Fälscher, Die

Im Jahre 1944 wurde von den Nazis im KZ Sachsenhausen eine Fälscherwerkstatt mit inhaftierten Spezialisten eingerichtet, die den Auftrag bekamen, den Dollar und das Pfund zu fälschen. Bei Erfolg gab es Privilegien und die wage Hoffnung auf Überleben, beim Scheitern wartete auf alle der Tod.  Die Geschichte der größten Geldfälscheraktion aller Zeiten erzählt nicht nur von einer weitgehend unbekannten, faszinierenden Randnotiz aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges, sondern auch auf dramatische Weise vom Kampf ums Überleben und dem Ringen ums eigene Gewissen. War den Männern doch klar, das jede perfekte Blüte dazu beitrug, den Krieg und das Morden der Nazis zu verlängern.

Webseite: www.diefaelscher.de

Deutschland/Österreich 2006
Regie: Stefan Ruzowitzky
Darsteller: Karl Markovics, August Diehl, Devid Striesow, August Zirner, Martin Brambach
Kinostart: 22.3.2007
98 Minuten
Verleih: Universum

PRESSESTIMMEN:

Ein kammerspielartig inszeniertes Drama nach historisch verbürgten Ereignissen, das den Gewissenskonflikt seiner Protagonisten ins Zentrum der Handlung stellt, sich selbst jedoch einer eindeutigen Parteinahme enthält. – Sehenswert ab 14.
film-dienst

..ein starker Film mit herausragenden schauspielerischen Leistungen – und einer Story, die man nicht hätte erfinden können.
ARD Kulturmagazin TTT

FILMKRITIK:

So einer wie Salomon Sorowitsch (Karl Markovics) kommt überall durch. Der König der Fälscher verdient sich erst am Elend seiner jüdischen Landsleute in Berlin eine goldene Nase und überlebt nach seiner Festnahme auch das KZ Mauthausen, als Porträtmaler für lokale Nazigrößen. Als er jedoch 1944 nach Sachsenhausen verlegt wird, scheint auch das Glück von Sorowitsch aufgebraucht.

Doch im KZ erwartet ihn mit dem SS-Mann Herzog (Devid Striesow) ausgerechnet der Kommissar, der ihm einst in Berlin das Handwerk gelegt hatte. Herzog vertraut ihm im Lager die Leitung der geheimen Fälscherwerkstatt an. Unter dem Decknahmen „Unternehmen Bernhard“ arbeiten hier spezialisierte Häftlinge an der größten Geldfälscheraktion, die die Welt bis dahin gesehen hatte. Im großen Stile sollen britische Pfund und US-Dollar gefälscht werden, um die gegnerische Wirtschaft zu destabilisieren und die eigenen Divisenvorräte aufzustocken.

Um die Arbeitsmoral der Gruppe hoch zu halten, arbeiten die Nazis mit Zuckerbrot und Peitsche. Bei Erfolgen gibt es Privilegien, scheitert die Fälscherwerkstatt heißt das aber für alle der sichere Tod. Während so mancher in der Gruppe angesichts ihrer privilegierten Lage in Gewissensnöte kommt, erscheint Sorowitsch nach außen unberührt. Mit gewohnter Akribie geht er an die Arbeit und verzeichnet bald erste Erfolge. Das britische Pfund wird selbst von Londoner Bankiers als echt eingestuft. Nun soll der Dollar in Angriff genommen werden. Doch mittlerweile ist zumindest einem der Häftlinge klar, dass ihre Arbeit den Krieg und das Leiden nur noch verlängert.

Der Drucker und politische Aktivist Burger (August Diehl) wird zum Gegenspieler von Sorowitsch, weil er immer offener Sabotage an den Druckplatten begeht. Das Ende des Krieges rückt näher und bei den meisten Beteiligten wächst die Angst, doch noch im letzten Moment sterben zu müssen.

Stefan Ruzowitzky arbeitet hier viel mehr als eine weitgehend unbekannte Episode aus den Tagen der Nazi-Herrschaft auf. Sein Film thematisiert den Zwiespalt zwischen persönlichen Interessen und dem Allgemeinwohl, anhand eines höchst diffizilen Dilemmas. Befolgen die Häftlinge die Anweisungen ihrer Peiniger, werden sie zum Werkzeug der Nazis, üben sie aber Sabotage, setzen sie nicht nur ihr Leben, sondern auch das der ganzen Gruppe aufs Spiel.

