Elizabeth – Das goldene Zeitalter

Die englische Königin Elizabeth I. prägte ihr Land wie kaum ein anderes Staatsoberhaupt. Ihre Regentschaft währte über vier Jahrzehnte, in denen die Besiedelung der Neuen Welt und der Krieg gegen das streng katholische Spanien unter Philip II. fielen. Nachdem der gebürtige Pakistani Shekhar Kapur in Elizabeth (1998) den Aufstieg der „jungfräulichen Königin“ in opulenten Bildern ausmalte, beschäftigt er sich in seinem zweiten Film über die Monarchin mit den späten Jahren der Elizabethanischen Regentschaft. Das Ergebnis fällt deutlich actionbetonter, aber nicht minder prachtvoll aus.

Webseite: www.elizabeth-film.de

OT: Elizabeth: The Golden Age
Regie: Shekhar Kapur
Drehbuch: William Nicholson, Michael Hirst
Mit Cate Blanchett, Geoffrey Rush, Clive Owen, Abbie Cornish, Jordi Mollá, Samantha Morton
Laufzeit 114 Minuten
Kinostart: 20.12.2007
Verleih: UPI

PRESSESTIMMEN:

Von exzellenten Darstellern und einer opulenten visuellen Umsetzung getragenes historisches Drama um Spiele auf der Weltbühne der Macht und den Preis, den sie den Akteuren abverlangen. – Sehenswert.
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FILMKRITIK:

Wir schreiben das Jahr 1585. Obwohl Elizabeth I. (Cate Blanchett) seit fast drei Jahrzehnten das Land regiert, lassen ihre Feinde nichts unversucht, um die aus ihrer Sicht verhasste Monarchin vom Thron zu stürzen. Elizabeths engster Berater Sir Francis Walsingham (Geoffrey Rush) setzt auf ein komplexes Spionagesystem, um die Verschwörer zu enttarnen und die Macht der Königin zu festigen. Ihm gelingt es, ein Mordkomplott aufzudecken, in das auch die schottische Königin Maria Stuart (Samantha Morton) verwickelt sein soll. Doch damit nicht genug. Denn die Bedrohung lauert zugleich im weit entfernten Spanien. König Philip II. (Jordi Mollá) versteht sich als Vorreiter eines fundamentalistischen Katholizismus. Mit Verbündeten wie dem Herzog von Parma und Geld aus Rom formiert er eine mächtige Armada, die England besetzen und die protestantische „Ketzerin“ vom Thron stürzen soll.

Bereits diese beiden Handlungsstränge böten ausreichend Stoff für einen jeweils eigenständigen Elizabeth-Film. Kapur ist aber nicht Peter Jackson, der gleich eine ganze Trilogie über ein Thema abdreht, und so kommt es, dass Elizabeth – Das goldene Königreich in der Gesamtschau deutlich oberflächlicher als sein Vorgänger erscheint. 114 Minuten reichen für eine Analyse der internen Macht- und Ränkespiele nicht aus, wenn das Drehbuch gleichzeitig noch die Darstellung der Seeschlacht gegen die spanische Armada und eine verbotene Romanze zwischen Elizabeths Lieblingszofe Bess (Abbie Cornish) und dem wagemutigen Entdecker Walter Raleigh (Clive Owen) vorsieht. Letztlich behandelt der Film vieles wie Elizabeths nicht immer unproblematisches Verhältnis zu Raleigh nur flüchtig.

Sieht man von dieser Schwachstelle einmal ab, so funktioniert Elizabeth – Das goldene Königreich
aber immer noch als bildgewaltiges und verschwenderisch ausgestattetes Historiendrama. Die Palette der detailverliebten Sets reicht von den königlichen Gemächern bis zur wegweisenden Schlacht im Ärmelkanal. Gegenüber dem ersten Elizabeth-Film grenzt sich Das goldene Königreich durch seine stärkere Akzentuierung der Action-Sequenzen ab. Vor allem während der Seeschlacht nutzt Kapur die technischen Möglichkeiten des modernen Blockbuster-Kinos, wobei er seiner eindrucksvollen Bildsprache stets treu bleibt.

