Maerzmelodie

Mit „Märzmelodie“ hat Regisseur Martin Walz das neue Genre der „melodischen Liebeskomödie“ kreiert. Immer wenn die Protagonisten von Gefühlen übermannt werden, singen sie Textzeilen deutscher Interpreten. Besser: sie lassen zu ihrer Lippenbewegung die Originalstimmen von Zarah Leander bis Element of Crime singen. So nett die Idee, so gewöhnungsbedürftig ist sie auch. Ebenso wie der überwiegend pessimistische Grundton in der Entwicklung der drei Paarbeziehungen. Immerhin: es gibt ein Happy-End.

Webseite: www.maerzmelodie.de

Deutschland 2007
Regie: Martin Walz
Darsteller: Jan Henrik Stahlberg, Alexandra Neldel, Gode Benedix, Inga Busch, Gedeon Burkhard, Jana Pallaske, Günther Maria Halmer, Veronika Nowag-Jones, Rolf-Peter Kahl
89 Minuten
Verleih: X-Verleih,
Kinostart: 17.1.2008

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Die Grundidee ist simpel. Oft verbindet man mit bestimmten Lebenssituationen eine besondere Musik. Die Protagonisten von „Märzmelodie“ erinnern sich aber nicht nur an gewisse Textzeilen, Regisseur Martin Walz lässt sie auch singen. Manchmal nur für eine Zeile, manchmal gleich eine ganze Strophe. Allerdings nimmt man den Figuren die eingesungenen Passagen als Fortsetzung des normalen Dialogs nicht immer ab, erscheint die Auswahl vielmehr dem Aspekt genügen zu müssen, sich nahtlos in den Kontext der Szene einbinden zu lassen. Den Filmfluss bremst dies gelegentlich. Es gibt aber auch Liedtexte und musikalische Stimmungen, ohne die bestimmte Momente anders als mit Musik nicht besser beschrieben hätten werden können.

Doch zur Geschichte: sowohl Grundschullehrerin Anna (Alexandra Neldel) wie auch der unterbeschäftigte Schauspieler und als Weinverkäufer am Telefon seinen Lebensunterhalt verdienende Thilo (Jan Henrik Stahlberg) sind mit ihrem Leben unzufrieden, haben aber auch das Talent, sich ihnen bietende Chancen zu verscherzen. Es braucht daher mehrere Anläufe durch die gemeinsamen Freunde Valerie (Inga Busch) und Moritz (Gode Benedix), Anna und Thilo miteinander zu verkuppeln. Bis zum Happy-End sind daher einige Prüfungen zu bestehen, Erklärungen notwendig und vor allem Einsicht in Veränderung gefragt. Dies gilt auch für ein weiteres, mehr die Aspekte Leidenschaft und Loyalität verkörperndes Paar (Jana Pallaske und Gedeon Burkhardt), die ebenfalls Höhen und Tiefen erleben.

Die Wahl des Filmtitels „Märzmelodie“ lässt sofort an Frühlingsgefühle denken. Viel zu lange allerdings verharrt die im Frühjahr in Berlin an sattsam bekannten Drehorten spielende Geschichte in einem eher pessimistischen Grundton. Die Leichtigkeit des Frühlings geht so jedoch flöten. Mag das Poster von Wolfgang Beckers Film „Das Leben ist eine Baustelle“ in Thilos Wohnung noch stellvertretender Ausdruck seiner privaten wie beruflichen Situation sein, so helfen Ratschläge wie „Es gibt immer noch Selbstmord“ bestimmt nicht aus der Misere. Witzig ist das schon gar nicht. Dass sowohl Thilo wie Anna zudem noch mit gedanklichen Black-Outs hadern, nutzt Walz zwar wiederholt dafür, positive Gefühle beim Einen durch unerklärliches Verhalten des Anderen zu zerstören, erklärt diese Aussetzer aber lediglich als „Löcher in der Erinnerung an das Vergessen oder Verdrängen von Erlebtem“. Die so entstandene Lücke füllt er nun durch eine Liedzeile.

Was „Märzmelodie“ in seinen typischen Liebes- und Paarentwürfen sehr schön zeigt, ist die Unfähigkeit, Schwächen an sich oder auch beim anderen zu akzeptieren und bereit zu sein für Veränderungen. In diesem Sinne erfordert es auch von Kinogast eine Bereitschaft, sich auf das Spiel mit dem Liedzitat einzulassen. Eben weil im gesprochenen Dialog niemand plötzlich Zeilen wie „Halt Dich an Deiner Liebe fest“ (Ton Steine Scherben), „Ich liebe Dich und kenn Dich nicht“ (Willy Fritsch) oder „Bis ans Ende der Welt“ (Udo Lindenberg) singen würde, kommen sie einem zunächst fremd und künstlich vor. Unter sportlichen Gesichtspunkten könnte man sich den Film auch anschauen und versuchen, Songtitel und Interpreten zu erraten. Leicht ist das nicht.

Thomas Volkmann

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Beziehungen zwischen Mann und Frau gibt es millionen-, ja milliardenfach. Manche sind schön, manche zerstörerisch, manche verheißungsvoll, manche problematisch. Der Film handelt von drei Paaren, die sich schwer tun, aber letztlich den richtigen Weg finden, so dass sozusagen die „Märzmelodie“ doch noch erklingen kann.

Anna ist Lehrerin. Doch die Schüler sind mit den Jahren anscheinend immer undisziplinierter geworden, Anna ist am Rande des Nervenzusammenbruchs. Thilo ist Schauspieler ohne den großen Durchbruch. Also fristet er sein Dasein als Weinverkäufer. Beim ersten Rendez-vous zwischen Thilo und Anna verlassen letztere wieder einmal die Nerven. Sie rennt davon. Beim zweiten spürt Thilo einen seiner häufigen Aussetzer. Er ist zwar schwer verliebt, aber statt sich mit Anna abzugeben, lässt er sie wegen seiner krankhaften Gedankenlücken Knall auf Fall sitzen und geht mit seinen Freunden zum Fußballspiel. Wie also soll daraus etwas werden?

Valerie und Moritz sind glücklich verheiratet, haben eine kleine Tochter. Die Probleme beginnen, als Valerie wieder arbeiten will, Moritz tagsüber den Babysitter spielen soll und dafür in der Nachtschicht arbeiten muss. Lange kann das nicht gut gehen.

Katja ist in den schönen Florian, einen erfolgreichen Schauspieler, verliebt. Sie wartet auf den Heiratsantrag, wünscht sich eine Familie und Kinder. Aber Florian denkt nicht daran, sich an die Kette legen zu lassen. Das Ergebnis ist eine schmerzliche Trennung. Vorerst.

Formal das Besondere an diesen drei Dramen ist, dass die Beteiligten jedes Mal, wenn ihre Gemüter überkochen, die Gefühle und Gedanken singend vortragen. Ein Versuch, schöpferisch etwas Neues zu bieten.

Ansonsten laufen die „Beziehungskisten“ normal ab, einigermaßen eingängig ausgedacht, flüssig gespielt (Alexandra Neldel als Anna, Jan Henrik Stahlberg als Thilo, Gode Benedix als Moritz, Inga Busch als Valerie, Jana Pallaske als Katja und Gedeon Burkhard als Florian) und schlüssig inszeniert. Gut durchschnittliche Beziehungskisten-Unterhaltung. 

Thomas Engel