Mitten ins Herz

Im Prinzip hat Marc Lawrence („Ein Chef zum Verlieben“) mit „Mitten ins Herz“ bereits eine Hollywoodadaption auf den französischen „Chanson d’amour“ geliefert – mit dem Unterschied freilich, dass seine Handlung so oberflächlich ist wie gemeinhin das Popbusiness als solches. Doch das macht nichts. Als Ex-Popstar, der seinen großen Zeiten hinterherhinkt, ist Hugh Grant nämlich eine sichere Bank in dieser romantischen Komödie. Und Drew Barrymore ist die seltene Pflanze, die ihm zum Comeback fehlt…

Webseite: www.mitteninsherz-derfilm.de

OT: Music & Lyrics
USA 2007
Regie: Marc Lawrence
Darsteller: Hugh Grant, Drew Barrymore, Brad Garrett, Kristen Johnston, Campbell Scott, Haley Bennett
103 Minuten (?)
Verleih: Warner Bros.
Start: 15.3.2007

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Das wird dem weiblichen Publikum gefallen: Hugh Grant, wie er zum sexy Hüftschwung ansetzt. Und auch wenn die Schminke etwas zu dick aufgetragen ist: mit entsprechender Perücke macht sich der aufs romantisch-komische Fach spezialisierte Charmeur im Vorspann als Popstar der 80er Jahre bestens. Fast zu schade, dass die eigentliche Handlung nach wenigen Minuten bereits in der Jetztzeit spielt. Grants an einen mit Hits à la Wham oder Duran Duran bekannt gewordenen Musiker angelehnte Figur Alex Fletcher kann getrost als gescheiterter Popstar bezeichnet werden. Die weiblichen Fans von einst, wie er selbst eben auch um zwanzig Jahre gealtert, jubeln ihm nach wie vor zu – im kleineren Kreis eben und meist auf unspektakulären Klassentreffen oder in zweitklassigen Vergnügungsparks.

Doch während der nach wie vor gut gelaunte Alex noch darüber nachdenkt, ob er sich in einer Show namens „Battle of the Has-Beens of the 80ies“ für einen kurzen Song im Boxzweikampf mit anderen ehemaligen Musikerkollegen von den Flock of Seagulls oder Frankie goes to Hollywood blamieren soll, bietet ihm das amtierende Popsternchen Cora Corman (sexy und biegsam: Haley Bennett in ihrer ersten Rolle) die Chance, ein Duett für sie zu schreiben. Dumm nur, dass der derart geschmeichelte Musiker in seinem Leben noch keinen brauchbaren Liedtext fabriziert hat. Doch just in diesem Moment erhält er Besuch von Pflanzenpflegerin Sophie Fisher (Drew Barrymore). Die beweist nicht nur das richtige Gespür für Worte, sondern begeistert Fletcher auch in anderer Hinsicht.

Streng genommen variiert Hugh Grant nur wieder eine seiner vielen Rollen wie „Notting Hill“, „About a Boy“ oder „Neun Monate“, nicht zu vergessen auch jene in „Ein Chef zum Verlieben“, für die er schon einmal für Marc Lawrence vor der Kamera stand. Immer wieder sorgt er in seiner altmodischen und trockenen Art für Lacher. Drew Barrymore als aufgedrehte Pflanzenpflegerin in Vertretung steht ihm diesbezüglich in nichts nach, auch ihr Charakter entpuppt sich als enttäuschte schöpferische, dennoch aber lebensfrohe Seele – und in der einen Woche, die den beiden zum Schreiben des Songs bleibt, kommen sie sich unweigerlich näher.

Wo der ebenfalls von einem seinen Glanzzeiten auf der Bühne nachtrauernde „Chanson d’Amour“ von Xavier Giannoli sich mehr in Melancholie ergeht und die Sehnsucht nach Liebe zum Motiv für eine beginnende Romanze wird, steht der oberflächliche Glanz des Popbusiness bei „Mitten ins Herz“ im Vordergrund. Doch wie Gerard Dépardieu aus tiefstem Herzen vom Zustand seiner Seele sang, verfehlen auch Grants musikalisch vorgetragene Empfindungen ihre Wirkung nicht.

Nicht von ungefähr hat Lawrence die frühere Erfolgsband seines Protagonisten „PoP“ genannt, eine Blaupause quasi jener Bands, über die sich in den 80er Jahren Pop definierte. In der Jetztzeit ist dies die Figur Cora Corman, eine ausgeflippte und in ihrer Art unverhohlene Widergängerin von Britney Spears in Hot Pants auf einem spirituellen Trip. Streng genommen ist sie auch die gute Fee, durch deren Zauber sich die voller flotter und radiokompatibler Songs steckende Romanze zwischen Alex Fletcher und Sophie Fisher erst entfalten darf.

Thomas Volkmann

 

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Alex Fletcher ist ein Pop-Sänger, der seine besten Tage hinter sich hat. In den 8oern war er groß, jetzt bekommt er von seinem mit ihm eng befreundeten Manager Chris nur noch Engagements für Vergnügungsparks und Jahrmärkte. Es scheint immer weiter bergab zu gehen.

Doch halt, der junge Tanz- und Rockstar Cora Corman braucht einen neuen Song, und unter einer ganzen Reihe von Konkurrenten zieht Alex den Auftrag an Land. Allerdings hat damit die Not noch kein Ende. Denn Alex ist zwar ein einigermaßen guter Musiker, was noch lange nicht bedeutet, dass er auch ein guter Texter wäre. Woher also die Lyrics nehmen, wenn nicht stehlen?

Da schneit ihm der Zufall Sophie Fisher ins Haus. Die studierte einst kreatives Schreiben, wurde jedoch kürzlich von ihrem Lehrer und Ex-Freund Sloan derart heruntergemacht, dass sie auf Literatur keine Lust mehr hat. Zur Zeit hilft sie lediglich einer Freundin aus, anderer Leute Pflanzen zu gießen.

So ganz kann sie das Texten aber doch nicht lassen. Denn während sie in Alex’ Wohnung beschäftigt ist und dieser händeringend nach geeigneten Worten für seinen Song sucht, wirft Sophie ihm einfach so ein paar Brocken Lyrics vor die Füße. Alex horcht sofort auf und will Sophie als Partnerin gewinnen. Sie sträubt sich lange – der Film soll schließlich 90 Minuten dauern. Mit der Zeit jedoch werden die beiden natürlich Arbeitspartner und ein Liebespaar. Am Erfolg des gemeinsamen Songs ist nun wirklich nicht mehr zu rütteln.

Eine hübsche Musik- und Liebeskomödie wie viele andere auch. Über dem Durchschnitt liegt sie schon, denn die Repliken sind temporeich sowie originell und die szenischen Arrangements, etwa die Pop- und Rockpassagen aus den 80er Jahren, geglückt.

Hugh Grant (Alex) singt, tanzt und rockt wie ein Profi. Dass er eine unterhaltsame komische Ader hat, weiß man ja.

Seine Partnerin ist hier Drew Barrymore. Sie hält durchgehend gut mit. Aufmerksam wird man auch auf die junge Sängerin und Tänzerin Haley Bennett als Cora. Sie meistert ihren kleinen Part perfekt. Ein wenig wie ein Fremdkörper fällt nur Kristen Johnston als Sophies Schwester Rhonda auf.

Die Regie und ihre „Zutaten“ wie Kamera, Produktionsdesign oder Kostüme wirken gelungen bis routiniert. Der Soundtrack wurde verständlicherweise besonders gepflegt. Belanglose, aber hübsche Unterhaltung.

Thomas Engel