Fast verheiratet

Wie der Titel „Fast Verheiratet“ unzweideutig verrät, sind die beiden Hauptfiguren in Nicholas Stollers schöner, meist erwachsener, manchmal alberner Komödie aus der Judd Apatow-Produktionsschmiede genau das. Lange Jahre zieht sich die Verlobungszeit von Tom und Violet hin, durchläuft Höhen und vor allem Tiefen, bis sie schließlich und endlich doch merken, dass sie perfekt füreinander sind, auch wenn in ihrer Beziehung nicht immer alles perfekt ist.

Webseite: www.fast-verheiratet-film.de

OT: The Five-Year Engagement
USA 2011
Regie: Nicholas Stoller
Buch: Nicholas Stoller, Jason Segel
Darsteller: Jason Segel, Emily Blunt, Chris Pratt, Alison Brie, Rhys Ifans, Lauren Weedman, Mimi Kennedy
Länge: 124 Minuten
Verleih: Universal
Kinostart: 12. Juli 2012

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Die meisten romantischen Komödien enden mit einer Hochzeit oder zumindest dem Versprechen einer baldigen Heirat. Wenn ein Film dieses Genres also mit einem Heiratsantrag beginnt, ist man zunächst versucht, dieses auf den Kopf stellen der Genreregeln als durchschaubaren Versuch abzutun, besonders originell zu sein. Doch „Fast Verheiratet“ (im Original noch treffender „The Five-Year Engagement“ – „Fünf Jahre verlobt“) ist deutlich mehr als nur eine hübsche Idee. Wie kaum ein anderer der Filme, die in den letzten Jahren im weitesten Sinne aus der Judd Apatow-Produktionsschmiede kamen („Funny People“, „Beim ersten Mal“, „Brautalarm“, „Nie wieder Sex mit der Ex“ und viele andere) schafft es „Fast verheiratet“, eine ausgewogene Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Klamauk einzugehen.

Die Geschichte beginnt mit dem Heiratsantrag, den Tom (Jason Segal) seiner Freundin Violet (Emily Blunt) macht. Seit genau einem Jahr kennen sie sich, führen eine harmonische Beziehung im schönen San Francisco, er als aufstrebender Koch, sie als angehende Wissenschaftlerin, und sind offensichtlich füreinander bestimmt. Dementsprechend wird die Hochzeit geplant, alles in die Wege geleitet und vorbereitet, doch dann kommt etwas dazwischen. Statt in Berkeley angenommen zu werden, bekommt Violet eine Stelle an der Uni im kalten und vor allem fernen Michigan. Doch Tom hat keine Bedenken, mit Violet in die Ferne zu ziehen, die Hochzeit erstmal zu verschieben und seine tolle Stelle aufzugeben. Allerdings bevor er erfährt, dass seine Chefin ihn bald zum Chefkoch befördern wollte. Nun gut, für Violet ist Tom bereit, auch Sandwichs zu belegen, und so findet er sich mit dem Leben in Michigan ab. Mehr schlecht als recht, doch nach zwei Jahren – so der Plan – geht es zurück nach San Francisco. Doch kurz vorher, Tom plant schon den zweiten Anlauf zur Hochzeit, wird Violets Vertrag verlängert und die Hochzeit erneut verschoben.

Und während Tom und Violets Beziehung langsam zu kriseln beginnt, der unterschiedliche Karriereverlauf unweigerlich zum Problem wird und von Hochzeit immer seltener die Rede ist, geht es auch anders: Toms bester Freund Alex und Violets Schwester Suzie waren sich bei der Verlobungsfeier näher gekommen, aus einem One-Night-Stand entstand ein Kind, aus der Not wurde eine Ehe geboren. Immer wieder zeigt der Film dieses Gegenmodell, das mehr von Pragmatik als Romantik geprägt ist, auch nicht ohne Probleme funktioniert, aber doch mehr Früchte trägt als die Beziehung von Tom und Violet.

Und zwischen den immer wieder eingestreuten Momenten derben Humors, für die die Apatow-Schule der Komödie inzwischen mindestens ebenso bekannt ist wie für ihre oft bemerkenswert ernsthafte Auseinandersetzung mit Beziehungen, kommt langsam die Intention des Films zum Vorschein. Ohne zu moralisieren fragt er danach, wie ein ideales Beziehungsmodell aussieht, ob das Streben nach einer perfekten Partnerschaft, nach einer idealen und dadurch eher verklärten als realistischen Beziehung unbedingt der richtige Weg ist. Und so sehr „Fast Verheiratet“ letztlich auch romantische Komödie ist (inklusive der finalen Hochzeit, auf die der Film natürlich unausweichlich zusteuert), so sehr ist er auch eine Kritik am herkömmlichen Modell der romantischen Komödie aus Hollywood, die meist von den verklärten Vorstellungen geprägt ist, die hier entlarvt werden.

Michael Meyns

Violet und Tom lernen sich in San Francisco auf einer Silvesterparty kennen. Genau ein Jahr später macht er ihr einen Heiratsantrag. Der verläuft zwar unorthodoxer als geplant, doch sie sagt ja.

Tom ist Koch in einem angesagten Restaurant, Violet hat eine akademische Laufbahn eingeschlagen. Die Trauungsvorbereitungen laufen. Die vorgesehenen Trauzeugen, Violets Schwester Suzie und Toms Freund Alex, überholen die beiden Silvester-Verlobten sogar noch; Suzie ist nämlich nach einer einzigen Sexnacht schwanger geworden.

Violet bekommt einen Ruf nach dem winterlichen Michigan. Tom gibt seinen vielversprechenden Job in San Francisco auf und folgt ihr. Heirat verschoben.

Tom bekommt nur in einer Würstchenbude eine Anstellung. Violets Karriere wird dagegen immer steiler. Ihr Vertrag wird verlängert. Hochzeit abermals verschoben.

Violets Mentor Winton macht seiner Mitarbeiterin ständig stärkere Avancen – bis das Mädchen nachgibt. Tom pfeift schließlich auf seinen billigen Sandwich-Arbeitsplatz. Er hat angefangen, kuriose Verhaltensweisen an den Tag zu legen. Die beiden leben sich auseinander. Tom geht zurück nach Kalifornien. Er bandelt mit einer anderen Frau an. Hochzeit verschoben.

Kommen die beiden noch einmal zusammen? Ist eine Heirat noch möglich?

Eine Beziehungskomödie. Nicht leicht zusammenzuknüpfen, weil Violet und Tom so unterschiedlich gestrickt sind. Der Ablauf „fängt . . . das ewige Tauziehen zwischen zwei Personen ein, aber eben auch all die wundervollen Dinge, die sich entwickeln können, wenn man sich liebt“.

Tom (Jason Segel), Violet (Emily Blunt), Alex (Chris Pratt), Suzie (Alison Brie) oder Winton (Rhys Ifans) spielen sich die Bälle in die Hände, improvisieren, agieren glänzend, so dass man gut mitgeht. Filmisch und inszenatorisch gibt es keine größeren Beanstandungen. Tief geht das alles allerdings nicht. Also: anspruchslose, amüsante Unterhaltung.

Thomas Engel