Wer im Zuschauerraum auf eine simple Heldengeschichte hofft, der wird von dem Österreicher Ruzowitzky enttäuscht. Der Film nimmt den Zuschauer lieber mit ins Boot, lässt ihn um Sorowitsch Schicksal bangen, obwohl dieser nur selten Züge von Mitgefühl zeigt und meistens sein Zynismus wie ein Schutzschild vor sich herträgt. Ja, Ruzowitzky geht sogar das Wagnis ein, seine Geschichte unterhaltsam und spannend zu erzählen, wobei er allerdings den alltäglichen Horror auf der anderen Seite des Zauns im „normalen“ KZ, ausblendet und als bekannt voraus setzt.

Wie bei Robert Benignis „Das Leben ist schön“ trägt seine Geschichte lange Zeit Züge eines Schelmenromans, nur dass bei ihm in der zweiten Hälfte der Held in den Hintergrund tritt und sich das Drama in einer mitreißenden Ensembleleistung verdichtet. Als Zuschauer wird man dabei Zeuge, wie jeder der Männer im „Goldenen Käfig“ des KZs auf individuelle Weise mit seiner Situation fertig werden muss. Dass dabei sogar für manche eine Art melancholisches Happy End herausspringt, ist nicht abgeschmackt im Angesicht der Millionen Toten, sondern zeigt die ganze Ambivalenz mit der die Überlebenden des Holocausts ihr persönliches Glück empfanden. Gänzlich unbeschadet an Leib und Seele das KZ zu verlasen, war ohnehin keinem der Insassen vergönnt.

Norbert Raffelsiefen

 

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KZ Sachsenhausen. Das schreckliche Bild wie in jedem KZ: perverse Wachmänner, die die Häftlinge quälen, Hunger, Enge, willkürliche Ermordungen.

Im Lager gibt es einen abgegrenzten, geheimen Bezirk. Eine Geldfälscherwerkstatt ist dort eingerichtet. Spezialisten aus anderen Lagern wurden zusammengezogen: Drucker, Retoucheure, Zeichner, Techniker. Goebbels will in großem Stil das Englische Pfund und den Dollar fälschen lassen, um die Volkswirtschaften dieser Länder in Schwierigkeiten zu bringen.

Der Lagerleiter ist bereit, den Beteiligten vorteilhafte Bedingungen einzuräumen: besseres Essen, private Kleidung, geregelte Arbeitszeit, ausreichende ärztliche Versorgung. Dank eines Naturtalents unter den Fälschern gelingt die Herstellung von Pfundnoten, deren Echtheit nicht einmal die Bank von England bezweifelt.

Jetzt soll es an den Dollar gehen. Doch dieses Mal ist das nicht so einfach. Denn es gibt unter dem Fälscherpersonal eine Gruppe, die vor allem angesichts des nahenden Kriegsendes die Dollarfälschung unter allen Umständen sabotieren will und dies auch lange tut.

Der Druck von oben wird stärker, und denjenigen, die ihm nachgeben wollen, nicht zuletzt um ihr Leben zu retten, gelingt es schließlich, sich durchzusetzen und den Bruderkampf, bei dem es nicht nur um Sabotage und um das Prinzip, sondern sogar um Leben und Tod geht, zu gewinnen.

Dann kommen die russischen Truppen. Die Wachmannschaften fliehen. Die befreiten Gefangenen sind auf sich selbst gestellt. Das Fälschungsunternehmen ist wie alles verloren.

Der Film hat zwei Vorteile. Der erste ist, dass die Geschichte wahr ist. Der Zeitzeuge Adolf Berger erzählt sie, Sachsenhausen war der Tatort. Die Information kann als berichtenswert angesehen werden. Der zweite Vorteil ist die Arbeit der Schauspieler. August Diehl beispielsweise ist dabei und gefällt in seiner Rolle. Den Vogel schießt aber der Österreicher Karl Markovics in der Rolle des Fälschungskünstlers ab – eine sehenswerte Leistung. Der Rest bleibt immerhin noch interessant.

Thomas Engel