Eine unbequeme Wahrheit

Vor sechs Jahren wurde er fast der mächtigste Mann der Welt. Ein höchst umstrittenes Wahlergebnis samt Gerichtsurteil, das Nachzählungen untersagte, machten damals George W. Bush zum Sieger. Der Verlierer und bisherige Vize-Präsident Al Gore zog sich aus der aktiven Politik zurück. Er engagierte sich als Umweltaktivist, warnte mit einer famosen Multimedia-Show vor der globalen Erwärmung – genau von dieser Tour erzählt die Dokumentation. Klingt nach öder Öko-Show für Gutmenschen? Nach bekanntem Betroffenheits-Blabla zum Abnicken? Keineswegs: diese Doku wird zu einer furiosen Mischung aus realem Horror-Thriller, Politkrimi und unterhaltsamer Aufklärung – ein charismatischer Kopf wie Gore macht’s möglich. In Sundance gab es dreifach stehende Ovationen. Bei uns könnte dieser wohl wichtigste Film der nächsten fünf Jahre zum Programmkino-Klassiker geraten. Mit massivem Medieninteresse und Publikumssympathie darf gerechnet werden.

Webseite: www.climate-crisis.de

An inconveniant truth
USA 2005
Regie: Davis Guggenheim
Darsteller: Al Gore
Kamera: Davis Guggenheim
95 Minuten
Verleih: UIP
Start:  21.9.2006

Ein INTERVIEW mit Al Gore führte der SPIEGEL Mitte Juli – mehr hier…

…ebenso die "Welt am Sonntag" am 13.6.06 – hier der ganze Wortlaut…

Ein Hintergrundartikel zum Film brachte der SPIEGEL vorab. Danach wird der Dokumentation von namhaften Wissenschaftlern hohe Seriösität bescheinigt. – Hier der ganze Bericht…

PRESSESTIMMEN:


Das Anschauen dieses ebenso spannenden wie lehrreichen und humorvollen Films lohnt auf jeden Fall.
Brigitte

Seit Jahren ist Ex-US-Vizepräsident Al Gore weltweit mit einer fulminanten Dia-Show unterwegs und zeigt, was die globale Erwärmung auf Erden anrichtet, wie tief manch ökologisches Gleichgewicht gestört ist: Wer weiß schon, dass Eisbären ertrinken, weil ihnen das Eis unter den Tatzen wegschmilzt? Ein brisanter und packender Dokumentarfilm, nicht ohne den nötigen Trost einer kleinen Anleitung zum Umdenken.
KulturSPIEGEL

Wissenschaftlich fundierter und stets unterhaltsamer Report über den Menschen als Klimakiller. Ein Film wie Medizin – bitter, aber heilsam.
Cinema

Eine aufrüttelnde Filmdokumentation über die Folgen der globalen Erwärmung…
Die Erregungskurve der Zuschauer verläuft immer nach demselben Muster: Zu Beginn des Films raschelt das Kinopublikum noch mit der Garderobe, wenn die ertrinkenden Eisbären sich vergeblich an schmelzende Schollen klammern, verstummt der Saal in Betroffenheit. Und wenn Al Gore in seinem neunzigminütigen Umweltfilm schließlich vorrechnet, wie viele Hundert Millionen Flüchtlinge sich ins Landesinnere ergießen werden, hält es empfindlichere Gemüter kaum auf ihren Plätzen. (…) Dabei sind die alarmierenden Nachrichten, die der ehemalige amerikanische Vizepräsident in seiner Rettungskampagne ‘Eine unbequeme Wahrheit’ mit dialektischem Geschick zu einem Klimathriller verdichtet, nicht ganz neu: Der unmittelbare und bedrohliche Zusammenhang von Kohlendioxid- und Temperaturanstieg (…) ist längst wissenschaftlicher Konsens. Neu und vor allem so bestürzend (…) ist das Ausmaß der verheerenden Konsequenzen, die Alleindarsteller Al Gore entlang einer lückenlosen Kausalkette für die nähere Zukunft des Planeten ermittelt. (…) Al Gore warnt in seinem 1-Mann-Film argumentativ so bestechend vor einer Katastrophe mit Trinkwasserknappheit und Hurrikans mit bisher unbekannter Zerstörungskraft, dass selbst ein strikt republikanischer Risikokapitalgeber eingestand: ‘Al Gore kan mich nicht überzeugen, wohl aber seine Fakten.’
Focus

So überzeugend und eindringlich war das Theme Klimakatastrophe im Kino noch nie zu sehen!
ZDF Heute Journal

Um die globale Erwärmung geht es in dem Dokumentarfilm von von Davis Guggenheim. …man kann sich schon wundern, wie frisch, witzig und charismatisch Al Gore den Zusammenhang von Energieverbrauch und Erderwärmung erkären kann.
Süddeutsche Zeitung

"An Inconvenient Truth", der in Cannes außerhalb des Wettbewerbs läuft, ist ein Film über die Gefahren der Erderwärmung. Der Hauptdarsteller des Films heißt Al Gore. Eineinhalb Stunden lang erklärt der Politiker, der nur wegen ein paar läppischer fehlender Stimmen aus Florida nicht Präsident der USA geworden ist, wie ungeheuer die Gefahren des Klimawandels sind, was die Wissenschaftler sagen, warum Politiker und Bürger endlich handeln müssen.
Meistens steht Gore auf Vortragspodien herum, manchmal erzählt er von seinem Leben als kleiner Bub oder von den Schicksalsschlägen seines Lebens (dem schlimmen Unfall seines Sohns etwa). Das ist durchaus bewegend. Vor all den Katastrophenbildern und Schautafeln erweist sich Gore als strenger, freundlicher, nur manchmal etwas pathetischer Lehrer.
Der Spiegel

