdrückung wird.

Michael Meyns

Im Iran hat seit 30 Jahren u. a. der „Wächterrat“ das Sagen. Das bedeutet, dass die Menschen strengen islamischen Regeln unterworfen sind und dass persönliche geistige und praktische Freiheit sehr relative Begriffe wurden. Viele beugen sich nicht – ziehen es vor zu fliehen. Davon handelt dieser Film.

In beschwerlicher Weise geht der Fluchtweg über das hohe Grenzgebirge in die Türkei. In Ankara angekommen dann „Ein Augenblick Freiheit“.

Ali und Merdad schmuggeln die Kinder Azy und Arman über die Grenze, damit sie endlich ihre Eltern in Österreich wieder sehen.

Auf der Flucht befindet sich auch das Ehepaar Lale und Hassan mit ihrem Buben Kian.

Schließlich unternehmen zwei weitere den rettenden Versuch: der kurdische Lebenskünstler Manu sowie der eher schwerblütige politische Aktivist Abbas.

Zunächst ist es wirklich nur ein Augenblick Freiheit, denn die Aufnahme in ein beliebiges westliches Land, Österreich beispielsweise oder Deutschland, erweist sich als äußerst schwierig.

Es gilt tage- oder wochenlang zu warten, in einer schäbigen Unterkunft auszuharren, vor dem zuständigen UN-Büro Schlange zu stehen, das letzte Geld zu opfern, von Schurken betrogen zu werden, Gefangenschaft und Folter zu riskieren, als Kurde in der Türkei verfolgt zu werden.

In der Familie von Hassan steigen deshalb die Spannungen aufs äußerste. Schließlich holt sich der Mann auch noch eine behördliche Abfuhr. Er meint, ihm bleibe nur noch, sich das Leben zu nehmen. Was wird dann aus Lale und Kian?

Manu ist schlau genug, es zu schaffen. Abbas hat weniger Glück. Und da er Widerständler ist, ist sein Schicksal besiegelt.

Azys und Armans Eltern schließen ihre Kinder glücklich in die Arme.

Ein anrührendes realistisches Drama, das aber auch eine gute Portion Witz enthält, so dass man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll. Die Drehbucharbeit nahm lange Jahre in Anspruch, doch es hat sich gelohnt. Hoffnung und Hindernis, Freude und Enttäuschung, Einfallsreichtum und Tragik wechseln sich mit Kurzweil ab, man ist auf der menschlichen Spannungs- und Gefühlsebene wie vom Unterhaltungswert her gefangen.

Regie, Ambienteschilderung und Darstellerleistung: gutes Niveau.

Thomas Engel