Evet, ich will

Vier Paare und zwei Hochzeiten samt absurden Verwicklungen und kulturellen Differenzen stehen im Mittelpunkt der turbulenten Cultur-Clash Komödie „Evet, ich will“. Erfrischend respektlos beeindruckt Sinan Akkuº Spielfilmdebüt durch frechen Multi-Kulti-Witz und feiner Balance zwischen Tradition und Moderne. Ein Schuss „Lubitsch-Touch“ macht seinen temporeichen Episodenfilm zum schwungvoll inszenierten Kinovergnügen, das humorvoll Brücken zwischen den Kulturen schlägt.

Webseite: www.maxximumfilm.com

Deutschland 2008
Regie: Sinan Akkuº
Darsteller: Oliver Korittke, Lale Yavas, Heinrich Schafmeister, Ingeborg Westphal, Tim Seyfi, Idil Üner, Hülya Duyar, Mickey Hardt, Eralp Uzun, Aykut Kayacik, Dieter Landuris, Muhabbet, Toyin Taylor alias Trooper Da Don und als Gast Knut Elstermann
Drehbuch: Sinan Akkuº
Länge: 94 Minuten
Verleih: Maxximum Filmverleih
Kinostart: 1.10.2009
 

PRESSESTIMMEN:

Witzig-hintergründige Ensemblekomödie über die Liebe in Zeiten von Döner und Kopftuchstreit.
Cinema

FILMKRITIK:

Ein graues Hochhaus in Berlin. Hier überschneiden sich die Fäden der skurrilen Geschichten um deutsch-türkische Heirat und verbotene Liebe. Schließlich lebt heute die größte türkische Community Deutschlands, etwa 160 000 Türken und deutsche Staatsbürger türkischer Herkunft, in der Hauptstadt. „Wir gehen zu einer türkischen Familie, da möchte ich mich halt nur anpassen“, erklärt Helga (Ingeborg Westphal) ihrem verblüfften Sohn Dirk (Oliver Korittke) als sie sich plötzlich ein Kopftuch umbindet. Irritiert blickt der Jurastudent auf seine liberale Mutter. Schließlich praktizieren seine Eltern aus Überzeugung die „Ehe ohne Trauschein“. Seinen Wunsch, die junge Özlem (Lale Yavas) unbedingt zu heiraten finden sie eher spießig.

Özlems konservative Eltern dagegen bestehen darauf, dass ihr Schwiegersohn zum Islam übertritt und sich beschneiden lässt. Auch der kurdische Radiomoderator Coskun (Tim Seyfi) steuert den Hafen der Ehe an. Seine Auserwählte: Günay (Idil Üner), eine türkischen Alevitin. Doch ihr Vater sperrt sich. Niemals will er seine Tochter einem kurdischen Sunniten aus gläubiger Familie anvertrauen. Der Metzgersohn Coskun greift zum Äußersten. Wie sein Großvater will er seine Angebetete entführen.

Besonders hart trifft es jedoch Emrah (Eralp Uzun). Der türkische Automechaniker liebt einen deutschen Mann. Aber seine Eltern planen bereits seine Ehe mit der hübschen Friseuse Nursel (Pinar Erincin). Salih dagegen, gerade eingereist aus Anatolien, braucht dringend eine Frau, um eine Aufenthaltsgenehmigung zu ergattern. Und die schüchterne Steuergehilfin Sülbiye (Hülya Duyar) sehnt sich nach einer romantischen Liebesgeschichte. Ihre Eltern hoffen über eine Heiratsvermittlerin dem einsamen Mauerblümchen zu helfen.

„Türken und heiraten“, weiß Regisseur Sinan Akkuº, „ist ein großes Thema“. Beherzt wagt sich der Kölner Filmemacher mit seinem turbulenten Ensemblefilm an das wohl schwierigste Genre – die Komödie – heran. Dabei scheut sich der 38jährige Sohn türkischer Einwanderer nicht auch kontroverse Themen, wie Scheinehen und arrangierte Hochzeiten bis hin zum ständig schwelenden Konflikt zwischen Türken und Kurden ironisch ins Visier zu nehmen. Selbst mit der Zusammenführung vieler Handlungsstränge und verschiedener Tonlagen überzeugt der rhythmische Erzählfluss seines pointenreichen deutsch-türkischen Feel-Good-Movies. Zudem beweist sein deutsch-türkisches Schauspielensemble in originellen Szenen in Mimik und Gestik erstaunlich komödiantisches Talent.

Luitgard Koch

Ein Berliner Hochhaus, in dem eine ganze Reihe türkischer Familien wohnt und in dem es entsprechend Integrationsprobleme gibt.

Die junge Özlem ist dort zu Hause. Schon seit einem Jahr ist sie mit Dirk zusammen. Die beiden lieben sich und wollen heiraten. Doch so einfach ist das nicht. Der Antrittsbesuch von Dirk und seinen Eltern bei der Familie von Özlem, dazu bestimmt, um die Hand der jungen Frau anzuhalten, geht schief. Dirk müsste erstens Moslem und zweitens beschnitten sein, sonst geht da gar nichts.

Günay und Coskun sind Radiomoderatoren und schwer verliebt. Natürlich planen sie bereits ihre Hochzeit. Das Hindernis: Coskun ist Kurde, und Günays türkischer Vater würde sich lieber die Hand abhacken, als seine Tochter einem Kurden zu geben. Unüberwindliche Schwierigkeiten.

Emrahs Eltern haben für ihren Sohn schon Nursel als Braut ausgesucht. Alle treffen sich zur „Verlobung“. Jetzt kann Emrah nicht mehr anders als sich zu outen. Er ist schwul, liebt Tim. Für Emrahs Vater eine Katastrophe.

Sülbiye ist nicht gerade mit Schönheit gesegnet, möchte jedoch so gerne einen Mann. Mehrere Male läuft sie ins Leere, aber dann klappt es doch noch. Und auch die nächste Türkin geht nicht leer aus. Sie erwartet ohnehin schon ein Kind – von einem Afro-Amerikaner.

Salih muss auf Drängen seiner Eltern eine Frau finden. Gerade ist er in Deutschland angekommen. Er will die Frau in der Bundesrepublik suchen, hier arbeiten, reich werden. Aber der Markt ist nicht gerade reich an Bräuten. Und eine Scheinheirat würde bis zu 50 000 Euro kosten. Salih scheint unverrichteter Dinge wieder abreisen zu müssen. Bessere Chancen sieht er für sich, wenn die Türkei der EU beigetreten sein wird.

Gut miteinander verquickt sind zwei Dinge: das Komische und die Probleme, die die Integration der Einwanderer mit sich bringt. Dabei ist es gelungen, hinter dem Witz – und es gibt
eine ganze Menge davon – die Realität hervortreten zu lassen, die oft bitter sein kann. Der Kulturschock und das Generationenproblem, dürften noch lange anhalten. Die jungen Türken in unserem Land wachsen wirklich mit anderen Vorstellungen auf als ihre Eltern. Das gilt natürlich auch für andere Nationalitäten.

Liebe, Toleranz und Akzeptanz sind die Themen. Und da in diesem Film alle auf irgendeine Weise an diese Werte herangeführt werden, geht die Sache auch gut aus, wie das bei einer Komödie eben so sein muss.

Immigrationsprobleme und Integrationsspaß. Hier eine geglückte Verbindung.

Thomas Engel