Cate Blanchett knüpft an die nahezu perfekte Mimikry aus der ersten Elizabeth-Verfilmung an. Selbst unter zentimeterdicke Schminke geht der aristokratische, divenhafte Charme der Australierin nicht verloren. Blanchett ist mir dieser Rolle als Schauspielerin gewachsen und – das ist alles andere als despektierlich gemeint – auch gealtert. Ihre Ausstrahlung und Präsenz überragt alles. Selbst gestandene Schauspielkollegen wie Clive Owen und Geoffrey Rush fungieren hier bestenfalls als Stichwortgeber.

In einer der letzten Szenen blickt eine glückliche wie erschöpfte Elizabeth dem von brennenden Schiffen rot eingefärbten Horizont entgegen. Es ist eines jener Motive, deren monumentale Kraft auch nach dem Abspann noch lange nachwirkt und die beweisen, dass hinter der Kamera ein Regisseur stand, der wie nur wenige seiner Zunft in großen Bildern denkt.

Marcus Wessel

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England gegen Ende des 16. Jahrhunderts. Elisabeth I., eine Tochter Heinrichs VIII., sitzt seit 30 Jahren auf dem Thron. Die Religionen, die „papistische“ und die ketzerisch-protestantische anglikanische, stehen sich gegenüber. Aus diesem Gegensatz gehen wie schon seit langer Zeit Intrigen und Verrat hervor, die die Königin und den Hof gefährden.

Maria Stuart, erzkatholisch, gefangen gesetzt und Anspruch auf Englands Thron erhebend, fällt ihnen zum Opfer, nicht zuletzt deshalb, weil sie Elisabeth stürzen will und sie, als alles vom königstreuen Sir Francis Walsingham entdeckt wird, einen Hochverratsprozess erdulden muss, der für sie tödlich endet.

Philipp II. von Spanien, katholisch und von frömmstem Gemüte, ist der schärfste politische und religiöse Gegner der Engländer. Das geht so weit, dass nach Jahren der Differenzen die riesige Armada in Bewegung gesetzt wird, die jedoch vor der englischen Küste an der Strategie der gegnerischen Admiralität scheitert. Eine Katastrophe für die Spanier.

Natürlich darf auch die Liebe nicht fehlen: die respektvolle unerfüllte Liebe zwischen dem Amerika-Fahrer Sir Walter Raleigh und der Herrscherin, deren angebliche Keuschheit berühmt wurde, sowie die Liebe der von Elisabeth favorisierten Hofdame Bess Throckmorton zu Raleigh, die ursprünglich von der Königin begünstigt wird, damit Raleigh dem Hof nahe bleibe, die jedoch schließlich zum Entsetzen Elisabeths im Wochenbett endet.

Ein schwelgerisches Bild der elisabethanischen Zeit, pompös, theatralisch, pathetisch. Natürlich ist das, von historischen Grundzügen abgesehen, Kino und nicht Geschichte. Aber was für Kino: zeremoniell, feierlich, in prachtvollen Locations und von reicher Ausstattung. In seiner Art sehenswert. So etwas wie der zweite Teil einer Elisabeth-Trilogie.

Auch zwei tiefer greifende Probleme werden sichtbar: zum einen der große, die Königin bedrückende Zwiespalt zwischen ihrer vom hohen, „gottgesandten“, unantastbaren Amt verlangten distanzierten Haltung und ihren wahren Gefühlen als Frau, zum andern der unheilvolle Konflikt zwischen den Fundamentalisten unterschiedlicher Religionen, der heute noch ebenso brandaktuell ist wie im 16. Jahrhundert.

Die wiederum exzellente Cate Blanchett spielt gnädig die Königin, Clive Owen den sehr männlichen Gegenspieler Sir Raleigh. Ebenso überzeugend Geoffrey Rush als Walsingham, die schöne Abbie Cornish als Bess sowie Samantha Morton als Maria Stuart. Lob auch für die beeindruckende Inszenierung von Shekhar Kapur.

Thomas Engel