Exploding Girl, the

Ivy und Al sind seit Kindheitstagen gut befreundet. Doch ein gemeinsamer Sommer in New York ändert das Verhältnis zwischen den Beiden. Eine federleicht erzählte Liebesgeschichte, die zu keinem Zeitpunkt aufgesetzt wirkt. Ein angenehm ruhig inszenierter Film mit überzeugenden Hauptdarstellern, dem es lediglich an dramaturgischen Höhepunkten mangelt.

Webseite: www.peripherfilm.de

USA 2009
Buch, Regie: Bradley Rust Gray
Darsteller: Zoe Kazan, Mark Rendall, Maryann Urbano, Franklin Pipp, Hunter Canning
Laufzeit: 79 Minuten
Verleih: Peripher
Kinostart: 06.05.2010

AUSZEICHNUNGEN
Tribeca Film Festival: Beste Schauspielerin Zoe Kazan
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Ein Sommer in New York. Die 20-jährige Studentin Ivy (Zoe Kazan) fährt in den Semesterferien nach Brooklyn und besucht ihre Mutter. Auf dem Weg holt sie Al (Mark Rendall) ab, mit dem sie seit frühsten Kindheitstagen befreundet ist und der ebenfalls an die Ostküste will. In New York angekommen trennt man sich zunächst. Doch die Trennung ist nur von kurzer Dauer. Ohne Bleibe, steht Al vor Ivys Tür und wird ohne Zögern aufgenommen. Schließlich ist man gut befreundet – und das seit vielen Jahren. Und so verbringen die Beiden viel Zeit miteinander und streifen durch die Stadt. Zeit, die Ivys in der Ferne weilende Freund Greg lediglich am Telefon in die Beziehung einbringen könnte. Doch selbst das tut dieser offenbar nur ungern. Entweder ist Greg partout nicht erreichbar oder aber in den belanglosen Gesprächen kurz angebunden. Nicht viel später hat sich Greg dann auch von Ivy getrennt.

Ivy hatte so gut es geht versucht, ihre Gefühle im Zaum zu halten und jeglichen Stress zu vermeiden. Sie leidet unter myoklonischer Epilepsie – einer kurzen, unvermittelt auftretenden, schockartigen Muskelzuckung. Nach der Trennung von Greg, geht sie auf eine Party und trinkt – bar jeglicher Vernunft – Alkohol. Der nachfolgende Anfall war vorhersehbar. Doch ist sie wenigstens nicht allein. Al ist an ihrer Seite. Ihre Freundschaft gibt Ivy Halt und die nötige Ruhe. Und vielleicht gibt Al ihr auch noch mehr als das. Ein wunderschöner Sommertag neigt sich dem Ende, der gemeinsame Blick schweift von einem Dach gen Himmel und ein Schwarm von Tauben zieht lautlos vorüber. Ein Tag, der die Gewissheit darüber bringen wird, ob aus Freundschaft auch Liebe erwachsen kann.

Bradley Rust Gray („Salt“) ist sicherlich kein Filmemacher, der seine Werke komplett am Reißbrett durchplant. Wo andere strikt nach ihrem Storyboard inszenieren, verlässt sich Gray auch gerne mal auf den spontanen Moment und die zufällige Fügung. So hat er in der Tat Sequenzen in seinen Film einfließen lassen, die in einem Moment entstanden, als die Kamera einfach nur mitlief während sich die beiden Hauptdarsteller am Set unterhielten. Dies ist natürlich nicht der einzige Grund, warum man bei „The Exploding Girl“ von einer lebensnah-authentischen Inszenierung sprechen kann. Der Film wirkt insgesamt zu keinem Zeitpunkt aufgesetzt oder gar kitschig – trotz Liebesbekenntnis im Lichte eines romantischen Sonnenuntergangs. Dies sei in erheblichem Maße der Bildsprache gedankt, die ohne schnelle Schnitte und übermäßig viele Close-Ups auskommt. Eine Erzählform, die aufgrund der heutigen Sehgewohnheiten ein wenig aus der Mode gekommen zu sein mag und doch gerade dadurch die Poesie der Geschichte zu vermitteln versteht. Schade nur, dass sich der Regisseur ein wenig zu sehr auf die Bildsprache konzentriert und dadurch die an Höhepunkten mangelnde Dramaturgie stark vernachlässigt.

Neben der federleicht erzählten Liebesgeschichte, eingebettet in flüchtige und angenehm ruhige Bilder, kann der US-Independent-Film letztlich aber auch durch seine beiden Hauptdarsteller überzeugen. Denn wenngleich alle Nebenrollen des Films in der Belanglosigkeit versinken, gelingt es Zoe Kazan und Mark Rendall den Film allein zu tragen. Zoe Kazan ist nebenbei bemerkt die Enkelin des Filmemachers Elia Kazan („Faust im Nacken“). Sie durfte bereits in Sam Mendes „Revolutionary Road“ Leonardo DiCaprio den Kopf verdrehen.

Gary Rohweder

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