Der Titel mag an „Eine verhängnisvolle Affäre“ erinnern, aber der italienische Film „Eine stürmische Affäre“ ist mehr als das. Sehr viel mehr, weil er die Eindimensionalität der Charaktere des amerikanischen Films nicht imitiert. Vielmehr ist der Debütfilm von Regisseurin Ludovica Rampoldi ein Werk, das gekonnt sehr viele verschiedene Elemente kombinierte.
Über den Film
Originaltitel
Breve storia d’amore
Deutscher Titel
Eine stürmische Affäre
Produktionsland
ITL
Filmdauer
100 min
Produktionsjahr
2025
Regisseur
Rampoldi, Ludovica
Verleih
Busch Media Group GmbH & Co. KG
Starttermin
02.07.2026
Lea ist angetrunken, als sie in einer Bar Rocco kennenlernt. Sie ist eine Autorin, er ein verheirateter Mann, der am Freitagabend Schachboxen betreibt. Weil er nicht nach Hause möchte, wie Lea später nahelegt. Es funkt nicht sofort, aber wenig später landen beide im Bett. Sie beginnen eine Affäre, die nie über das Schlafzimmer hinausgehen soll. Aber dann taucht Lea in Roccos „normalem“ Leben auf und nimmt sogar Therapietermine bei dessen Frau, einer Psychologin, wahr.
Der Film nimmt eher Anleihen bei Hitchcock als bei Adrian Lyne. Es gelingt, die romantische Obsession mit einem leichten Anflug von bitterbösem Humor zu verbinden. Dabei gelingen Szenen, die immer elegant und sexy sind, ohne dass Rampoldi zu viel zeigen müsste. Das gilt auch für die Narrative, denn Lea ist nicht die Art Frau, die Glenn Close in „Eine verhängnisvolle Affäre“ spielt. Denn sie ist nicht die obsessive Stalkerin mit dem Tunnelblick – sie selbst hat auch ein Leben abseits ihrer Affäre. Sogar eine Beziehung, was die Frage aufwirft: Wieso kann sie von Rocco nicht lassen, wieso muss es mehr als eine Affäre werden?
Mit dieser Frage spielt der Film, der auch schöne Metaphern dafür findet, wie Lea sich in Roccos Leben drängt. Bei einem Schäferstündchen bei ihm daheim, lässt sie eine Ameisenfarm fallen. Versehentlich? Wohl eher nicht. Aber Rocco kann sie nicht einhegen, die Ameisen breiten sich in seinem Haus aus, so wie es Lea in seinem Leben macht.
Lea hat eine Obsession, aber sie wird nie als Monster dargestellt. Sie ist dreidimensional, echt, lebendig, ebenso wie Rocco. Das macht den eigentlichen Reiz von „Eine stürmische Affäre“ aus, weil Rampoldi mit großer Authentizität erzählt. Als Zuschauer ist man mittendrin, fühlt sich als Teil des Geschehens und ergreift natürlich Partei. Sehr gelungen ist dabei, dass Rampoldi nur nach und nach mehr über ihre Figuren enthüllt, was die Perspektive immer wieder verändert.
Rampoldi treibt die Geschichte konsequent auf ihr Ende zu, findet hier aber auch die richtige Balance zwischen den Elementen eines Thrillers und denen eines Dramas. Am Ende ist „Eine stürmische Affäre“ beides, aber zugleich auch mehr – der Blick darauf, was passieren kann, wenn die Langeweile in einer Beziehung überhandnimmt.
Peter Osteried







