Hals der Giraffe, Der

Safy Nebbous Debütfilm erzählt von einem 30 Jahre alten Familiengeheimnis, das nun gelüftet werden muss: Großvater und Enkelin begeben sich dafür auf die Reise von Paris an die Atlantikküste. Ein warmherziges Roadmovie, das, zwischen Komödie und Melodram angesiedelt, voll und ganz begeistert und die Bedeutung der Institution Familie auf den Grund geht.
Publikumspreis Französische Filmtage Dresden 2005

Webseite: www.schwarzweiss-filmverleih.de

Le cou de la girafe
Frankreich/Belgien 2004
Regie und Buch: Safy Nebbou
Darsteller: Sandrine Bonnaire, Louisa Pili, Claude Rich, Darry Cowl, Philippe Leroy
87 Minuten
Verleih: Schwarzweiß
Kinostart: 17. August

PRESSESTIMMEN:

Das melancholische Roadmovie ist eine dieser kleinen, feinen Filme, die sich mühelos ein Plätzchen im Herzen erobern.
Cinema

Ein zärtliches Roadmovie… Eine traurige Geschichte zwar, aber so unbeschwert erzählt, dass sie sich anfühlt wie barfuß laufen auf einer Sommerwiese. Wieder hinreißend: Sandrine Bonnaire.
STERN

Der schönste französische Film des Jahres!
Sächsische Zeitung

… ein charmantes Filmjuwel … eine bewegende Familiengeschichte … die noch lange nach dem Schlusstiteln nachklingt.
Filmecho

Ein kleines Meisterwerk, eine scheinbar zerbrechliche Blume mit starkem Parfüm, entstanden durch ein perfektes Szenario, ein junges Mädchen, frech und intelligent, und zwei Schauspieler auf dem absoluten Gipfel ihres Könnens: Sandrine Bonnaire und Claude Rich. Ein Film, nach dem man sitzen bleibt.
Le Parisien

Ein Film von großer Zärtlichkeit … Dieses zart verwobene Road-Movie von Paris bis in die Spanischen Pyrenäen beruht auf der Stille und dem Nicht-Sagen in einer Familie, geht zu den Ursprüngen von Gemeinsamkeit und Auseinanderdriften zurück. Ein anrührendes, manchmal fast märchenhaftes Meisterwerk über die Zerbrechlichkeit von Gefühlen, voller Kraft und Hoffnung auf Versöhnung.
Bayrischer Rundfunk

FILMKRITIK:

Jede Familie hat ihre Geheimnisse. Und nichts ist spannender, als ein lang und gut gehütetes Geheimnis zu lüften. Die neunjährige Mathilde (Louisa Pili) findet eines Nachts eine Hand voll versteckter und ungeöffneter Briefe in ihrer Bettmatratze, allesamt adressiert an ihren Großvater. Beim heimlichen Lesen macht sie eine erstaunliche Entdeckung: der Absender ist ihre verschollen geglaubte Großmutter, die in Biarritz an der Atlantikküste lebt und in den letzten 30 Jahren vergeblich versucht hat, ihren Ehemann zu kontaktieren. Großvater Paul (Claude Rich), der seinen öden Lebensabend in einem Pariser Altersheim verbringt, ist seiner Enkelin eine Erklärung schuldig. Großmutter wäre damals mit einem anderen Mann durchgebrannt – sein gebrochenes Herz hat ihn nicht nur dazu veranlasst, den Kontakt abzubrechen, sondern auch die gemeinsame Tochter zu verstecken. Alle Briefe hätte er aufbewahrt, aber nie geöffnet. Von der Vergangenheit überwältigt, machen sich Großvater und Enkelin mitten in der Nacht auf, türmen aus dem Altersheim und fahren gemeinsam nach Biarritz.

Safy Nebbous Regiedebüt ist eine bestechende Familiengeschichte, die er mit den Mitteln eines warmherzigen Roadmovies erzählt. Seine Figuren – Großvater, Mutter, Enkelin – führen zueinander ein unterkühltes Zweckbündnis, das erst durch die gemeinsame Suche nach der verschwundenen Großmutter wieder aufgeheitert wird. Die Reise in die Familienvergangenheit ermöglicht es, Antworten auf die Fragen zu finden, die in der Gegenwart nicht beantwortet werden wollen. Die Zuschauer folgen den Figuren von Paris über Biarritz bis in die schneebedeckten spanischen Pyrenäen. 

Zu jeder Zeit ist es die erst achtjährige Louisa Pili, die dem Film mit ihrer kindlichen Unschuld einen Hauch von Magie verleiht. Ihre Mutter im Film, Sandrine Bonnaire, die in Frankreich seit den Arbeiten mit Jacques Rivette und Claude Chabrol als Ikone des herben Charmes gilt, gerät da fast ein wenig in Vergessenheit. Am Ende sieht man die beiden, wie sie Hand in Hand eine schmale Gasse hinaufspazieren, fast so als wollten sie sagen: Jede Familie, egal welche Geheimnisse und Konflikte sie pflegt, ist zur Versöhnung bereit.

David Siems