Jeder, der einen Kinofilm für möglich gehalten hätte, der im wesentlichen aus einem Mann auf einer Bühne besteht, der Grafiken auf einer Großleinwand hinter sich erklärt, wäre für verrückt erklärt worden. Doch "An Inconvenient Truth" funktioniert, im wesentlichen, weil sich Gore als eloquenter, humorvoller und leidenschaftlicher herausstellt als das steife Hemd, zu dem er im Wahlkampf zurechtgebügelt worden war. Seine "Wahrheit" ist ein hypernüchterner, aus der Statistik geborener Horrorfilm, weil der Schrecken aus steigenden CO2-Kurven und Hurricane-Häufigkeiten emporsteigt. Schmölze nur die Hälfte der arktischen und antarktischen Eisplatten, prognostiziert Gore, würden nicht nur ein paar Inselchen überschwemmt, sondern große Teile Hollands, Indiens – und Manhattans: das zweite Desaster des World Trade Centers.
Die Welt

FILMKRITIK:

„Was passiert mit einem Frosch, den man in einen Topf mit kochendem Wasser wirft? Er springt sofort heraus! Was passiert mit einem Forsch, den man in einen Topf mit lauwarmem Wasser wirft, das man zum Kochen bringt? Er tut nichts und stirbt!“ – mit solch launigen Bildern beschreibt Al Gore den Zustand einer ökologischen Lethargie, die bald unausweichlich zur Klima-Katastrophe führt.

Der Mann hat auch noch andere Bilder parat. Den Kilimandscharo etwa, früher mit tief verschneitem Gipfel, heute mit einer sehr knappen Schneekuppe. Oder Fotos von rapide schmelzenden Riesen-Gletschern im wohl nicht mehr ganz so ewigen Eis. 

Gore ist kein Agitator, kein aktionistischer Kassadra-Rufer, der mit Öko-Ticket auf Stimmenjagd geht. Er hat sich schon zu seinen College-Zeiten intensiv für Umweltfragen interessiert, engagierte sich danach als Abgeordneter kontinuierlich dafür und veröffentlichte schließlich ein umfangreiches Buch über die Folgen globaler Erwärmung. Gore gilt als ausgewiesener Experte auf diesem Gebiet und er präsentiert komplizierte Sachverhalte mit verblüffender Leichtigkeit.

"Mein Name ist Al Gore – und ich sollte der nächste US-Präsident sein“, beginnt er seinen Vortrag. Das Publikum lacht, „ich finde das nicht besonders lustig“, reagiert er mit souveräner Selbstironie. Seit seiner umstrittenen Wahlniederlage im Jahr 2000 gegen Bush hat sich Gore aus der aktiven Politik zurückgezogen. Der einst eher falblose Vize-Präsident im Schatten von Bill Clinton widmete sich fortan der politischen Aufklärung – und fand hier seine neue Heimat. Wie ein Wanderprediger zog er mit seiner grandios komponierten Multimedia-Show durch die Lande, über 1000 Mal zeichnete er mit seiner „traveling global warming show“ in Schulen, Hotels oder Vortragssälen ein Schreckensszenario der Zukunft: Meeresspiegel steigen, Küstengebiete versinken in Fluten zugleich steigt die Zahl von Hurrikans und Hitzewellen. Zudem droht weltweit ein sprunghafter Anstieg von Krankheiten und Seuchen, ausgelöst durch Insekten, die sich immer stärker vermehren.

Die Analysen von Gore sind wissenschaftlich fundiert und werden auffallend unaufdringlich, dafür mit charismatischem Charme präsentiert. Selbst für einen Comicausschitt von „Futurama“ bleibt hier noch Zeit.

Ausgerechnet Lawrence Bender, der Produzent von Quentin Tarantino, hatte die Idee, diese Ochsentour des Öko-Missionars durch einen Dokumentarfilm einem sehr viel größeren Publikum zugänglich zu machen. Ähnlich pikant der Regisseur, der zuvor Episoden der Kultserie „24“ inszenierte – in der das Weiße Haus bekanntlich stets als skrupelloser Intrigantenstadl präsentiert wird.

Zwischen dem abgefilmten Vortrag gibt es zur Auflockerung immer wieder sehr private Momente des Al Gore. Der Politiker erzählt von Schlüsselerlebnissen, die ihn zu seinem engagierten Umweltaktivisten machten: Bei einem Unfall kam 1989 sein 9jähriger Sohn fast ums Leben. Für Gore der Auslöser, sich Gedanken darüber zu machen, „wie ich meine Zeit auf dieser Welt nutzen soll“. Ein ähnlich prägendes Erlebnis war der frühe Tod seiner Schwester, einer Raucherin, die damals nichts von den Gesundheitsgefahren ahnte und an Lungenkrebs starb.

Auch der Tiefpunkt seiner Karriere, die umstrittene Niederlage bei der Präsidentschaftswahl wird thematisiert. Als Zuschauer kann einem dann schon ein leichter Schauer über den Rücken laufen: Wie würde die Welt wohl aussehen, wäre dieser weise Mann im Jahr 2000 ins Weiße Haus eingezogen.

Dieter Oßwald